mondamo.de | January, 2015
Dies und Das, Gesellschaft >>

Wieviel Charlie darf’s sein? Welchen Sinn haben Spott und Provokation?

Mein Freund Hardy fragt sich: “Bin ich wirklich Charlie?” Und meint nach einigem Nachdenken: “Nein, ich bin immer weniger Charlie!” Weil er nicht möchte, dass Meinungsfreiheit bedeutet, andere – und sei es nur mit dem Stift – anzugreifen und etwas, was ihnen heilig ist, zu verhöhnen oder zu verunglimpfen.

Ich hab Hardy’s Gedanken mit großem Interesse gelesen. Das ist etwas, worüber wir uns einen Kopf machen sollten. Und da Hardy keinen eigenen Blog hat, wird sein Text nun bei mir veröffentlicht. Kommentare wie immer willkommen :)

 

jabberworks - sending love

Bild von Sarah McIntyre – originally tweeted as jabberworks

Bin ich wirklich Charlie?

Von der Freiheit der Karikatur

Gastbeitrag von Hardy

Ich habe in den letzten Tagen im Zuge der Ereignisse in Frankreich viel gesehen, was im Namen der Freiheit gepostet und aus Solidarität zu Charlie Hebdo (jetzt erst recht!) veröffentlicht wurde. Es macht mich sehr nachdenklich! Ich finde schockierend, mit welcher Selbstverständlichkeit “die freie Welt” viele Hundert Millionen Menschen in ihren Gefühlen beleidigt (oder das zumindest billigend in Kauf nimmt), wie sie sich zornig, empört, selbstgerecht und arrogant über ihren Glauben und ihre Traditionen lustig macht.

Darf man eine so große Gruppe Menschen so pauschal zusammenfassen und mit einem Federstrich abwatschen? Ist es gerechtfertigt, einen nicht unerheblichen Teil der Weltbevölkerung ausschließlich über ihren Glauben zu definieren und zu beurteilen? Klar, das ist auch in anderen Zusammenhängen in den freien Gesellschaften gängige Praxis – dort, wo sich Dummheit, Phobie und Intoleranz (übrigens alles Merkmale der Unfreiheit) gegen eine Gruppe / Minderheit wenden (z.B. Homosexuelle). Ist das legitim, weil es unter diesen vielen Hundert Millionen gefährliche Wirrköpfe gibt, die eine Religion für ihre weltlichen Interessen bis zur Unkenntlichkeit verbiegen und mordend im Namen ihres Gottes durch die Welt ziehen? Darf man so handeln, selbst wenn die überwiegende Mehrheit der Muslime das genauso verkackt findet wie wir – ohne dabei jedoch grundsätzlich am Wert ihrer Religion zu zweifeln? Wäre hier nicht sinnvoller, sich um ein „Bündnis der Freiheit“ über Religionen und Weltanschauungen hinweg zu bemühen, statt den Spaltkeil des Spotts und der Provokation an die Schnittstelle zu setzen?

Religionen werden seit jeher instrumentalisiert

Religionen sind nicht pauschal schlecht oder gut. Sie teilen dasselbe Schicksal mit anderen “Unterscheidungsmerkmalen” (Herkunft, Ethnie, Hautfarbe, Sexualverhalten, Bildung, Geschlecht, soz. Status usw.): dass einzelne Menschen, Organisationen, Staaten, politische Systeme sie instrumentalisieren, um ihre Anliegen (Machterweiterung, Eroberung, Ausbeutung, Unterdrückung, Wertemission usw.) zu rechtfertigen oder umzusetzen. Für derartige Vorhaben braucht es immer eine Masse Mensch im Gleichschritt der Überzeugungen, in ideologischer Uniform, mit einem gemeinsamen Schlachtruf, der mit Herzblut vertreten wird. Religionen eignen sich dafür hervorragend! Kein Wunder also, dass sich immer genügend Menschen finden, die den Stechschritt mitmachen, in der Uniform aufgehen, die Parolen auswendig lernen – und (Herz-)Blut fließen lassen. Das heißt aber nicht, dass diese „Kämpfer für die gerechte Sache“ kompetent über die Inhalte des Glaubens oder die Strategien im Gesamtzusammenhang im Bilde wären! Sie sind Handlanger, nicht mehr.

Das funktioniert auf allen Seiten! Was wissen die Terroristen wirklich vom Islam? Und: was wissen wir wirklich vom Islam?

Das Karussell der Geschichte

Die Geschichte ist voller Beispiele, in denen die Völker, Reiche und Führer der Welt Mitläufer und Aktivisten unter (haarsträubend dummen) Ideologien versammeln, um ihr Süppchen zu kochen – das oft genug Andere auslöffeln müssen. Deutsche sind im 20. Jahrhundert zweimal aufgebrochen, um die (Welt-)Herrschaft zu erringen. Auf ihren Koppelschlössern stand in beiden Kriegen “Gott mit uns”. Auch in unserem Land haben gläubige Menschen, die es besser hätten wissen müssen, weggeschaut, sind geblendet mitgelaufen oder haben die Bewegung gar kräftig angeheizt. Das Ergebnis waren über 70 Mio. Tote zwischen 1914 und 1945 – und verwüstete Länder. Diese Kriege waren so unheilig wie alle, die aus niederen Beweggründen angezettelt werden. Sie haben keine religiösen Ursachen! Weder in Nordirland, noch in Bosnien oder Sri Lanka – you name it.

Mit einigem Abstand offenbart sich dem Betrachter immer dasselbe Bild: jeder (heilige) Krieg beginnt mit Lügen, gezielter Beeinflussung, Diffamierungen und schlimmer Pauschalisierung, um Menschen für ihn zu gewinnen. Das klappt auf allen Seiten, unabhängig vom Glauben, von Nationalität oder Gesellschaftsordnung. Laufen wir nicht Gefahr, denselben Mechanismen auf den Leim zu gehen?

Sören Kierkegaard sagt: das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. Ich füge hinzu: wer im Rückwärtsblick etwas verstanden hat, kann (nein: MUSS!) im Vorwärtsleben anders handeln, statt sich besoffen zu drehen auf dem ewigen Karussell der Geschichte!

Wir sollten uns genauso wenig hinter menschenverachtenden Karikaturen und abendländischen Wutparolen versammeln, wie die Gläubigen des Islams unter schwarzen oder grünen Fahnen des Hasses und der Gewalt. Nicht nur die Anderen betreiben Eskalation und Polarisierung – auch wir. Wir sollten dabei nicht in dieselben sinnlosen Rechtfertigungsdiskussionen verfallen, wie Schüler aufm Schulhof: “DER hat aber angefangen!” Schlechte Karikaturen bleiben schlecht, auch und gerade, wenn sie dem Zorn und der Menschenverachtung entspringen.

Zur Frage: “Bin ich Charlie?”

Nein, ich bin immer weniger Charlie! Es wird mir unter dieser Parole (genau wie montags auf der Straße) zu viel in einen Topf geworfen. „Ja!“ zu Meinungsfreiheit. „Ja!“ zu “nicht-kuschen-vor-Einschüchterung”. Aber entschieden „Nein!“ zu einem pauschalen „jetzt erst recht!“ und zu einem Wettkampf der bissigen Karikaturen. Ich weiß, Differenzierungen sind nicht leicht und haben immer den Beigeschmack des Spaltertums! Aber wenn wir eines nicht brauchen, dann ist es pauschale Aggression und blinde Diffamierung.

Nichts gegen ein “gutes” Satiremagazin…. ich kannte Charlie bis dato nicht und kann die Arbeit gar nicht beurteilen. Hätte ichs gekannt, hätte ich wahrscheinlich die Karikaturen gegen Muslime nicht beklatscht. Die eigenen Politiker und Systeme aufs Korn zu nehmen, vor der eigenen Haustür zu kehren, das ist eine andere Liga! Auch nach den Anschlägen in Paris kann und will ich manche Zeichnung einfach nicht prima finden, nicht mal aus Solidarität! Ich schließe mich einer Französin an, die vorgestern auf N24 sinngemäß sagte (und gut, dass SIE es gesagt hat): Charlie Hebdo hat manchmal wirklich tolle Sachen gebracht – aber das darf man nun unter dem Eindruck der Ereignisse nicht idealisieren. Eine ganze Menge davon war auch ziemlich platt und stumpf.

Yepp! “Hau rein in die Kerbe” ist eben nicht unbedingt eine Fackel der Freiheit und auch kein Merkmal guten Journalismus´! Jetzt eine Flut von Karikaturen und “freier Meinungsäußerung” der abfälligsten Art zu bringen, um zu demonstrieren, wie frei und mutig wir sind, mutet bockig, kindisch, maßlos an. Der Kollateralschaden (ich nutze diesen Begriff an dieser Stelle ganz bewusst!) ist mir einfach zu groß! Zorn und Entsetzen lässt uns leicht denselben Fehler machen, den wir den Menschen auf der Straße zwischen Dresden und Darfur, zwischen Köln und Kirkuk machen: blind aufzugehen in einer diffusen Masse, falschen Propheten hinterher zu laufen und richtig dumme Dinge zu tun und zu rufen!

Von der Freiheit der Karikatur

Satire und Humor sind immer dem individuellen Urteil unterworfen. Ob etwas witzig, treffend oder geschmacklos ist, dazu gibt es – erFREIlicherweise – mehr als eine Ansicht. Und nicht immer werden vergleichbare Vorgänge gleich bewertet: würde eine pauschale und gesellschaftlich breit akzeptierte Verunglimpfung z.B. gegenüber dem Judentum erfolgen, wäre das antisemitisch und man müsste sich den Vorwurf der Volksverhetzung gefallen lassen. Hier haben wir aus der Geschichte gelernt. Daher braucht es quasi in diesem Fall nur noch eine “Transfairleistung”.

Ich habe übrigens nichts gegen Karikaturen, die auf die Dummheit und die Intoleranz des Terrors und seiner Handlanger zielen. Aber warum muss es “der Arsch des Propheten” sein, eine Verspottung betender Muslime – und das Bedienen ewig gleicher (und größtenteils falscher) Vorurteile über Muslime und ihre Kultur? Wem dient das? Ich denke, es radikalisiert. Wasser auf die Mühlen der blöden bei uns – und der Blöden in muslimischen Kulturen. Wir schaffen eine Kluft, die uns von Menschen trennt, die eigentlich genau wie wir gegen Terror und Unfrieden sind. Muss man in diese Kerbe hauen, um freie Meinungsäußerung zu demonstrieren? Auch in muslimischen Kulturen wissen zwar die Wachen, Offenen und Interessierten genau, dass nicht alle im Westen ihre “Feinde” sind – aber die Masse ist eben (wie bei uns) eher kurzschlussgefährdet.

Im Land der Steuerflüchtlinge und Geizgeilen darf man noch immer behaupten, Menschen mit Migrationshintergrund seien in der Mehrheit Sozialbetrüger und auch Flüchtlinge kämen nur, um in die Kassen zu greifen oder unser “christliches Abendland” kaputt zu machen. Wie sonst käme es zu Pediga? Für viele wichtige, gesellschaftspolitische, soziale, ökologische Themen kriegst du keine Sau mehr auf die Straße, um Missstand zu beklagen und Veränderung zu fordern. Doch für ein christliches (!) Abendland wabert allmontaglich ein Teil des Volks durch die feuchtkalten Straßen, statt aufm Sofa zu sitzen?! Erstaunlich!

Rassismus bleibt Rassismus, auch wenn man meint, gute Gründe zu haben. Er fängt klein an und nutzt geschickt viele Deckmäntelchen, um sich eine Stimmung zunutze machen, um Ideologien zu verbreiten, Angst zu schüren, aufzuhetzen oder wehzutun. Auch schlimme, verabscheuungswürdige Anschlägen machen ihn für mich nicht hoffähig. Rassismus und Respektlosigkeit sind immer daneben, auch in Form einer Karikatur. Und komplexe Probleme löst er schon gleich gar nicht!

Danke fürs geduldige Lesen!






... weiterlesen · { 5 } Kommentare · January 13, 2015 ·
Gesellschaft, Werkzeuge >>

Schöne Neue Welt der Überwachung – was kann ich da tun?

Ich gehörte bis vor kurem zur breiten Menge derer, die zwar von der Überwachung der Menschheit wussten, aber dem keine allzu große Bedeutung beigemessen haben. Die Argumente für diese Gleichgültigkeit oder Resignation sind immer dieselben:

  1. Ich habe ja nichts zu verbergen. Und es ist doch gut, wenn dadurch Kriminelle gefasst werden können. Ich bin zu uninteressant (unschuldig), als dass “die da oben” sich für mich interessieren würden.
  2. Was ich im Internet recherchiere, schreibe und tue… wird doch “nur” für personalisierte Werbebanner benutzt. Und ich kann ja die Werbung blocken, wenn ich sie nicht sehen will.
  3. Man kann doch eh nichts dagegen tun. Alle anderen regen sich doch auch nicht auf.
panopti.com

Ein Projekt zur Veranschaulichung der Überwachung im Alltag: panopti.com.onreact.com – Auch außerhalb der Cyberwelt sollte man auf seine Privatsphäre achten. Weniger mit EC-Karte zahlen beispielsweise…

Die deutsche Bevölkerung liegt in den Fragen des Datenschutzes ganz weit vorne. Vielleicht ist in unseren Köpfen noch das ungute Gefühl der Stasi-Überwachung verankert. Doch ich komm nicht umhin, zu sehen, dass die Tatsache, dass wir alle überwacht werden, kaum zu Empörung führt. Weil wir keinen konkreten “Bösewicht” innerhalb von Deutschland haben, den wir zur Verantwortung ziehen können?

Einspruch gegen die Gleichgültigkeit

  1. Du hast nichts zu verbergen? Super, aber die Obrigkeit, der Staat ist nicht fehlerfrei. Aus irgendwelchen Recherchen könnten sie falsche Schlüsse ziehen, und dann hast du den Salat. Außerdem erzählst du deinem Nachbarn auch nicht alles, warum? Weil bestimmte Dinge einfach zu persönlich sind. Privates soll auch privat bleiben – aber wenn du überwacht wirst, und Daten über dich gesammelt werden (auch und trotzdem du nichts “verbrochen” hast), hat der andere Macht über dich (zB wirst du erpressbar).
  2. Heute wird dein Surfverhalten scheinbar harmlos für Werbezwecke aufgezeichnet. Und morgen werden diese Infos plötzlich gegen dich verwendet. In den 30er Jahren gab es eine harmlose Bevölkerungsbefragung zur Religionszugehörigkeit. Diese Karteikarten wurden von der Gestapo dann gründlich zweckentfremdet.
  3. Alle großen Verbrechen der Menschheit konnten begangen werden, weil zu viele Menschen weggeschaut haben.

Datenschutz und Privatsphäre geht auch dich etwas an!

Das verbreitete Schulterzucken kommt mit dem Satz einher: “Die sammeln die Daten ja nur für Werbung.” Und der sich besonders sicher wähnt, ist der, der sagt: “Ich lasse einfach die Werbung blocken, dann stört es mich nicht weiter.” Das ist dann aber wegschauen, obwohl man es besser wüsste. Nur weil jemand die Existenz der Stasi oder Judenverfolgung oder Massentierhaltung ignoriert, heißt es nicht, dass a) diese Dinge nicht existieren, b) er keine soziale Verantwortung dafür hat (wir alle gestalten unsere Gesellschaft mit!) oder c) er niemals die Folgen davon zu spüren bekommt. Wieviele Skandale müssen noch an die Öffentlichkeit, bis wir begreifen, dass wir längst dort angekommen sind, wovon die Stasi nur hätte träumen können?

I know the good and the bad of these systems, and what they can and cannot do, and I am telling you that without getting out of my chair, I could have read the private communications of any member of this committee, as well as any ordinary citizen.
I swear under penalty of perjury that this is true. These are not the capabilities in which free societies invest.
Mass surveillance violates our rights, risks our safety, and threatens our way of life. (Edward Snowden)

Ein System, das alles über uns weiß (Meinungen, Vorlieben, Kontakte, Termine, Interessen, …) kann, wenn es in die falschen Hände gerät verdammt noch einmal zu “1984” führen. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Warum verhalten wir uns dann so gleichgültig hirntot?

Die Geheimdienste – mächtige Staaten im Staat – leben dank digitaler Möglichkeiten und hunderter Milliarden Steuergelder eine Überwachungsmanie aus, wie sie die Menschheit noch nicht kannte. Unsere Politiker haben diese wahnwitzigen Grundrechtsbrüche über Jahre und Jahrzehnte mitgetragen, mitgewusst oder mindestens beflissen weggeschaut. Und sie tragen heute, da Totalüberwachung nicht mehr als Verschwörungstheorie abzutun ist, die “Überwachung mit Fassung”, wie Bundestagspräsident Norbert Lammert, protokollarisch der zweite Mann im Staat, es noch 2014 im Plenum ausdrückte. (deutschlandfunk.de)

Auch deutsche Behörden, insbesondere der BND und das ihm vorgesetzte Bundeskanzleramt, haben Massenüberwachungsmaßnahmen angeordnet und sich Medienberichten zufolge an massenhaftem Datenaustausch mit der NSA und anderen Geheimdiensten beteiligt. (telemedicus.info)

Ich persönlich bevorzuge eine Welt mit kritisch denkenden Menschen. Hinterfragen, zweifeln und mitdenken geht aber auch nur, wenn Informationen bereit gestellt werden, die zur Aufklärung dienen. Eine Welt, konzipiert als Überwachungsstaat, macht aber kritische Geister mundtot. Es gibt schon jetzt Studien (20132014), die zeigen, dass eine Selbstzensur (sogenannte “Chilling Effects”) stattfindet, weil man sich überwacht wähnt. Also mensch ist eingeschüchtert und verliert den Impuls, von seinen Grundrechten, wie dem der Meinungsfreiheit, Gebrauch zu machen. Menschen vermeiden bestimmte Themen am Telefon, entscheiden sich gegen das Schreiben eines Artikels bei kritischen Sachverhalten, lassen lieber einmal mehr eine Internetrecherche sein… Dies betrifft auch insbesondere Minderheiten oder politisch Aktive. Ich kann den beschriebenen Effekt gut nachvollziehen: Schon beim Schreiben dieses Artikels befällt mich das ungute Gefühl, ob ich nun schon auf einer roten Liste gelandet bin, ohne es zu wissen.

Wie viele Artikel bleiben ungeschrieben, wie viele Dinge ungesagt? Welche Filme könnten wir schauen, welche Diskurse führen, wenn die Menschen nicht bewusst oder unbewusst eingeschüchtert wären? Journalisten, die über kontroverse Themen recherchieren und berichten brauchen den Schutz und die Sicherheit, nicht ausspioniert zu werden! Wenn also DU HÖCHSTPERSÖNLICH nichts zu verbergen hast, so haben es aber vielleicht andere, mit dem Ziel, dich irgendwann über wichtige Themen informieren zu können. Massenüberwachung ist ein Repressionsmittel, weil sie uns “konformistisch, ängstlich, aggressiv und depressiv” macht!

 

 

Die Zwei Riesen Google und Facebook

Google ist ein Imperium

Es ist nicht nur eine Suchmaschine oder Emaildienst. Es ist nicht nur der super praktische Serviceanbieter zum Verwalten und gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten, Terminen und Neuigkeiten. Google ist auch

Wer sich da noch ein bissel reinsteigern will, der kann ja mal entsprechende Dokumentationen schauen :) (Die geheime Macht / ARD | Die Google Story) Jeder, der die Google-Suche bedient und seine Emails bei Gmail hat, kann sich sicher sein, dass diese Daten gesammelt werden. Das wird bei anderen Email-Anbietern und konventionellen Suchmaschinen ähnlich sein. Als Fazit bleibt folgendes Zitat:

Aufgrund des Safe Harbor-Abkommens ist es dem Konzern gestattet, Ihre persönlichen, sensiblen Informationen in die USA zu senden. Was dort mit Ihren Daten geschieht, ist schwer vorauszusagen; in jedem Fall können NSA & Co. darauf zugreifen. Wenn Sie Google-Services wie Gmail nutzen, werden Sie definitiv getrackt (psw-group.de)

Facebook will alles wissen

Facebook speichert wie Google alles, was es in seine Klauen bekommt. Statusmeldungen, Freunde und Nachrichten: selbst wenn man es löscht, ist dies nur oberflächlich. Bei so manch einer Designänderung Facebooks waren plötzlich alle alten Infos wieder vorhanden… (das ging doch sicherlich nicht nur mir so!) Dass irgendwelche Staatsdienste und Behörden in meine Internet-Gewohnheiten Einsicht nehmen können, gruselt mich. Ebenso wie die Storys von Terrorverdächtigen und Rasterfahndungen. Wikipedia hat eigens einen Artikel über Kritikpunkte und Bedenken bezüglich der Nutzung von Facebook angelegt. Darin wird deutlich dass auch in Deutschland das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und der Zoll Facebook für offene wie auch verdeckte Ermittlungen nutzen. Ja, und ihr ahnt es schon: nicht nur die öffentlichen Statusmeldungen werden ausgewertet, sondern AUCH die privaten Nachrichten. Damit Straftaten im Voraus erkannt und vermieden werden können, heißt es. Minority Report lässt grüßen! Und nun aktualisiert Facebook Ende Januar seine Nutzungsbedingungen… Dass das nichts Gutes heißt, können wir uns schon denken.

Den Datenschützern gefällt nicht, dass Facebook künftig seine Nutzer auch außerhalb der Website verfolgt. In Zukunft fließt in das persönliche Werbeprofil des Users ein, welche Apps er nutzt oder welche Seiten er außerhalb von Facebook besucht. (dradiowissen.de)

Nicht mehr blind im Glashaus sitzen!

Was mir bleibt, ist mein eigenes Internet-Surf-Verhalten zu überdenken. Folgende Schritte habe ich mir überlegt:

1) Verantwortungsvoll Inhalte posten

Immer im Hinterkopf behalten: alles was ich schreibe, wird für immer gespeichert werden und auffindbar sein. Ich werde also von mir nur soviel preisgeben, wie ich will, dass es Hans Otto von gegenüber auch wissen darf. Und von anderen die Privatsphäre respektieren, insofern, dass ich sie nicht namentlich erwähne oder Photos von ihnen ungefragt veröffentliche.

2)  Alternativen verwenden:

  • alternative SuchmaschineStartPage (benutzt auch anonym Google Suchergebnisse) Ixquick (Schwester von StartPage, nutzt Yahoo, Gigablast und Wikipedia als Lieferanten…)
  • Jitsi anstelle von Skype (Anleitung)
  • Threema anstelle von WhatsApp
  • Diaspora anstelle Facebook (ladet doch einfach all eure Freunde nach diasporado.org ein!)
  • SpiderOak anstelle von Dropbox

3) Immer alle Datenschutzeinstellungen ausnutzen.

Das ist manchmal etwas aufwändig, aber einmal muss man sich den Spaß wohl geben!

stimmtnicht

Hehe, das Google dann doch nicht alles wusste, zeigt die Angabe, dass ich auf Grund meiner bisher besuchen Websiten als männlich gelte. surfe wohl zu wenig nach Handtaschen^^

 

4) Unterschiedliche Browser für jedes Anliegen

Ich muss zugeben, mir fällt derzeit keine bessere Lösung ein, als für jeden Bösewicht einen eigenen Browser zu verwenden. So kann verhindert werden, dass Facebook noch ausliest, wo ich mich sonst noch im Netz aufhalte. Und Google hat “nur” Zugriff auf die Daten, die ich ihm eh per Email und Youtube-Nutzung liefere. Allerdings ist es wohl ratsam auf Youtube sich erst einzuloggen, wenn man kommentieren möchte. Chrome ist also ab sofort mein Google-Browser, Safari mein Facebook… und für den Rest meiner Web-Recherchen verwende ich den datenschutzsicheren Browser Tor. Durch den Tor kann ich anonym surfen. Das heißt meine Identität (Standort & meine IP-Adresse) wird nicht verraten!

5) Abschalten und dennoch nicht Zumachen

Nachdem ich mich so in das Thema eingewühlt habe, bleibt ein dicker Kloß im Bauch. Und der Wunsch, einfach den Rechner auszuschalten und mich aus dem Internet fern zu halten, wird größer. Einerseits finde ich diese Idee gar nicht so schlecht: Das echte Leben ist immer noch die Realität außerhalb der Cyberwelt. Irgendwann verkommt die Menschheit noch zu einem krummen Affen vor dem Computer…

Andererseits möchte ich auch nicht mir selbst die Zunge abschneiden. Untersuchungen zeigen, dass in Folge der Überwachungsskandale weniger kritische Recherchen betrieben werden, Menschen lieber einmal mehr den Mund halten, als zu riskieren dass eine Staatssicherheitsbehörde auf sie aufmerksam wird. Aber dann würden wir mundtot gemacht. Werbegesteuerte Konsumenten, die keinen eigenen Kopf mehr haben. Wollen wir das?

6) Widerstand, Empörung, Protest

Und das wichtigste: Nicht aufhören, das Thema in die Öffentlichkeit zu zerren. Politiker befragen, Petitionen schreiben, sich in Gruppen organisieren… (Linktipps willkommen!)






... weiterlesen · 1 Kommentar · January 11, 2015 ·
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