mondamo.de | August, 2015
Leben und Lieben >>

Bedingungslose Liebe – bis zur Selbstaufgabe?

Ich bin gerade über ein Kleinod gestolpert: die Geschichte vom gebenden Baum, der alles gibt, was er hat, und dabei glücklich ist.

bedingungslose Liebe

Die Geschichte stammt aus dem Buch von Shel Silverstein: “The Giving Tree”, welches vordergründig für Kinder als Gute-Nacht-Geschichte konzipiert ist… aber tiefer gehende Fragen auslöst, die auch einen Erwachsenen ratlos machen. Sie handelt von einer Freundschaft zwischen einem Baum und einem Jungen. Zu Beginn haben sich beide sehr lieb, der Junge verbringt viel Zeit bei seinem Baum, klettert auf ihm herum und ruht sich in seinem Schatten aus. Mit dem Heranwachsen kommt er immer seltener zu Besuch. Und wenn, dann nur um Forderungen zu stellen. Er bräuchte Geld, er will ein Haus bauen, ob der Baum ihm denn nicht dabei helfen könne. Der Baum gibt ihm alles, was er zu geben vermag, bis von ihm selbst nichts mehr übrig ist. Bis der Baum nur noch ein Baumstumpf ist, und selbst dann ist er eine Stütze für den Jungen (der inzwischen ein alter Mann geworden ist). Und bei alledem ist er glücklich dabei. Glücklich zu geben und für den Jungen da zu sein.

Mich macht die Geschichte traurig und auch wütend. Vielleicht ist es als Metapher für die gebende Elternliebe gedacht. Und vielleicht ist eine Mutter oder ein Vater auch bereit, sich ganz für sein Kind aufzugeben. Und kein Danke zu erwarten, und glücklich zu sein, wenn es dem Kind gut geht. Lässt die Liebe den Menschen selbstlos werden? Gehört zur Liebe nicht auch die Selbstliebe dazu, also der Selbstschutz und das Mitgefühl für sich selbst?

Der Autor hat im Jahre 1973 das Buch selbst vertont und einen berührenden Kurzfilm entstehen lassen:

 

Mich erinnert das an ein altbekanntes Lied “Mein Freund der Baum”, das mich damals schon mit Wehmut meinen Lieblingsbäumen gegenüber erfüllte:

Mein Freund der Baum ist tot: Er fiel im frühen Morgenrot.
Du fielst heut früh. Ich kam zu spät.
Du wirst dich nie im Wind mehr wiegen, du musst gefällt am Wegrand liegen.
Und mancher der vorüber geht, der achtet nicht den Rest von Leben
…und reißt an deinen grünen Zweigen, die sterbend sich zur Erde neigen.

Wer wird mir nun die Ruhe geben, die ich in deinem Schatten fand?
Mein bester Freund ist mir verloren, der mit der Kindheit mich verband.

 

 

 

 






... weiterlesen · { 3 } Kommentare · August 4, 2015 ·
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