Archive | November, 2012
Gesellschaft, Natur und Umwelt >>

Das Huhn, oder das Ei?

Eine kleine kurze Reportage, und schon möchte ich mein Kaufverhalten von Grund auf umkrempeln. Es geht um das Huhn und auch um das Ei, denn in Deutschland stehen wir vor dem Problem, dass wir uns entscheiden müssen. Soll es ein Masthuhn sein, oder eine Legehenne? Wird es eine Legehenne, so werden kurz nach dem Schlüpfen Millionen männliche Küken aussortiert, und vergast oder verschreddert. Da kommt mir die Galle hoch. Ebenso, einmal mehr die Bilder sehen zu müssen von Massentierhaltungs- und Züchtungsanlagen.

Was ich vorher aber nicht gewusst habe – wobei es mir klar hätte sein müssen! – ist, dass genauso wie beim Gemüse, der heutige Landwirt auch bei der Fleisch- oder Eierproduktion davon abhängig ist, jedes Jahr neue Tiere geliefert zu bekommen. Neue Hochzüchtungen von sogenannten Hybridhühnern. Und auch viele Biobetriebe sind auf diese Hybridzüchtungen angewiesen. Es ist also ein nicht enden wollender Teufelskreis von abartigen Haltungsbedingungen, übermäßiger Produktion mit hohem Anteil an Export, unerhörten Billigstpreisen und einer Menge Menschen, die sich darüber überhaupt keinen Kopf machen.

Angelika Gsellmann mit einer Sulmtaler Henne

Foto: herrmannsdorfer.de

Diese Tretmühle durchbricht nun Angelika Gsellmann von den Landwerkstätten Herrmannsdorf (bei München): seit 2009 werden hier alte Hühnerrassen weiter gezüchtet, dass sie sowohl zur Eierproduktion dienen als auch im Suppentopf landen können. Es sind sogenannte Zweinutzungshühner, wie es sie früher nur gab. Und auch den Traum von Frau Gsellmann von einer zukunftsfähigen Hühnerwirtschaft teile ich: Dass es bald einfach wieder ganz viele Kleinsthöfe gibt, bei denen man Eier von wirklich glücklichen Hühner kaufen kann.

Hier die kurze Reportage über das Kombihuhn:

 

siehe auch:

 




Read full story · Comments { 1 } · November 9, 2012 ·
Gesellschaft, Leben und Lieben >>

Wozu ist das Leben da?

Vor kurzem kam ich in den Genuss, ein paar Tage lang am Leben einer Hauskatze zu teilzuhaben: Morgens schläft sie lange aus, dann isst sie etwas, geht kurz aufs Klo, um sich dann ein sonniges Plätzchen zu suchen, wo sie sich hinrollt und weiterschläft. Nach ein paar Stunden streckt sie sich in alle Richtungen, leckt sich das Mäulchen und putzt mit einer Behäbigkeit ihr Fell. Dann schaut sie auf, zum Fenster. Und schaut, und schaut… wendet sich wie gelangweilt ab, wechselt ihren Standort, sitzt dort eine Weile untätig rum, nur um sich dann ein anderes Fleckchen Kissen zu suchen, das sie sich behaglich zurechtstupst, um dort erneut zusammengerollt die nächsten Stunden zu verbringen. Und wenn die Nacht anbricht, hüpft sie aufs Dach, geht dort spazieren, lauscht dem Mond und den Stadtgeräuschen, macht sich auf Entdeckungsreise, nur um sich alsbald wieder in der Wohnung anzufinden und schlafend in eine Ecke zu kuscheln.

Foto: dasjabbadas

So lebt die Katze, dachte ich mir, tagein, tagaus. Und sie scheint ganz zufrieden damit zu sein. Wenn ich es mir genau überlege, so symbolisiert das Leben der Katze doch ein perfektes Ankommen in der Gegenwart: sie lebt nur im HIER und JETZT, ist ganz und gar sie selbst, LEBT sich selbst im jeweiligen Moment. Sie hat kein Ziel. Sie IST einfach.

Ich finde, wir können von der Katze lernen. Ich Mensch strebe immer nach etwas, bin auf der Suche, lebe viel zu oft im Morgen.

Vor allem ist da die Gefahr, dass nach dem Falschen gestrebt wird – nach etwas, was am Ende gar keine Erfüllung bringt:

 

Ich denke mir manchmal, das Leben selbst will einfach nur gelebt werden. Also voll und ganz: achtsam wahrgenommen, er-lebt. Es ist doch ein wunderschönes Geschenk, die Möglichkeit zu haben, die Welt zu erfahren: mit allen Sinnen, in all ihren Facetten! Vielleicht hänge ich mir bald einen Zettel auf: „Ich diene der Freude!“ oder so ähnlich, und versuche fortan meine Entscheidungen danach zu fällen, ob ich damit Freude sähen und ernten kann.

Alles andere ist vielleicht Zeitverschwendung: Auf ein imaginäres Ziel hinschuften, im Hamsterrad der Verplichtungen verloren sein, das Arbeiten für ein besseres Morgen, wo es doch nur ein Heute gibt, das gelebt werden will.


Buchtipp

Einer unter 6 Milliarden:

Was Menschen erleben, träumen und hoffen.




Read full story · Comments { 1 } · November 9, 2012 ·
24.05.2015 mondamo.de | Kontakt