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„Das ist das Leben“ – Top 10 der anspruchsvollen Serien

Ich gebe zu, ich liebe Serien. Das ist aber eigentlich auch gar nicht so verwunderlich, da ich hier zwei Leidenschaften vereint finde:

  1. als Cineast mag ich außergewöhnliche, unkonventionelle und zum Nachdenken anregende Filme 
  2. als Leseratte verfange ich mich gerne in die tiefsten Abgründe menschlichen Daseins.

Eine Serie vermag beides zu verbinden: visueller Anspruch, gepaart mit guter Musik und wortgewandten Dialogen – und eine gute Story, in die man so richtig eintauchen kann. Wenn die Serie gut ist, dann trägt sie dich, dann nimmt sie dich mit auf eine Reise. Natürlich sind gute Serien eher wie seltene Perlen: nicht so leicht zu finden. Wir sind überschwemmt mit billigem Kitsch, sinnfreier Action und einer Menge puppengleicher Helden… da unterscheiden sich manchmal Serie und Werbepause kaum mehr voneinander. Aber es gibt sie: Serien, die wirklich eine Geschichte erzählen: in der sich die Figuren entwickeln, ein Innenleben haben und vor allem ihren eigenen Kopf. Hier also mal eine Liste meiner Lieblingsserien.

Dexter

Was Dexter am meisten erzeugen kann ist: Spannung. Wie wird es weiter gehen, wie kommt er nun aus diesem Schlamassel raus? Wer ist ihm auf der Spur, wie kann es ihm gelingen, die Schlinge um seinen Hals wieder zu lösen? Aber auch: gibt es gute oder schlechte Menschen? Gibt es Monster in uns? Und sind wir ihnen ausgeliefert? Kann ein Trauma in der Kindheit rechtfertigen, dass man heute Unrechtes tut? Und sei es auch nur mit einer Art Kodex, den man zu befolgen hat. Können denn alle anderen Mörder und Serienkiller schlecht und erbärmlich sein, wenn Dexter selbst seine Gründe hat? Anders als viele Fans, brauche ich gar nicht mal mehr so die Spannung, oder „was sich nun wieder neues ausgedacht wird“. Ich wünsche mir wirklich, dass er einen Weg findet, seine inneren Konflikten zu meistern. Es gibt viele Serien, die viel Blut und Action zeigen, und ein Mensch nach dem anderen wird weggemetzelt, als wäre das ohne Bedeutung. Wer von solchen Medien zu Dexter wechselt, der schimpft nach ein paar Staffeln vielleicht, dass Dexter zu weich würde, „zu menschlich“… aber gerade das ist es, was ihn mir so sympathisch macht. Ein dermaßen sympathischer Antiheld.

 

dexter schoki

Six Feet Under

Es ist wohl für die meisten von uns eine recht seltsame Vorstellung, eines Tages zu sterben. Dass es für andere allerdings auch ein recht lukratives Geschäft sein kann, ist eine makabere Vorstellung. In dieser Serie geht es um eine Familie, deren Familienunternehmen ein Bestattungsinstitut ist. Besser noch: ihr Wohnhaus selbst, dient auch den Trauerfeiern und als Leichenhaus. Über die Jahre hinweg sind diese Familienmitglieder alle etwas eigen geworden. Das gibt dann eine merkwürdige Konstellation aus abenteuerlichen Weltenbummler, verklemmten Arbeitstier, aufmüpfiger Hippietochter und distanzierter nach außen hin unterkühlt wirkender Hausfrau. Sie alle sind im Gespräch mit dem verstorbenen Familienoberhaupt und haben ihre ganze eigene Geschichte zu bewältigen.

Die Charaktere sind mir alle einzeln ans Herz gewachsen & ich habe es einfach geliebt, dass schwierige Themen und Fragestellungen aus dem „echten Leben“ aufgenommen und kontrovers erfrischend anders erörtert werden.

 

Mad Men

Ich habe immer davon geträumt, dass es mal Filme gibt, die das Zusammensein NACH dem Happy End verfilmen. In den meisten Hollywoodstreifen geht es immer nur um die Frage: Kriegt er sie? Können sie alle Missverständnisse und Hürden auf dem Weg zur Traumbeziehung überwinden? Und dann gibt es romantische Musik, das Paar fällt sich in die Arme, und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute… Ich denke manchmal, dass das Leben um sovieles interessanter ist – und dass eine Beziehung soviel mehr bietet, aber auch soviel mehr fordert.

Mad Men knüpft genau da an: auf dem ersten Blick mag die Serie schwerfällig daher kommen. Weil sie sich Zeit lässt: Zeit, die Charaktere vorzustellen; Zeit, die Menschen sich entwickeln zu lassen. Im Mittelpunkt steht Don Draper, ein wortkarger doch sehr charismatischer Mann. Es sind die 60er Jahre, wo von der amerikanischen Lady noch ein perfektes Hausfrauendasein erwartet wurde. Die Geschichte spinnt sich um eine Werbeagentur, die alles daran setzt, den Menschen Produkte schmackhaft zu machen: das Verlangen nach mehr, perfekt, besser… ein anderes Leben.

Umso bewegender ist es, zu spüren, dass kaum einer der Protagonisten glücklich ist mit seiner Lage. Bezeichnend ist auch das Intro: Ein Mann steht in seinem Büro und bemerkt, wie alles in sich zusammenstürzt. Seine hart erarbeitete Welt bricht zusammen, er fällt die mit Werbeplakaten umkleideten Hochhäuser herunter – taumelt, bis er sich bei einer Zigarette wieder fängt.

Matt Zoller Seitz  fasst die Thematik passend so zusammen:

Mad Men is the story of a lot of complex, often infuriating characters whose individual stories are all reflected and refracted through the show’s hero. The hero is a man who keeps running away from himself instead of looking inward to try to figure out why he runs. The hero is a man who was abandoned over and over throughout his life. He felt unloved even when he was loved dearly (just like the refrigerator monologist), and spent much of his adult life seeking perverted facsimiles of love, then abusing and betraying the people who gave him real love, because he was so damaged that he couldn’t recognize love as love.

 

 

The Mentalist

Ein arrogant wirkender Scharlatan wird eines Tages Opfer eines schlimmen Verbrechens. Seither hilft er der Polizei mit seiner Fähigkeit, Menschen und Situationen zu durchschauen, Fälle aufzuklären. Getrieben von dem Wunsch nach Rache: Den Täter seines eigenen Traumas dingfest zu machen. Doch der liebt das Spiel des Jäger und Gejagten und lässt sich nicht so leicht finden.

Klingt wie eine simple Idee, die schon zigfach kopiert wurde. Ist es im Grunde auch. Doch die Serie besticht durch die Dialoge, die Intelligenz und der berührenden Charakterzeichnung der beiden Hauptpersonen Jane und Lisbon.

 

Girls

Der Titel, der alles suggeriert nur nicht das, worum es wirklich geht. Vier verrückte junge Frauen, die alle versuchen ihr Leben zu meistern. Und dabei trotz aller offensichtlichen äußeren Unterschiede dermaßen viel gemeinsam haben: sich selbst am wichtigsten zu nehmen, Erfüllung durch den Partner finden zu wollen, exzentrisch zu sein.

Masters of Sex

Die Erforschung von Sexualität – sowohl am eigenen Körper, in den eigenen Beziehungen, als auch am „Erforschungsobjekt“ (den freiwilligen Versuchskaninchen) – ist die eine spannende Problematik dieser Serie. Die andere ist das Zwischenmenschliche, und das Wachsen oder Entwachsen in Beziehungen.

Louis

Jemand, der über sich selbst gut lachen kann und als liebevoller Vater, verzweifelter Liebhaber und Midlife-Crisis-mid-Vierziger eine gehörige Portion Humor und Zynismus mitbringt.

 

Breaking Bad

Spannend von Anfang bis Ende. Ungewöhnlich gerade am Anfang. Schön skurril zuweilen. Und wunderbar aufs Menschliche konzentriert.

 

Top Serie Nr. 9

Dann gibt es noch eine kleine Zahl von Serien, die ich sehr gerne geschaut habe… die tummeln sich quasi alle auf Platz 9 und 10. Vielleicht aber warte ich nur darauf, noch so einen Schatz zu entdecken, der mich lachen und weinen lässt und vor allem: mitfühlen.

Wer also einfach nur „richtig gut“ unterhalten werden will, dem empfehle ich:

  • Shameless – die Ghettokids einer Großfamilie versuchen ohne Eltern über die Runde zu kommen, mit viel Humor, Originalität und Lovestory
  • Scrubs – ein angehender Arzt lernt erwachsen zu werden
  • True Blood (wobei ich nur die erste Staffel tauglich finde) – Sagengestalten zum Leben erweckt: und sie wollen auch noch Mitsprache-Rechte in der Politik der Menschheit ;)
  • Downton Abbey – der Adelsstand mit seinem großen Gefolge an Dienstmädchen und Kammerdienern; und wie sich nach der letzten Jahrhundertwende alles für sie langsam aber sicher änderte
  • Avatar, der letzte Luftbändiger – ein 12jähriger Junge soll Frieden in die Welt bringen, und muss dabei lernen, alle Elemente zu beherrschen. Ein Cartoon der weise und spirituell lehrt, dass es nicht einfach nur Gut und Böse gibt.

ser




Read full story · Comments { 11 } · März 3, 2013 ·
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