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Weil ich Geburtstag hab!

Jeden Morgen blicke ich aus meinem Fenster auf den wunderbaren See. Sehe Nebel hinweg ziehen oder glitzernden Wellenschlag. Und im Walnussbaum vor meinem Haus krächzen die Rabenkinder. Da ist soviel Frieden in diesen Morgenstunden. Und ich bin dankbar!

Die Nachrichten verfolge ich schon seit Jahren nicht mehr. Ich möchte nicht abstumpfen. Ich hätte nie genügend Gesamtinformationen, um mir ein klares Bild machen zu können. Nein, die Welt dreht am Rad, die Menschen ackern an ihrer eigenen Zerstörung. Das muss ich nicht täglich vorgekaut bekommen.

Ich möchte meine Kräfte einsetzen dafür, das Gute und Schöne auf der Welt aufzuspüren. Wie den Demeter-Hof, in dessen Naturschutzgebieten ich vor ein paar Tagen einen Fotospaziergang machen durfte. Der Wahnsinn, wie herrlich unberührte Natur gedeihen kann!

… und weil ich doch heute Geburtstag hab, darf ich mir was wünschen.

Gerhard Schöne hat es damals schon sehr gut ausgedrückt: An meinem 15. Geburtstag hörte ich das Lied zum ersten Mal (danke liebe Schwester für dieses wunderbare Geschenk!) Bitte heute: Frieden. Weil ich Geburtstag hab!

Wenn ich mir was wünschen dürft,

so wollt ich, dass Artenschutz und Landwirtschaft zwei unzertrennbare Bereiche wären.

 

 




Read full story · Comments { 4 } · Juni 14, 2017 ·
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Vogelstimmen imitieren lernen – CD-Rezension

Ich wollte schon immer wie ein Vogel singen können. Jetzt weiß ich, wie es möglich sein kann!

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Read full story · Comments { 0 } · April 2, 2017 ·
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Da steht ne Kuh auf der Flur…

Wenn ich heute im Supermarkt vor dem Regal mit den Milchprodukten stehe, muss ich häufig an meine winterliche Recherche über Kuhhaltung denken. Im Frühjahr war ich auf einem Demeter-Biohof und habe mir angeschaut, wie Milchkühe artgerecht gehalten werden und anschließend schaute ich bei der sogenannten Rindergilde vorbei, die ihre Kühe Sommers wie Winters im Freien halten. Dabei wurde mir eines klar: diese respektvolle Tierhaltung ist das Mindeste, was als Standard angenommen werden sollte!

Hier mein Artikel für die dritte Ausgabe des Regionalmagazins „Unser Herzogtum“ (S.22-28):

 

Weidewildnis: Ein Paradies für Mensch und Tier

Ich bin glücklich, dass ich über die Jahre zu einem Dorfkind geworden bin. Auf meinen Spaziergängen begegnen mir nicht nur Rehe und Hasen, sondern auch Fasane, Füchse und allerlei Vogelarten, deren Namen ich nicht weiß! Und wäre da nicht der Zaun, der ein Riesenareal von Wiese vom Weg abtrennen würde, kämen mir auch die Kühe wie frei lebende Wesen vor. Gestern hielt ich einer Schwarzbunten meine Hand über die Abgrenzung, sie kam neugierig gelaufen und pustete weich ihren warmen Atem auf meine Finger. Warum haben nur so wenig Menschen mehr Respekt vor euch?

Kühe sind total seelenhafte Wesen.

(Florian Gleißner, Domäne Fredeburg)

Wer die Augen nicht vor der Realität von den Auswirkungen unseres massiven Fleisch-und Milchprodukte-Konsums verschließen will, findet ausreichend erschreckende und ernüchternde Fakten im jährlich erscheinenden Fleischatlas der Heinrich-Böll-Stiftung. Doch wir brauchen uns eigentlich nur einmal genau umschauen, und uns fragen: WO sehen wir heutzutage noch Kühe auf den Wiesen? Und wieviele sind das schon? Wo stehen all die Millionen (!) Milchkühe, deren 7,5 Millionen Tonnen Milch wir jährlich in Milchprodukten verzehren? 98% der Milchkühe werden konventionell gehalten. Quasi alle! Auf der Verpackung prunkt eine glückliche Kuh auf der Wiese, doch die Wirklichkeit sieht ganz anders aus.

Das ist das Fatale: Wir kriegen heute schon Prämien dafür, dass wir die Tiere wieder rauslassen auf die Weide (sogenannte Weideprämie)  Das ist für mich das normalste der Welt, dass ich meine Tiere rauslasse. Und offiziell heißt es denn artgerechte Tierhaltung. Wo gibt’s denn sowas überhaupt noch?

(Erdmann Voss, ErdmannsHof Krukow)

 

Naturschutz durch artgerechte Tierhaltung

Dass sich die Natur wieder erholen kann und ihren Lebensraum zurückerobert, wenn wir ihr die Möglichkeit dazu geben, gibt Anlass zur Hoffnung. Doch wie schön könnte unsere Welt aussehen, wenn ein fairer Umgang mit der Pflanzen-und Tierwelt die Norm wäre? Dieses Video über Crawinkel gibt einen kleinen Eindruck davon:

 

weidewildnis-kuh-artikel

PS: Und ja, alle Kühe tragen einen Namen!

 




Read full story · Comments { 0 } · Juli 5, 2016 ·
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Checkpoint Wüstensee – Reisereportage, die Erste

… von meinem Studium aus sollte ich eine Reportage über eine meiner letzten Reisen schreiben. Da lag es nahe, dass ich meine Erlebnisse aus Israel beschreibe :)

Checkpoint Wüstensee

vom Campingausflug ans Tote Meer

 

Wir wollen gerade nach dem Tanken wieder losfahren, als uns der arabische Fahrer mit seinem Auto die Ausfahrt abschneidet und sein Fenster runterkurbelt. Er wechselt mit meinem israelischen Freund Shimon ein paar Worte auf hebräisch, die ich nicht verstehe. Der Araber deutet auf Shimons rotes Palästinensertuch, das er zum Spaß für die Fahrt durch die Westbank um seinen Kopf gewickelt hatte. Ich kann an Shimons Augen die Nervosität erkennen. Dann lachen auf einmal beide und der Spuk ist vorbei. „Sie haben sich über mich lustig gemacht.“ erklärt mir Shimon anschließend. „Die haben erkannt, dass ich nicht einer von ihnen bin, trotzdem ich die Kafiya trage. Sie meinten, auf meine Weise würden es nur Frauen tragen.“ Wir lachen. Er zieht sich die Kafiya vom Kopf – ihm sei plötzlich zu warm, behauptet er. Dann fädeln wir uns wieder in den gleichmäßigen Verkehr ein: Runter ans tote Meer! Dort wollen wir das Wochenende wild campen. Wir, das sind vier israelische Freunde und ich, zu Besuch aus Deutschland.

Totes Meer: Der tiefst gelegene See der Erde

Von über 800 Höhenmetern in Jerusalem geht es von nun an 40 Minuten nur noch abwärts, bis auf 400 Meter unterhalb des Meeresspiegels. Den Unterschied von 1200 Metern kann ich als Druck auf den Ohren spüren. Wie in einem Flugzeug muss ich ständig schlucken und ich sehe es auch an der immer karger werdenden Vegetation. Die Wüste umfängt uns schleichend. Wir fahren vorbei an Panzerruinen aus dem Unabhängigkeitskrieg von 1948, die wie Mahnmale oder gar Trophäen einfach stehen gelassen wurden. Ein wenig später erhebt sich die viel beachtete Mauer meterhoch zu meiner Linken empor. Hier schirmt sich Israel von Palästina ab und baut Straßen die – aus Sicherheitsgründen wie es heißt – nicht für arabische Palästinenser befahrbar sind. Der stetige Strom abfahrtsfahrender Autos erinnert mich an eine Pilgerfahrt. Unten steht, wie zum Empfang, ein angebundenes Kamel neben der Straße – für eine Karavannentour mit Touristen.

Kamel Totes Meer

Am Eingang zum Toten Meer steht immer ein Kamel bereit!

soldaten-israel

Soldaten gehörten zur Urlaubsidylle hier dazu.

Wir machen kurz Pause, erfrischen uns an Barad (eine Art Eiswürfel-Matsch mit süßem Saft) und ich beobachte Soldaten an der Kreuzung. In voller Armee-Montur, mit Maschinengewehren und Helm passen sie so gar nicht in diese Urlaubsidylle. Sie schieben Wache: herumstehen und die Umgebung auf mögliche Terroristen prüfen. Dann schlängeln wir uns weiter entlang des Toten Meeres, bis wir wieder zu einem Checkpoint kommen. Dort stellen wir die Autos ab, und wandern den Rest des Weges zu Fuß – noch einmal steil abwärts. Meine jüdischen Freunde sehen aus, als würden sie einen Umzug machen mit ihren dicken Matratzen, Klappstühlen, Bambusmatten, Zelten, dem Kochgeschirr und einem Einkauf, der für eine ganze Woche reichen könnte. Unten ist es dann vor allem eines: still.

(K)ein guter Ort zum Sterben :)

Kein Leben weit und breit. Nur brütende Hitze, eine alles versengende Sonne, vertrocknetes Gebüsch, fester Sand und kleine salzverkrustete Wasserläufe, die in den milchigen See plätschern. Aus manchen Gruben am Ufern riecht es muffig. „Das sind die Schwefelbecken.“ erklärt mir Chaim. Dort hinein zu tauchen sei genauso lebensverkürzend, wie die Warnhinweise zu übersehen, die das Betreten von bestimmten Bereichen untersagen. Hier lauern Dolinen, verborgene metertiefe Hohlräume unter einer dünnen Kruste von Sand und Salz. Mir wird etwas mulmig bei all den Gefahren. Selbst beim Schwimmen ertränken jährlich Touristen, weil sie aller Belehrung zum Trotz auf Tauchgang gehen, dabei aber ungewollt größere Mengen an Wasser verschlucken, was leider tödlich ist. Ich bin die einzige, die baden geht. Für Israelis, die von Kindesbeinen an das tote Meer kennen, ist dieses ölig-warme Wasser keine Besonderheit mehr. Ich dafür staune über die eigene Schwerelosigkeit im Wasser. Ich hatte geglaubt, man müsse sich doch wenigstens sich ein kleines bisschen bewegen oder anspannen, um nicht unterzugehen. Aber nein, tatsächlich! Das tote Meer trägt mich. Ich kann sitzend im Wasser schweben und meinen großen Zeh an die Nase ziehen. Ich muss lachen.

das friedliche Tote Meer

Bevor es dunkel wird, suchen wir Feuerholz. Dabei komme ich mir vor, wie bei der Suche nach der Nadel im Heuhaufen: Winzige Ästchen, vertrocknete Hölzchen. Weil hier nicht viel wächst, ist die Ernte entsprechend kärglich. Am Feuerchen packt Shimon dann seine Gitarre aus, es tönen ein paar Rock-Klassiker, gemixt mit melancholischen hebräischen Weisen. Auf einmal schleichen sich zwei Schatten an: Ob wir was zu trinken hätten? Wir teilen unser kostbares Wasser mit dem fremden Pärchen, das sich glückselig und leise zu uns setzt. „Das tote Meer hat eine ganz besondere Energie.“ erzählt das Mädchen, und rückt dabei ihren orientalisch gemusterten Poncho zurecht. Sie stammt aus England, hatte sich dort in einen Israeli verliebt und lebt nun, wie sie sagt, seit ein paar Monaten mit ihm hier am toten Meer von Luft und Liebe.

 

Chaim und die anderen beiden haben sich in ihre Zelte verkrochen. Wir zwei schlafen lieber im Freien, den breiten endlosen Sternenhimmel über uns. Oben, wo unser Auto parkt, können wir den hell erleuchteten Grenzübergang grünlich schimmern sehen und wie die Soldaten rastlos hin und her patrouillieren. Hier unten ist Frieden.

 Oben patrouillieren rastlos die Soldaten. Hier unten ist Frieden.

Uns weckt der schrille Schrei zweier Tristramstare mit schwarz glänzendem Federkleid. Wie die hier überleben, frage ich mich, wo doch sonst kein Leben weit und breit ist. Gelockt durch die Erzählungen am Feuer, machen wir uns auf die Suche nach der Behausung des fremden Pärchens. Auf einer kleinen Anhöhe werden wir fündig, die beiden schlafen noch. Bunte Tücher zwischen Geäst und Schilf überspannen wie ein Zelt eine kreisrunde Fläche gleich einer geräumigen Jurte. Auf dem Boden befindet sich die Lagerstatt aus Schlafsack, Matten und Kissen, in der Ecke ist eine Nische für die provisorische Küche und draußen ein paar Schritte weiter schaukelt eine aufgespannte Hängematte verträumt im seichten Wind. Wir flüstern, um die beiden nicht zu wecken und schleichen so lautlos wie wir gekommen sind, wieder davon.

Den Rest des Vormittags dösen wir faul und ultra-entspannt in der Sonne und tun nichts weiter, als anderen Badegästen zuzuschauen, ein bisschen zur Gitarre zu singen und die restlichen Tropfen Wasser miteinander zu teilen.

relaxen am toten meer

 

Mit dem Auto in der Wüste steckenbleiben…

Um die Mittagszeit wird es unerträglich heiß. Wir packen also und wollen heimfahren. Shimon kommt auf die Idee uns mit dem Auto den Abhang entgegen zu kommen, damit wir mit all dem Gepäck nicht eine halbe Stunde bergauf hecheln müssen. Ich setze mich zu ihm ins übervolle Auto, während die anderen drei sich zu Fuß weiter mühen. Doch zu früh gefreut: der geröllige Weg ist überaus sandig und wir bleiben kurze Zeit später stecken. Das Rad dreht an einem Abhang durch und es scheint kein Weiterkommen möglich. Ich bin entgeistert, in einer Wüste festzustecken, ohne ein Tropfen Wasser und bei brütender Hitze. Aber ich reiße mich zusammen, lasse kein Wort der Klage über meine Lippen kommen, sondern beiße die Zähne aufeinander und schaufele mit bloßen Händen immer wieder das Rad frei, wenn es durchgedreht ist und sich tiefer in den Sand gräbt. Wir kommen zentimeterweise voran, dann rutschen wir wieder einen Meter zurück. Es ist zum verzweifeln. Die anderen rufen an, und fragen, wo wir denn bleiben: Ich solle ihnen sagen, alles okay, wir kämen gleich, gibt mir Shimon zu verstehen. Er will keine Hilfe und auch keine unnötige Aufregung. Ich finde ein Stück weißen Stoff und ein paar größere Steine und lege sie unters Rad. Noch einmal einen halben Meter weiter, dann gräbt sich das Auto erneut in den Sand. Wieder befreie ich das Rad, spüre den Schweiß auf meiner Stirn, den Staub in meiner Nase, doch wir geben nicht auf. Nach einer gefühlten Ewigkeit schafft es unser Auto endlich den Anhang hinauf, wir jubeln laut auf, alle Anspannung fällt ab. Wir sind frei! Wir haben es geschafft! Wir sind die Helden der Wüste! Shimon grinst so breit wie ich und als wir oben auf der Straße endlich wieder Asphalt unter den Rädern spüren, dreht er sich mit einem Blitzen in den Augen zu mir und fragt: “Na, und jetzt noch Kamelreiten?”

 

 




Read full story · Comments { 0 } · Juni 11, 2016 ·
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Zu Gast bei den Bürgern von morgen

Ich sitze in einem karg eingerichteten Wohnzimmer – Couch, Tisch, Fernseher, keine Gardinen aber ein großer Korb voll mit altem scheinbar gespendeten Obst auf dem Fensterbrett – und lasse mich ein auf ein Interview mit drei syrischen Flüchtlingen. Mit Ahmad* (32), Gassan* (35) und Majd* (36). Im Mai sind sie aus Syrien geflohen und seit Juli in Deutschland. Nun leben sie in Mölln und warten darauf, eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen.

Ich bin pünktlich, doch keine drei Minuten vor mir haben schon zwei Kirchenvertreter an der Tür geklingelt. In dem Glauben, die zwei seien gekommen, um das geplante Interview zu führen, wurden sie eingelassen und bekamen nach syrischer Tradition Tee gereicht. Nun stehe ich im Raum, das Missverständnis klärt sich schnell auf. Ahmad bekommt eine Bibel auf syrisch versprochen, dann machen sich die christlichen Fremden wieder auf, die Tassen bleiben unberührt.

 

Die Geschichte einer Flucht

Möchtest du deinen Tee mit Zucker? fragt mich Gassan. Ich verneine. Er staunt und schaut mich ungläubig an.
Dann setzen wir uns, ich bekomme den Platz auf der Couch, die drei sitzen im Kreis auf Stühlen um mich herum, und ich kann mit den Fragen beginnen. Zu meiner linken sitzt Ahmad. Er fällt auf mit seiner gepflegten Kleidung, teuer ausschauenden Armbanduhr. Gassan und Majd sind eher sportlich leger gekleidet. Wir steigen gleich in die harten Themen ein. Sie erzählen von ihrer Flucht, von ihrer Angst, von den Schwierigkeiten und Gefahren. Und obwohl sie alle ungefähr in meinem Alter sind, komme ich nicht umhin, mich viel jünger zu fühlen. Vor mir sitzen Menschen, die neben der Verantwortung eine Familie zu ernähren, seit vier Jahren in einem Krieg lebten und tausende Kilometer Weg auf sich nehmen mussten auf ihrer Flucht. Diese Lebenserfahrung lässt sie älter wirken. „Einmal“, setzt Ahmad an, eine weitere Episode ihrer aufgezwungenen Reise zu beschreiben, „kam ein Auto an uns vorbeigefahren und die Leute warfen uns sechs Flaschen Wasser hinaus. Ich hab mich so erniedrigt gefühlt. In meinem Heimatland bin ich kein Obdachloser. Und hier nun, in Mazedonien, schlafe ich auf der Straße, zwischen Büschen und Gestrüpp und irgendjemand denkt, er könne mir Wasser hinwerfen.“ Unwillkürlich stelle ich mir vor, mein Vater wäre auf die Flucht gegangen. Vom sozialen Status her, von der Würde die sie ausstrahlen, zieht der Vergleich. Allein schon die bloße Vorstellungen, meinen Vater in so einer entwürdigen Situation zu sehen – verdreckt, hungrig, verzweifelt und ausgelaugt –  tut mir in der Seele weh. Ich bin dankbar dafür, hier sein zu dürfen, und mir die Augen öffnen zu lassen. Drei syrische Männer werden vor meiner Nase von bloßer Statistik zu menschlichen Wesen. Nachdem sie mir zwei Stunden ihre beeindruckende Geschichte erzählt haben, werde ich gefragt, ob ich nicht bleiben möchte. „Majd kocht so gerne! Sei unser Gast!“ Hier fing der Abend erst wirklich an.

Es ist nicht mein Anliegen, heute all die Hintergrundinfos zu geben, die vielleicht in dieser Sache nützlich zu wissen wären. (Dass die Hälfte aller Syrer einen Gymnasialabschluss haben und aus ökonomisch guten Verhältnissen stammen, beispielsweise. Oder wie die Flüchtlinge verteilt werden. Oder dass Menschenrechtsorganisationen schon seit Jahren warnen, dass die Zahl der Asylsuchenden steigen wird & Deutschland also lange Zeit gehabt hätte, sich gut vorzubereiten…)

syrische Flüchtlinge Interview

 

Ich will vielmehr, dass wir alle einen Moment lang inne halten und an unsere Herzen jenes Bild lassen, das ich von Gassan bekam an diesem Abend.

Gassan war es, der mir die Tür mit einem breiten Lächeln öffnete. Er war es, der erstaunt war, dass ich keinen Zucker in meinem Tee wollte. Gassan war es, der mir im Verlaufe des Abends beibrachte, wie man Zigaretten richtig stopft. Immer, immer lächelte er milde und lachte und scherzte mit uns. Doch schaute ich ihm in die Augen, sah ich den Schatten des Kummers darin: seinen Vater hatte er durch den Krieg verloren, seine Mutter, Frau und Kinder zurück lassen müssen, als er auf die Flucht ging. Zu gefährlich und mühsam erschien ihm die Strecke für seine Liebsten.

Nun springt er auf und kommt kurze Zeit später mit seinem Rucksack zurück: „Jetzt ist er wieder sauber“, erklärt er mir. Redbull und Snickers, zwei Wasserflaschen, Dokumente und Geld und ein paar Klamotten zum Wechseln, das war alles was er mitnehmen konnte. Der Rucksack war ihm Freund und Feind zugleich auf seinem gefährlichen Weg: „Irgendwann wird dir das leichteste Ding auf dem Rücken zur Last, wenn du zweihundert Kilometer tagein tagaus auf Wanderschaft bist.“ Doch nachts in Mazedonien, wenn sie sich schlafen legten auf der Straße zwischen Staub und Dreck, da hatte er seinen Rucksack als Kissen genommen und sich zuweilen in den Schlaf geweint, gesteht er mir. Ich gaube ihm. Ein kurzer Moment betretendes Schweigen folgt auf diese Erinnerung, dann leuchtet sein Gesicht wieder auf und er führt mir schelmisch grinsend seine Badehose vor. Darin eingenäht eine Tasche für Dokumente und Geld: damit bei den Überfällen, die sie durchleben mussten, die Kerle ihm nicht restlos alles abnehmen konnten. Die drei lachen das Lachen derer, die es dringend zum Weiterleben benötigen. Die es lachen müssen, um die Hoffnung nicht aufzugeben.

Hoffnung auf Wiedervereinigung

Zum Beispiel dass Gassan es schaffen wird, seine Mutter nach Deutschland zu holen. Das Gesetz zur Familienzusammenführung sieht eine verwitwete Mutter nicht als Teil der Familie an. Es zählen nur Frau und eigene Kinder. Doch seine Mutter auf sich gestellt zurück in Syrien zu lassen, bräche ihm das Herz. „Eine alte Frau in Syrien und allein: das kommt einem Todesurteil gleich!“ erklärt Ahmad die Sorgenfalten auf Gassans Stirn.

Schließlich setzt sich Gassan an den großen Tisch vorm Fenster und macht Musik an. Whitney Houston. Irgendwie hatte ich arabische Klänge erwartet. „Willst du meine Familie sehen?“ fragt er mich und ich nicke gespannt, rücke meinen Stuhl etwas näher. Er holt sein Smartphone aus der Tasche und zeigt mir ein Foto von seinem letzten Geburtstag. Der Tisch ist reichlich gedeckt mit Kuchen und Torte, allerhand Speis und Trank und einer Schale voll Pampelmusen. Zur Feier des Tages hängen Luftballons an der Wand. Ich sehe Gassan auf dem Sofa zurückgelehnt, seine Mutter neben ihm und auf ihrem Schoß sitzen zwei Kinder mit dem breiten Lächeln ihres Papas. Der Sohn berührt seinen Vater am Hals, als hätte er sich gerade aus einer Umarmung gelöst, die dritte Tochter hat ihre Ärmchen noch fest um seinen Bauch geschlungen. Gassan lächelt auch hier, aber es ist ein trauriges Lächeln: denn sein Geburtstag ist gleichzeitig auch der Tag, an dem seine Flucht beginnt.

Bilder eines schönen Lebens

Auf dem nächsten Foto sehe ich seine Frau vor einem Springbrunnen. Sie trägt kein Kopftuch, wie man vielleicht hätte meinen können. Dann ein Foto von seiner Tochter wie sie spielt, eines vom Sohn auf der Schulter. Ein ganz normales, wunderbares Leben sehe ich auf diesen Bildern. Urlaubsbilder, Alltagssituationen. Lachen, Strahlen, Glück. Gassan wischt weiter, Foto um Foto, Erinnerung um Erinnerung. Das ist das einzige was ihm jetzt noch geblieben ist.

Wie zerbrechlich doch dieser anheimelnde Frieden ist, denke ich. Da führen auf einmal irgendwelche Mächtigen mit Waffen und Bomben einen Krieg, und keine Logik gibts dahinter. Am Ende hängt man plötzlich in einem fremdem Zimmer am andern Ende der Welt fest und zeigt einer unbekannten Journalistin die privatesten Aufnahmen seines Glückes. Wie Gassan sich nach seinen Kindern sehnt, ist in seinem Gesicht geschrieben. Wie er seine Frau an seiner Seite vermisst und sich um seine Mutter sorgt. Ungefragt fährt er fort, seine Fotos auf dem Smartphone zur Seite zu streichen, er wirkt ganz verloren darin. Mir stehen die Tränen in den Augen und ich habe Mühe den Kloß runterzuschlucken.

Ich weiß, meine Geschichte erzählt nichts Neues. Das alles habt ihr euch sicher schon denken können: Menschen auf der Flucht hinterlassen Freunde und Familie und nehmen einen beschwerlichen Weg auf sich, um eines Tages ihre Familie in die Sicherheit Deutschlands nachholen zu können. Doch wenn ihr nur einen kurzen Augenblick euch vorstellt, dieser Gassan wäre nicht irgendein Fremder, sondern jemand aus EURER Familie. Wie ihr selbst bangen und hoffen würdet. Wie ihr bittere Tränen weinen, nachts nicht schlafen können würdet und immer immer daran denken, endlich wieder ein „normales Leben“ führen zu können. Ich sage: Wer hierher kommen will, soll hierher kommen, wer hier leben will, soll hier leben und arbeiten können. Ganz so, wie auch ich die Freiheit haben möchte, mich entscheiden zu dürfen, wo auf dieser Welt ich leben und wirken möchte. Die Welt ist unser aller Ort und ich verabscheue Ländergrenzen, wenn sie die einen priveligieren alles zu dürfen und die anderen dazu erniedrigen als Flüchtlinge (nicht einfach Schutzsuchende) angesehen zu werden, deren Freud und Leid (die ganze Zukunft!) von unserer Gnade abhängig ist. Wie ich das sehe, sind Gassan und seine Freunde unsere Mitbürger von morgen. Und so mutig, humorvoll und voll Liebe wie sie sind, freue ich mich drauf!

Vollständiges Interview gibt es hier zum Nachlesen: Was hilft, ist euer Lächeln…

*Namen redaktionell geändert.




Read full story · Comments { 0 } · Dezember 24, 2015 ·
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Bedingungslose Liebe – bis zur Selbstaufgabe?

Ich bin gerade über ein Kleinod gestolpert: die Geschichte vom gebenden Baum, der alles gibt, was er hat, und dabei glücklich ist.

bedingungslose Liebe

Die Geschichte stammt aus dem Buch von Shel Silverstein: „The Giving Tree“, welches vordergründig für Kinder als Gute-Nacht-Geschichte konzipiert ist… aber tiefer gehende Fragen auslöst, die auch einen Erwachsenen ratlos machen. Sie handelt von einer Freundschaft zwischen einem Baum und einem Jungen. Zu Beginn haben sich beide sehr lieb, der Junge verbringt viel Zeit bei seinem Baum, klettert auf ihm herum und ruht sich in seinem Schatten aus. Mit dem Heranwachsen kommt er immer seltener zu Besuch. Und wenn, dann nur um Forderungen zu stellen. Er bräuchte Geld, er will ein Haus bauen, ob der Baum ihm denn nicht dabei helfen könne. Der Baum gibt ihm alles, was er zu geben vermag, bis von ihm selbst nichts mehr übrig ist. Bis der Baum nur noch ein Baumstumpf ist, und selbst dann ist er eine Stütze für den Jungen (der inzwischen ein alter Mann geworden ist). Und bei alledem ist er glücklich dabei. Glücklich zu geben und für den Jungen da zu sein.

Mich macht die Geschichte traurig und auch wütend. Vielleicht ist es als Metapher für die gebende Elternliebe gedacht. Und vielleicht ist eine Mutter oder ein Vater auch bereit, sich ganz für sein Kind aufzugeben. Und kein Danke zu erwarten, und glücklich zu sein, wenn es dem Kind gut geht. Lässt die Liebe den Menschen selbstlos werden? Gehört zur Liebe nicht auch die Selbstliebe dazu, also der Selbstschutz und das Mitgefühl für sich selbst?

Der Autor hat im Jahre 1973 das Buch selbst vertont und einen berührenden Kurzfilm entstehen lassen:

 

Mich erinnert das an ein altbekanntes Lied „Mein Freund der Baum“, das mich damals schon mit Wehmut meinen Lieblingsbäumen gegenüber erfüllte:

Mein Freund der Baum ist tot: Er fiel im frühen Morgenrot.
Du fielst heut früh. Ich kam zu spät.
Du wirst dich nie im Wind mehr wiegen, du musst gefällt am Wegrand liegen.
Und mancher der vorüber geht, der achtet nicht den Rest von Leben
…und reißt an deinen grünen Zweigen, die sterbend sich zur Erde neigen.

Wer wird mir nun die Ruhe geben, die ich in deinem Schatten fand?
Mein bester Freund ist mir verloren, der mit der Kindheit mich verband.

 

 

 

 




Read full story · Comments { 3 } · August 4, 2015 ·
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Kein Hauch von Leben – zur Ware degradiert

Ich wollte eigentlich nur eine Runde spazieren gehen. Zwischen all den Regenschauern hatte kurzzeitig die Sonne hervorgelugt. Und die Gelegenheit wollte ich wahrnehmen. Ich ging eine Landstraße entlang, die für den Autoverkehr gesperrt war und entdeckte dieses grüne, unscheinbare Gebäude, aus dem Tierschreie klangen. „Wertvoller Schweinebestand“ gab mir ein Schild zu verstehen. Wie gehen Menschen mit etwas um, was ihnen wertvoll ist?

Konzentrationslager Schweine

eine ganz normale deutsche Mastanlage

Normalerweise hätte ich wohl nicht den Mut gehabt, durch das Tor zu gehen und durch die Fenster in den Stall zu luken. Angestiftet hatte mich zweierlei:

  • Zum einen wollte ich mich endlich einmal mit eigenen Augen überzeugen von dem, was man immer wieder in Berichten und auf Tierschutz-Websiten liest. Dies hier war wohl ein ganz normaler Stall, wie sie tausendfach in Deutschland zu finden sind. Auch kein besonders riesiger, trotzdem stand ein fetter Gülle-Silo gleich nebenan.
  • Zum anderen hatte ich gerade heute morgen einen Artikel von Stefan Bröckling (Peta) gelesen, der in Nacht-und Nebenaktionen in Ställe geht und das Leid und Leben von Schweinen, Hühnern und Kühen dokumentiert. Mich hatte sein Mut schlichtweg inspiriert.

Ich sah also das, was ich befürchtet hatte: zusammengepferchte Schweine, im eigenen Kot liegend, übereinander kletternd, auf dem schmierigen Fußboden ausrutschend, ohne die Möglichkeit ein Hauch vom echten Leben da draußen jemals zu erfahren. Ein paar Schweine bemerkten mich am Fenster und schauten vom Dreck auf, ein Tier versuchte sich aufzurichten, aber es wollte ihm nicht gelingen. Wieder hörte ich ein Tier schreien.

Wie lang mag ich da gestanden haben? Vielleicht nicht einmal eine Minute, aber nun weiß ich, was es heißt, Augenzeuge zu sein. Denn vor mir hatte ich keine bewegten Bilder auf dem Monitor, sondern echte Lebewesen, die ein kummervolles Dasein fristeten. Ich musste weinen. Ich hab die Menschen in Frage gestellt.

Diesen Schweinen geht’s ja noch gut!

Später habe ich meine Aufnahmen ein paar Freunden gezeigt. Ein kurzer Blick auf mein Material und sie meinten einstimmig: Ach, das ist ja noch gar nicht so entsetzlich. Es gibt viel schlimmere Zustände! Wie traurig hat mich dieser Kommentar gemacht!

Ist etwas erst dann verurteilenswert, wenn es alle Grenzen von Würde und Lebensrecht hinter sich lässt? Gibt es nur noch Mitleid für das Ultraextreme? Reicht nicht schon allein die Vorstellung, dass diese Tiere niemals Erde unter ihren Füßen spüren? Niemals die Düfte des Windes erschnuppern können? Niemals spielen dürfen, miteinander herumtollen?

Hat jemand von euch schon einmal tagelang, wochenlang das Zimmer nicht verlassen dürfen? Schlafen, essen, koten, urinieren, alles im selben Raum? Mit soviel Bewegungsfreiheit wie du selbst groß bist. Es stinkt, es ist halbdunkel, es gibt nichts zu tun und es gibt keine Freiheit, kein Entkommen. Und wenn eines Tages jemand am Fenster steht und mit einer Kamera auf dich hält, dann verstehst du sicherlich noch nicht einmal, was das bedeuten kann, da „draußen“ zu sein.

 

Ach, der Mensch, wie tut er nur?
Wie kann er so herzlos handeln?

Wie können wir wieder unsere Augen und Herzen öffnen?

 




Read full story · Comments { 3 } · Juli 28, 2015 ·
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Altbacken: Es war ein mal ein Bäckereihandwerk

Ich gehe in den Supermarkt und dort gibt es seit ein paar Jahren diese super praktischen Selbstbedienungskästen. Brötchen, Brote, Küchelchen. Manchmal noch ganz warm. Und frisch? Wohl kaum.

bäckerei handwerksbäckerei

Traditionelle Handwerksbäckereien sind immer seltener zu finden

 

Seit diesem Jahr studiere ich online Journalismus, um meine Schreibfertigkeiten ein bisschen auf Vordermann zu bringen. Natürlich müssen da auch „echte“ Artikel her, neben den üblichen Blogbeiträgen. Mein erster Anlauf galt dem Bäckereigewerbe. Ich esse jeden Tag Brot und fragte mich: Wo gibt es eigentlich überhaupt noch „echte“ Bäcker? Wo der Bäcker in seiner Stube sitzt, und den Teig mit bloßen Händen knetet? Die Antwort war erschreckender, als ich befürchtet hatte: Kaumwo.

bäckerei handwerk artikel Mein Artikel erschien in der ersten Ausgabe von „Unser Herzogtum“ und ist hier (S.26/27) nachzulesen.

 

Handwerksbäckereien vom Aussterben bedroht

Der Durchschnittsdeutsche vertilgt im Jahr rund 45kg Brot & Brötchen. Bei gleichbleibenden Verbrauch nimmt die Zahl der Bäckereibetriebe aber kontinuierlich ab. In den letzten 10 Jahren ist ein Rückgang von 20% zu verzeichnen. Da muss man kein Milchmädchen sein, um sich ausrechnen zu können, was das bedeutet: Weniger Betriebe, gleicher Verbrauch: heißt also mehr größere Betriebe oder Import aus dem Ausland. Beides ist der Fall.

Der weite Weg eines gedopten Brötchens

Dein Supermarkt um die Ecke bestellt im Distributionscenter in Berlin regelmäßig kiloweise Pakete Backwaren. Die hat es sich im Katalog ausgesucht. Zum Beispiel bei DewiBack, einer enorm großen Lagerhalle mit über 800 verschiedenen Sorten Brot, Brötchen und Kuchen. Berlin bestellt diese Lagerware bei einer Industriebäckerei in Polen (oder auch China). Dort steht eine riesige Industrie, die zigtausende Brote in einer Stunde produziert. Hunderte Meter Fließband-Backstraße. Maschinen kneten den Teig, Maschinen formen das Brot. Bäcker sind das nicht, die hier arbeiten, soviel ist gewiss. Nach einem Vorbackprozess werden die Brote eingefroren und anschließend verpackt. Manche frieren die Teiglinge auch roh ein. Das Problem an der ganzen Sache? Mal abgesehen davon, dass 1000e LKWs täglich durch Europa fahren, um dein Brot zum Supermarkt zu bringen – stoßen mir auch noch andere Sachen unangenehm auf:

  1. Die Brote und Brötchen sind oft mehrere Wochen oder gar Monate alt. Von frisch kann da keine Rede sein. Das ist quasi aufgewärmtes Essen.
  2. Der ganze Verpackungsmüll, der dabei entsteht & die Plastik, in die alles eingepackt wird.
  3. Vielfalt, Qualität und Wissen stirbt aus. In ganz Deutschland findet man in den Supermärkten dasselbe Brot. Ob nun Lidl, Aldi oder Edeka: sie alle werden vom gleichen Anbieter beliefert!
  4. Damit der Teig von Maschinen bearbeitet werden kann, braucht es Chemie. Unsere Brote aus dem Supermarkt werden mit einer endlosen Reihe an Zusatzstoffen, Enzymen und Backtriebmitteln versehen. Und keiner weiß so recht, was da alles drin ist.

Die Liste der erlaubten Stoffe ist lang. Oft müssen sie nicht einmal deklariert werden, weil sei beim Backen angeblich zerfallen, bzw. ja nur „technische Hilfsstoffe“ sind.

  • Bromat, Azodicarbonat, Benzoylperoxid, Calciumperoxid, Calciumcetat, Carboxymethylcelluose usw. sind zum Beispiel da für Feuchtigkeit, Geschmack, Haltbarkeit, Aussehen (Kruste), Volumen, Sensorik (Mundgefühl), Teiggängigkeit
  • Enzyme sind künstlich veränderte Eiweiße, haben ebenfalls so exotische Namen wie Amylasen (helfen beim Aufgehen), Proteinasen, Glucoseoxidasen, Peroxidasen, Lipoxigenasen, Xylanasen (für die Elastizität), Lipasen usw.

Und was ist eigentlich drin im Brot, beim guten alten Bäcker?

Mehl, Wasser, Hefe, Salz. That’s it!

 

Wo sind all die guten Bäcker hin?

Ich habe mich also aufgemacht, einen Exoten dieser bedrohten Menschenart zu besuchen & mir eine Backstube im Original angeschaut. Für die Fotoaufnahmen musste ich um 4 aus dem Bett, da war der Bäckermeister mit seinem Gesellen schon ein paar Stunden auf den Beinen. Um 2 Uhr nachts stehen die auf der Matte und sind bis 8 Uhr am werkeln (und bis Mittag dann mit Aufräumem beschäftigt…). Die Brötchen kommen gegen 4 Uhr in den Ofen, die Brote dann um 5. Ein Lehrling war dabei, die Kuchen zu zu bereiten, während der Bäckermeister und der Geselle per Hand die Teiglinge formten. Geredet wurde eigentlich gar nicht. Nur super beflissen gearbeitet. Zack zack, nächstes Brot!

Die Suche nach so einem echten Handwerksbäcker gestaltet sich auch etwas schwierig. Nicht alle Bäcker sind in der Innung, weil das extra kostet. In der Handwerkskammer müssten alle verzeichnet sein, aber die Online-Datenbanken wiesen auch hier massig Lücken auf. Dann gibt es so Initiativen wie brot-test.de, wo angeblich die „echten“ Bäckereien zu finden sind. Mein Kleinbäcker war da aber nicht aufgeführt, hingegen aber die Großbäckereien der Region. Eine telefonische Nachfrage ergab: in die Übersicht kommen die Bäckereien, die ihre Brote testen lassen. Dafür haben kleine Bäckereien natürlich auch wieder kein Geld! Und die Großbäckereien, sind die nicht vielleicht doch okay? Bei 150 bis 200 Filialen der typischen Großbäckereien… und gleichzeitig nur im Schnitt zwei bis drei Backstuben… kann sich wieder nicht nur das Milchmädchen ausrechnen, dass auch hier nicht „von Hand“ gebacken wird. (heißt: Zusatzstoffe im Brot, damit die Maschinen den Teig verarbeiten können. und heißt auch: eingefrorene Teiglinge die an die Verkaufsstellen geliefert werden…)

Tipp: Traditionelle Backstuben erkennt man am Namen. Die heißen noch Remmert, Oldenburg oder Heyderich… weil als kleine Familienbetriebe sie einfach ihren Namen verwenden. Auch können kleinere Bäckereien unmöglich mehr als 5 Filialen haben, um den Aufwand noch zu schaffen. Es gibt auf zeit.de auch eine Deutschlandkarte mit Handwerksbäckereien auf Kundenempfehlung – hier fehlen zwar auch eine Menge Backstuben, aber ein paar Referenzen klingen wirklich traumhaft:

Eigene Backstube hinter dem Verkaufsraum, der Bäcker kommt noch mit Körben und duftenden Brötchen in den Laden…… am Samstag und Sonntag stehen die Menschen aus dem Viertel und der Umgebung geduldig Schlange

 

Unser täglich Brot gib uns heute!

Und woran erkennt man nun ein gutes Brot? Leider nicht am Aussehen, denn die „Landbrot-Optik“ wird ganz einfach gefaked! Die aufgebackenen Brötchen schmecken mehr nach Pappe und werden super schnell hart. Wirklich frisches Brot hält sich länger! (Es sei denn es wurden Konservierungsmittel mit reingemischt…)

Ein Blick auf die Zutatenliste lässt auch schon erahnen, woher das Brot in Wirklichkeit stammt. Auch leuchten bei mir die Alarmlampen, wenn da Zucker mit drin ist.

Ein neues Smartphone kostet 100 bis 800 Euro. Wieviel Brote und Brötchen in guter Qualität könnte man sich anstelle dessen leisten? Sind gute Nahrungsmittel nicht das kostbarste, was wir haben?

 




Read full story · Comments { 6 } · April 30, 2015 ·
Dies und Das, Gesellschaft >>

Wieviel Charlie darf’s sein? Welchen Sinn haben Spott und Provokation?

Mein Freund Hardy fragt sich: „Bin ich wirklich Charlie?“ Und meint nach einigem Nachdenken: „Nein, ich bin immer weniger Charlie!“ Weil er nicht möchte, dass Meinungsfreiheit bedeutet, andere – und sei es nur mit dem Stift – anzugreifen und etwas, was ihnen heilig ist, zu verhöhnen oder zu verunglimpfen.

Ich hab Hardy’s Gedanken mit großem Interesse gelesen. Das ist etwas, worüber wir uns einen Kopf machen sollten. Und da Hardy keinen eigenen Blog hat, wird sein Text nun bei mir veröffentlicht. Kommentare wie immer willkommen :)

 

jabberworks - sending love

Bild von Sarah McIntyre – originally tweeted as jabberworks

Bin ich wirklich Charlie?

Von der Freiheit der Karikatur

Gastbeitrag von Hardy

Ich habe in den letzten Tagen im Zuge der Ereignisse in Frankreich viel gesehen, was im Namen der Freiheit gepostet und aus Solidarität zu Charlie Hebdo (jetzt erst recht!) veröffentlicht wurde. Es macht mich sehr nachdenklich! Ich finde schockierend, mit welcher Selbstverständlichkeit „die freie Welt“ viele Hundert Millionen Menschen in ihren Gefühlen beleidigt (oder das zumindest billigend in Kauf nimmt), wie sie sich zornig, empört, selbstgerecht und arrogant über ihren Glauben und ihre Traditionen lustig macht.

Darf man eine so große Gruppe Menschen so pauschal zusammenfassen und mit einem Federstrich abwatschen? Ist es gerechtfertigt, einen nicht unerheblichen Teil der Weltbevölkerung ausschließlich über ihren Glauben zu definieren und zu beurteilen? Klar, das ist auch in anderen Zusammenhängen in den freien Gesellschaften gängige Praxis – dort, wo sich Dummheit, Phobie und Intoleranz (übrigens alles Merkmale der Unfreiheit) gegen eine Gruppe / Minderheit wenden (z.B. Homosexuelle). Ist das legitim, weil es unter diesen vielen Hundert Millionen gefährliche Wirrköpfe gibt, die eine Religion für ihre weltlichen Interessen bis zur Unkenntlichkeit verbiegen und mordend im Namen ihres Gottes durch die Welt ziehen? Darf man so handeln, selbst wenn die überwiegende Mehrheit der Muslime das genauso verkackt findet wie wir – ohne dabei jedoch grundsätzlich am Wert ihrer Religion zu zweifeln? Wäre hier nicht sinnvoller, sich um ein „Bündnis der Freiheit“ über Religionen und Weltanschauungen hinweg zu bemühen, statt den Spaltkeil des Spotts und der Provokation an die Schnittstelle zu setzen?

Religionen werden seit jeher instrumentalisiert

Religionen sind nicht pauschal schlecht oder gut. Sie teilen dasselbe Schicksal mit anderen „Unterscheidungsmerkmalen“ (Herkunft, Ethnie, Hautfarbe, Sexualverhalten, Bildung, Geschlecht, soz. Status usw.): dass einzelne Menschen, Organisationen, Staaten, politische Systeme sie instrumentalisieren, um ihre Anliegen (Machterweiterung, Eroberung, Ausbeutung, Unterdrückung, Wertemission usw.) zu rechtfertigen oder umzusetzen. Für derartige Vorhaben braucht es immer eine Masse Mensch im Gleichschritt der Überzeugungen, in ideologischer Uniform, mit einem gemeinsamen Schlachtruf, der mit Herzblut vertreten wird. Religionen eignen sich dafür hervorragend! Kein Wunder also, dass sich immer genügend Menschen finden, die den Stechschritt mitmachen, in der Uniform aufgehen, die Parolen auswendig lernen – und (Herz-)Blut fließen lassen. Das heißt aber nicht, dass diese „Kämpfer für die gerechte Sache“ kompetent über die Inhalte des Glaubens oder die Strategien im Gesamtzusammenhang im Bilde wären! Sie sind Handlanger, nicht mehr.

Das funktioniert auf allen Seiten! Was wissen die Terroristen wirklich vom Islam? Und: was wissen wir wirklich vom Islam?

Das Karussell der Geschichte

Die Geschichte ist voller Beispiele, in denen die Völker, Reiche und Führer der Welt Mitläufer und Aktivisten unter (haarsträubend dummen) Ideologien versammeln, um ihr Süppchen zu kochen – das oft genug Andere auslöffeln müssen. Deutsche sind im 20. Jahrhundert zweimal aufgebrochen, um die (Welt-)Herrschaft zu erringen. Auf ihren Koppelschlössern stand in beiden Kriegen „Gott mit uns“. Auch in unserem Land haben gläubige Menschen, die es besser hätten wissen müssen, weggeschaut, sind geblendet mitgelaufen oder haben die Bewegung gar kräftig angeheizt. Das Ergebnis waren über 70 Mio. Tote zwischen 1914 und 1945 – und verwüstete Länder. Diese Kriege waren so unheilig wie alle, die aus niederen Beweggründen angezettelt werden. Sie haben keine religiösen Ursachen! Weder in Nordirland, noch in Bosnien oder Sri Lanka – you name it.

Mit einigem Abstand offenbart sich dem Betrachter immer dasselbe Bild: jeder (heilige) Krieg beginnt mit Lügen, gezielter Beeinflussung, Diffamierungen und schlimmer Pauschalisierung, um Menschen für ihn zu gewinnen. Das klappt auf allen Seiten, unabhängig vom Glauben, von Nationalität oder Gesellschaftsordnung. Laufen wir nicht Gefahr, denselben Mechanismen auf den Leim zu gehen?

Sören Kierkegaard sagt: das Leben wird vorwärts gelebt und rückwärts verstanden. Ich füge hinzu: wer im Rückwärtsblick etwas verstanden hat, kann (nein: MUSS!) im Vorwärtsleben anders handeln, statt sich besoffen zu drehen auf dem ewigen Karussell der Geschichte!

Wir sollten uns genauso wenig hinter menschenverachtenden Karikaturen und abendländischen Wutparolen versammeln, wie die Gläubigen des Islams unter schwarzen oder grünen Fahnen des Hasses und der Gewalt. Nicht nur die Anderen betreiben Eskalation und Polarisierung – auch wir. Wir sollten dabei nicht in dieselben sinnlosen Rechtfertigungsdiskussionen verfallen, wie Schüler aufm Schulhof: „DER hat aber angefangen!“ Schlechte Karikaturen bleiben schlecht, auch und gerade, wenn sie dem Zorn und der Menschenverachtung entspringen.

Zur Frage: „Bin ich Charlie?“

Nein, ich bin immer weniger Charlie! Es wird mir unter dieser Parole (genau wie montags auf der Straße) zu viel in einen Topf geworfen. „Ja!“ zu Meinungsfreiheit. „Ja!“ zu „nicht-kuschen-vor-Einschüchterung“. Aber entschieden „Nein!“ zu einem pauschalen „jetzt erst recht!“ und zu einem Wettkampf der bissigen Karikaturen. Ich weiß, Differenzierungen sind nicht leicht und haben immer den Beigeschmack des Spaltertums! Aber wenn wir eines nicht brauchen, dann ist es pauschale Aggression und blinde Diffamierung.

Nichts gegen ein „gutes“ Satiremagazin…. ich kannte Charlie bis dato nicht und kann die Arbeit gar nicht beurteilen. Hätte ichs gekannt, hätte ich wahrscheinlich die Karikaturen gegen Muslime nicht beklatscht. Die eigenen Politiker und Systeme aufs Korn zu nehmen, vor der eigenen Haustür zu kehren, das ist eine andere Liga! Auch nach den Anschlägen in Paris kann und will ich manche Zeichnung einfach nicht prima finden, nicht mal aus Solidarität! Ich schließe mich einer Französin an, die vorgestern auf N24 sinngemäß sagte (und gut, dass SIE es gesagt hat): Charlie Hebdo hat manchmal wirklich tolle Sachen gebracht – aber das darf man nun unter dem Eindruck der Ereignisse nicht idealisieren. Eine ganze Menge davon war auch ziemlich platt und stumpf.

Yepp! „Hau rein in die Kerbe“ ist eben nicht unbedingt eine Fackel der Freiheit und auch kein Merkmal guten Journalismus´! Jetzt eine Flut von Karikaturen und „freier Meinungsäußerung“ der abfälligsten Art zu bringen, um zu demonstrieren, wie frei und mutig wir sind, mutet bockig, kindisch, maßlos an. Der Kollateralschaden (ich nutze diesen Begriff an dieser Stelle ganz bewusst!) ist mir einfach zu groß! Zorn und Entsetzen lässt uns leicht denselben Fehler machen, den wir den Menschen auf der Straße zwischen Dresden und Darfur, zwischen Köln und Kirkuk machen: blind aufzugehen in einer diffusen Masse, falschen Propheten hinterher zu laufen und richtig dumme Dinge zu tun und zu rufen!

Von der Freiheit der Karikatur

Satire und Humor sind immer dem individuellen Urteil unterworfen. Ob etwas witzig, treffend oder geschmacklos ist, dazu gibt es – erFREIlicherweise – mehr als eine Ansicht. Und nicht immer werden vergleichbare Vorgänge gleich bewertet: würde eine pauschale und gesellschaftlich breit akzeptierte Verunglimpfung z.B. gegenüber dem Judentum erfolgen, wäre das antisemitisch und man müsste sich den Vorwurf der Volksverhetzung gefallen lassen. Hier haben wir aus der Geschichte gelernt. Daher braucht es quasi in diesem Fall nur noch eine „Transfairleistung“.

Ich habe übrigens nichts gegen Karikaturen, die auf die Dummheit und die Intoleranz des Terrors und seiner Handlanger zielen. Aber warum muss es „der Arsch des Propheten“ sein, eine Verspottung betender Muslime – und das Bedienen ewig gleicher (und größtenteils falscher) Vorurteile über Muslime und ihre Kultur? Wem dient das? Ich denke, es radikalisiert. Wasser auf die Mühlen der blöden bei uns – und der Blöden in muslimischen Kulturen. Wir schaffen eine Kluft, die uns von Menschen trennt, die eigentlich genau wie wir gegen Terror und Unfrieden sind. Muss man in diese Kerbe hauen, um freie Meinungsäußerung zu demonstrieren? Auch in muslimischen Kulturen wissen zwar die Wachen, Offenen und Interessierten genau, dass nicht alle im Westen ihre „Feinde“ sind – aber die Masse ist eben (wie bei uns) eher kurzschlussgefährdet.

Im Land der Steuerflüchtlinge und Geizgeilen darf man noch immer behaupten, Menschen mit Migrationshintergrund seien in der Mehrheit Sozialbetrüger und auch Flüchtlinge kämen nur, um in die Kassen zu greifen oder unser „christliches Abendland“ kaputt zu machen. Wie sonst käme es zu Pediga? Für viele wichtige, gesellschaftspolitische, soziale, ökologische Themen kriegst du keine Sau mehr auf die Straße, um Missstand zu beklagen und Veränderung zu fordern. Doch für ein christliches (!) Abendland wabert allmontaglich ein Teil des Volks durch die feuchtkalten Straßen, statt aufm Sofa zu sitzen?! Erstaunlich!

Rassismus bleibt Rassismus, auch wenn man meint, gute Gründe zu haben. Er fängt klein an und nutzt geschickt viele Deckmäntelchen, um sich eine Stimmung zunutze machen, um Ideologien zu verbreiten, Angst zu schüren, aufzuhetzen oder wehzutun. Auch schlimme, verabscheuungswürdige Anschlägen machen ihn für mich nicht hoffähig. Rassismus und Respektlosigkeit sind immer daneben, auch in Form einer Karikatur. Und komplexe Probleme löst er schon gleich gar nicht!

Danke fürs geduldige Lesen!




Read full story · Comments { 5 } · Januar 13, 2015 ·
Gesellschaft, Werkzeuge >>

Schöne Neue Welt der Überwachung – was kann ich da tun?

Ich gehörte bis vor kurem zur breiten Menge derer, die zwar von der Überwachung der Menschheit wussten, aber dem keine allzu große Bedeutung beigemessen haben. Die Argumente für diese Gleichgültigkeit oder Resignation sind immer dieselben:

  1. Ich habe ja nichts zu verbergen. Und es ist doch gut, wenn dadurch Kriminelle gefasst werden können. Ich bin zu uninteressant (unschuldig), als dass „die da oben“ sich für mich interessieren würden.
  2. Was ich im Internet recherchiere, schreibe und tue… wird doch „nur“ für personalisierte Werbebanner benutzt. Und ich kann ja die Werbung blocken, wenn ich sie nicht sehen will.
  3. Man kann doch eh nichts dagegen tun. Alle anderen regen sich doch auch nicht auf.
panopti.com

Ein Projekt zur Veranschaulichung der Überwachung im Alltag: panopti.com.onreact.com – Auch außerhalb der Cyberwelt sollte man auf seine Privatsphäre achten. Weniger mit EC-Karte zahlen beispielsweise…

Die deutsche Bevölkerung liegt in den Fragen des Datenschutzes ganz weit vorne. Vielleicht ist in unseren Köpfen noch das ungute Gefühl der Stasi-Überwachung verankert. Doch ich komm nicht umhin, zu sehen, dass die Tatsache, dass wir alle überwacht werden, kaum zu Empörung führt. Weil wir keinen konkreten „Bösewicht“ innerhalb von Deutschland haben, den wir zur Verantwortung ziehen können?

Einspruch gegen die Gleichgültigkeit

  1. Du hast nichts zu verbergen? Super, aber die Obrigkeit, der Staat ist nicht fehlerfrei. Aus irgendwelchen Recherchen könnten sie falsche Schlüsse ziehen, und dann hast du den Salat. Außerdem erzählst du deinem Nachbarn auch nicht alles, warum? Weil bestimmte Dinge einfach zu persönlich sind. Privates soll auch privat bleiben – aber wenn du überwacht wirst, und Daten über dich gesammelt werden (auch und trotzdem du nichts „verbrochen“ hast), hat der andere Macht über dich (zB wirst du erpressbar).
  2. Heute wird dein Surfverhalten scheinbar harmlos für Werbezwecke aufgezeichnet. Und morgen werden diese Infos plötzlich gegen dich verwendet. In den 30er Jahren gab es eine harmlose Bevölkerungsbefragung zur Religionszugehörigkeit. Diese Karteikarten wurden von der Gestapo dann gründlich zweckentfremdet.
  3. Alle großen Verbrechen der Menschheit konnten begangen werden, weil zu viele Menschen weggeschaut haben.

Datenschutz und Privatsphäre geht auch dich etwas an!

Das verbreitete Schulterzucken kommt mit dem Satz einher: „Die sammeln die Daten ja nur für Werbung.“ Und der sich besonders sicher wähnt, ist der, der sagt: „Ich lasse einfach die Werbung blocken, dann stört es mich nicht weiter.“ Das ist dann aber wegschauen, obwohl man es besser wüsste. Nur weil jemand die Existenz der Stasi oder Judenverfolgung oder Massentierhaltung ignoriert, heißt es nicht, dass a) diese Dinge nicht existieren, b) er keine soziale Verantwortung dafür hat (wir alle gestalten unsere Gesellschaft mit!) oder c) er niemals die Folgen davon zu spüren bekommt. Wieviele Skandale müssen noch an die Öffentlichkeit, bis wir begreifen, dass wir längst dort angekommen sind, wovon die Stasi nur hätte träumen können?

I know the good and the bad of these systems, and what they can and cannot do, and I am telling you that without getting out of my chair, I could have read the private communications of any member of this committee, as well as any ordinary citizen.
I swear under penalty of perjury that this is true. These are not the capabilities in which free societies invest.
Mass surveillance violates our rights, risks our safety, and threatens our way of life. (Edward Snowden)

Ein System, das alles über uns weiß (Meinungen, Vorlieben, Kontakte, Termine, Interessen, …) kann, wenn es in die falschen Hände gerät verdammt noch einmal zu „1984“ führen. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Warum verhalten wir uns dann so gleichgültig hirntot?

Die Geheimdienste – mächtige Staaten im Staat – leben dank digitaler Möglichkeiten und hunderter Milliarden Steuergelder eine Überwachungsmanie aus, wie sie die Menschheit noch nicht kannte. Unsere Politiker haben diese wahnwitzigen Grundrechtsbrüche über Jahre und Jahrzehnte mitgetragen, mitgewusst oder mindestens beflissen weggeschaut. Und sie tragen heute, da Totalüberwachung nicht mehr als Verschwörungstheorie abzutun ist, die „Überwachung mit Fassung“, wie Bundestagspräsident Norbert Lammert, protokollarisch der zweite Mann im Staat, es noch 2014 im Plenum ausdrückte. (deutschlandfunk.de)

Auch deutsche Behörden, insbesondere der BND und das ihm vorgesetzte Bundeskanzleramt, haben Massenüberwachungsmaßnahmen angeordnet und sich Medienberichten zufolge an massenhaftem Datenaustausch mit der NSA und anderen Geheimdiensten beteiligt. (telemedicus.info)

Ich persönlich bevorzuge eine Welt mit kritisch denkenden Menschen. Hinterfragen, zweifeln und mitdenken geht aber auch nur, wenn Informationen bereit gestellt werden, die zur Aufklärung dienen. Eine Welt, konzipiert als Überwachungsstaat, macht aber kritische Geister mundtot. Es gibt schon jetzt Studien (20132014), die zeigen, dass eine Selbstzensur (sogenannte „Chilling Effects“) stattfindet, weil man sich überwacht wähnt. Also mensch ist eingeschüchtert und verliert den Impuls, von seinen Grundrechten, wie dem der Meinungsfreiheit, Gebrauch zu machen. Menschen vermeiden bestimmte Themen am Telefon, entscheiden sich gegen das Schreiben eines Artikels bei kritischen Sachverhalten, lassen lieber einmal mehr eine Internetrecherche sein… Dies betrifft auch insbesondere Minderheiten oder politisch Aktive. Ich kann den beschriebenen Effekt gut nachvollziehen: Schon beim Schreiben dieses Artikels befällt mich das ungute Gefühl, ob ich nun schon auf einer roten Liste gelandet bin, ohne es zu wissen.

Wie viele Artikel bleiben ungeschrieben, wie viele Dinge ungesagt? Welche Filme könnten wir schauen, welche Diskurse führen, wenn die Menschen nicht bewusst oder unbewusst eingeschüchtert wären? Journalisten, die über kontroverse Themen recherchieren und berichten brauchen den Schutz und die Sicherheit, nicht ausspioniert zu werden! Wenn also DU HÖCHSTPERSÖNLICH nichts zu verbergen hast, so haben es aber vielleicht andere, mit dem Ziel, dich irgendwann über wichtige Themen informieren zu können. Massenüberwachung ist ein Repressionsmittel, weil sie uns „konformistisch, ängstlich, aggressiv und depressiv“ macht!

 

 

Die Zwei Riesen Google und Facebook

Google ist ein Imperium

Es ist nicht nur eine Suchmaschine oder Emaildienst. Es ist nicht nur der super praktische Serviceanbieter zum Verwalten und gemeinsamen Bearbeiten von Dokumenten, Terminen und Neuigkeiten. Google ist auch

Wer sich da noch ein bissel reinsteigern will, der kann ja mal entsprechende Dokumentationen schauen :) (Die geheime Macht / ARD | Die Google Story) Jeder, der die Google-Suche bedient und seine Emails bei Gmail hat, kann sich sicher sein, dass diese Daten gesammelt werden. Das wird bei anderen Email-Anbietern und konventionellen Suchmaschinen ähnlich sein. Als Fazit bleibt folgendes Zitat:

Aufgrund des Safe Harbor-Abkommens ist es dem Konzern gestattet, Ihre persönlichen, sensiblen Informationen in die USA zu senden. Was dort mit Ihren Daten geschieht, ist schwer vorauszusagen; in jedem Fall können NSA & Co. darauf zugreifen. Wenn Sie Google-Services wie Gmail nutzen, werden Sie definitiv getrackt (psw-group.de)

Facebook will alles wissen

Facebook speichert wie Google alles, was es in seine Klauen bekommt. Statusmeldungen, Freunde und Nachrichten: selbst wenn man es löscht, ist dies nur oberflächlich. Bei so manch einer Designänderung Facebooks waren plötzlich alle alten Infos wieder vorhanden… (das ging doch sicherlich nicht nur mir so!) Dass irgendwelche Staatsdienste und Behörden in meine Internet-Gewohnheiten Einsicht nehmen können, gruselt mich. Ebenso wie die Storys von Terrorverdächtigen und Rasterfahndungen. Wikipedia hat eigens einen Artikel über Kritikpunkte und Bedenken bezüglich der Nutzung von Facebook angelegt. Darin wird deutlich dass auch in Deutschland das Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und der Zoll Facebook für offene wie auch verdeckte Ermittlungen nutzen. Ja, und ihr ahnt es schon: nicht nur die öffentlichen Statusmeldungen werden ausgewertet, sondern AUCH die privaten Nachrichten. Damit Straftaten im Voraus erkannt und vermieden werden können, heißt es. Minority Report lässt grüßen! Und nun aktualisiert Facebook Ende Januar seine Nutzungsbedingungen… Dass das nichts Gutes heißt, können wir uns schon denken.

Den Datenschützern gefällt nicht, dass Facebook künftig seine Nutzer auch außerhalb der Website verfolgt. In Zukunft fließt in das persönliche Werbeprofil des Users ein, welche Apps er nutzt oder welche Seiten er außerhalb von Facebook besucht. (dradiowissen.de)

Nicht mehr blind im Glashaus sitzen!

Was mir bleibt, ist mein eigenes Internet-Surf-Verhalten zu überdenken. Folgende Schritte habe ich mir überlegt:

1) Verantwortungsvoll Inhalte posten

Immer im Hinterkopf behalten: alles was ich schreibe, wird für immer gespeichert werden und auffindbar sein. Ich werde also von mir nur soviel preisgeben, wie ich will, dass es Hans Otto von gegenüber auch wissen darf. Und von anderen die Privatsphäre respektieren, insofern, dass ich sie nicht namentlich erwähne oder Photos von ihnen ungefragt veröffentliche.

2)  Alternativen verwenden:

  • alternative SuchmaschineStartPage (benutzt auch anonym Google Suchergebnisse) Ixquick (Schwester von StartPage, nutzt Yahoo, Gigablast und Wikipedia als Lieferanten…)
  • Jitsi anstelle von Skype (Anleitung)
  • Threema anstelle von WhatsApp
  • Diaspora anstelle Facebook (ladet doch einfach all eure Freunde nach diasporado.org ein!)
  • SpiderOak anstelle von Dropbox

3) Immer alle Datenschutzeinstellungen ausnutzen.

Das ist manchmal etwas aufwändig, aber einmal muss man sich den Spaß wohl geben!

stimmtnicht

Hehe, das Google dann doch nicht alles wusste, zeigt die Angabe, dass ich auf Grund meiner bisher besuchen Websiten als männlich gelte. surfe wohl zu wenig nach Handtaschen^^

 

4) Unterschiedliche Browser für jedes Anliegen

Ich muss zugeben, mir fällt derzeit keine bessere Lösung ein, als für jeden Bösewicht einen eigenen Browser zu verwenden. So kann verhindert werden, dass Facebook noch ausliest, wo ich mich sonst noch im Netz aufhalte. Und Google hat „nur“ Zugriff auf die Daten, die ich ihm eh per Email und Youtube-Nutzung liefere. Allerdings ist es wohl ratsam auf Youtube sich erst einzuloggen, wenn man kommentieren möchte. Chrome ist also ab sofort mein Google-Browser, Safari mein Facebook… und für den Rest meiner Web-Recherchen verwende ich den datenschutzsicheren Browser Tor. Durch den Tor kann ich anonym surfen. Das heißt meine Identität (Standort & meine IP-Adresse) wird nicht verraten!

5) Abschalten und dennoch nicht Zumachen

Nachdem ich mich so in das Thema eingewühlt habe, bleibt ein dicker Kloß im Bauch. Und der Wunsch, einfach den Rechner auszuschalten und mich aus dem Internet fern zu halten, wird größer. Einerseits finde ich diese Idee gar nicht so schlecht: Das echte Leben ist immer noch die Realität außerhalb der Cyberwelt. Irgendwann verkommt die Menschheit noch zu einem krummen Affen vor dem Computer…

Andererseits möchte ich auch nicht mir selbst die Zunge abschneiden. Untersuchungen zeigen, dass in Folge der Überwachungsskandale weniger kritische Recherchen betrieben werden, Menschen lieber einmal mehr den Mund halten, als zu riskieren dass eine Staatssicherheitsbehörde auf sie aufmerksam wird. Aber dann würden wir mundtot gemacht. Werbegesteuerte Konsumenten, die keinen eigenen Kopf mehr haben. Wollen wir das?

6) Widerstand, Empörung, Protest

Und das wichtigste: Nicht aufhören, das Thema in die Öffentlichkeit zu zerren. Politiker befragen, Petitionen schreiben, sich in Gruppen organisieren… (Linktipps willkommen!)




Read full story · Comments { 1 } · Januar 11, 2015 ·
Leben und Lieben >>

Es ist, wie es ist. Von der Entscheidung, den anderen so sein zu lassen

Ich lese Lausters „Wege zur Gelassenheit“. Blätter mich von Kapitel zu Kapitel. Suche etwas, was mir noch neu ist und nicht in zigfachen Psychoratgebern schon durchgekaut und so oft gewälzt wurde, dass eine Murmel draus geworden ist. Nach einem Drittel horche ich auf, meine Augen beißen sich fest. Schöne Worte schreibt er da. Ich bin berührt. Und möchte seine Worte mit euch teilen:

Der Schwache kämpft, will Stärke beweisen. Der wirklich Starke kann die Dinge geschehen lassen, wie sie geschehen. Wir fragen nicht: Warum sind keine zwei Monde am Himmel, warum ist die Mohnblüte nicht gelb? Wir betrachten den Mohn und sind damit zufrieden und ausgefüllt. Aber die Nachbarin, die wollen wir anders haben, den Kollegen prangern wir an. … Alles hat seinen Sinn und seinen Platz, wie können wir uns anmaßen, darüber ständig zu richten und alles besser zu wissen? (Peter Lauster)

Mir gefällt sein Grundgedanke, die Menschen anzunehmen, wie sie sind. Aufzuhören, sich zu beklagen, wenn die anderen nicht so handeln, wie wir es gerne hätten. Dann sind wir in Forderungen und Wunschvorstellungen verstrickt, und im inneren Widerstand gefangen. Widerstand gegen etwas, das wir sowieso kaum ändern können. An der Illusion festzuhalten, der andere müsse nur dieses oder jenes tun, endlich das richtige sagen, oder doch lieber einmal nur den Mund halten… das bringt uns nicht weiter. Es erzeugt nur unnötigen Kampf und verschwendet unsere Energie. Wir haften dann an den Vorstellungen. Wer loslässt, hat beide Hände frei, wie es so schön heißt. Und auch: „Es ist, wie es ist, sagte die Liebe.“

Welch befreiendes Gefühl, den anderen so stehen zu lassen, wie er gerade ist. An ihm nicht rumdoktern und rumändern zu wollen. In den Spiegel sehen, bei sich ankommen… und sehen: wo möchte ich mich noch ändern, wie kann ich noch wachsen, mich weiterentwickeln? Denn dann sind wir an einer Baustelle angelangt, auf der wir wirklich etwas bewegen können!

Let me be the way i am

Let me be the way i am

 




Read full story · Comments { 0 } · Dezember 21, 2014 ·
Friedensprojekte, Gesellschaft >>

Hand in Hand auf dem Weg zur Koexistenz

Die Situation im Nahen Osten mag den Anschein erwecken, Juden und Araber seien so sehr verfeindet, dass ein friedliches Zusammenleben unvorstellbar ist. Von den acht Millionen Einwohnern Israels sind ein Fünftel Araber. Normalerweise leben die beiden Gruppen in komplett getrennten Welten. Sie sind Nachbarn, doch kennen sich kaum. Führen ihr eigenes Leben in separaten Gemeinschaften und schicken ihre Kinder in verschiedene Schulen. Dass dem nicht so sein muss, beweisen zahlreiche Friedensinitiativen, unter ihnen auch arabisch-jüdische Bildungsstätten.

handinhand

Die Max-Rayne-Hand-in-Hand-Schule in Jerusalem ist eines dieser Projekte. Mit 624 Schülern vom Kindergarten bis zur Oberstufe ist sie die einzige integrative Schule in Jerusalem und die größte bilinguale Bildungseinrichtung in Israel überhaupt. 1998 auf Initiative von engagierten arabischen und jüdischen Eltern gegründet, erfreut sich die Schule an stetig wachsenden Schülerzahlen. „Ehrlich gesagt startete das Ganze nur als ein kleiner Traum, der nach und nach größer wurde – und inzwischen auch wahr!“ meint lächelnd Nadia Kinani in einem Interview für den aktuellen Imagefilm der Einrichtung. Vor über zehn Jahren kam sie als arabische Grundschullehrerin an diese Schule. Mittlerweile ist sie Direktorin – zusammen mit ihrem jüdischen Kollegen Arik Saporta.
Was macht die Schule so besonders? Hier stehen das Arabische und das Jüdische gleichberechtigt nebeneinander. Das zeigt sich besonders deutlich am bilingualen Unterricht: Je eine jüdische und eine arabische Lehrkraft unterrichten die Klasse gemeinsam. Beispielsweise wird ein Sachverhalt auf hebräisch erklärt und von der anderen Lehrkraft auf arabisch ergänzt. So lernen die Schüler die Sprache ihrer Mitmenschen spielerisch von Klein auf. Auch die religiösen und nationalen Feiertage werden gemeinsam zelebriert. Aktuelle Konflikte und Krisen werden im respektvollen Dialog erörtert. Die Kinder lernen es, zuzuhören und einander mitfühlend zu verstehen. Auch die ansonsten gegensätzlich wahrgenommene Geschichte wird aus beiden Perspektiven beleuchtet.

Selbst der Standort der Schule nimmt symbolische Bedeutung an. Nachdem der alte Campus durch den ständigen Zulauf neuer Schüler aus allen Nähten platzte, wurde 2008 ein neues Gebäude fertiggestellt. Die Schule befindet sich nun im Viertel Katamonim unweit von der sogenannten Grünen Linie. Diese unsichtbare Grenze teilt Jerusalem in Ost (für die palästinensische Bevölkerung) und West (für die jüdische Bevölkerung). Menschen aus Ostjerusalem können sich in Jerusalem und ganz Israel frei bewegen, wohingegen die Palästinenser aus dem Westjordanland erst eine Erlaubnis beantragen müssen und auch Menschen jüdischer Herkunft nicht ungefährdet in den Osten der Stadt gehen können. Die Schule gerade eben an dieser Stelle schafft es eine Brücke zu schlagen zwischen beiden Polen. Um den Schulalltag herum bilden sich soziale Aktivitäten, Sport und Spiel, Elterngruppen und gemeinsame Ausflüge. Eine Insel von Frieden und Toleranz inmitten des zuweilen gewaltbesetzten und angsterfüllten Alltags.

Nicht alles rosa im Paradies

Doch auch die Hand-in-Hand-Schule hat mit den Herausforderungen der Lebenswirklichkeit vor Ort zu kämpfen. Inmitten des brodelnden Jerusalemer Kochtopfes wird auch die Hand-in-Hand-Schule immer wieder Gegenstand von Anfeindungen. Muslimische Eltern müssen sich anhören, ihre Kinder würden zu Juden erzogen. Jüdische Familien sehen sich mit der Frage konfrontiert, wie man denn mit Terroristen kooperieren könne. Ihren Gipfel fanden die Missbilligungen jüngst im November: Als nämlich drei jüdische Extremisten (18- bis 22-jährige Mitglieder der Lehava, einer Organisation, die Ehen zwischen Juden und Nicht-Juden zu verhindern sucht) einen Brandanschlag auf die Schule ausübten. Dabei wurde ein Klassenzimmer der Grundschule komplett zerstört. Geschäftsführer Shuli Dichter gab daraufhin offiziell bekannt: „Sie mögen vielleicht unsere Wände beschmutzen, aber unsere Arbeit können sie nicht zerstören.“ Rund zweitausend Bürger drückten anlässlich des Brandanschlages ihr Mitgefühl in Kundgebungen und Demonstrationen aus. Unter Bannern wie „Stoppt den Rassismus!“ und „Juden und Araber weigern sich, Feinde zu sein!“ zeigten sie, dass solcherlei Vorfälle sie eher zusammenschweißen denn auseinanderbringen können.

Grundsteine für eine friedvolle Zukunft

Von den anderthalb Millionen Schülern Israels geht nur ein verschwindend geringer Teil auf alternative multikulturelle Schulen. Umso wichtiger sind Projekte wie die Hand-in-Hand-Schule in Jerusalem, in denen Respekt und Toleranz nicht nur gepredigt, sondern auch tatsächlich gelebt werden. Mittlerweile gibt es im gesamten Land fünf Hand-in-Hand-Schulen mit rund 1100 Schülern. Glücklicherweise wächst mit jedem neuen Schüler auch der Elternkreis und der Einflussbereich der integrativen Schulen, die auf eine so farbenfrohe Art zeigen, dass ein anderer Weg möglich ist.

Friedensprojekte in Israel und Palästina

Für mich ist es wichtig, dass Friedensprojekte ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden. In den Nachrichten bekommt man fast immer nur von den Problemen und Gewalttaten zu hören. Da ist es kein Wunder, dass man glaubt: „Die spinnen doch!“ Jedoch: Wenn wir auch den friedvollen Stimmen unser Ohr leihen, wenn wir denen unsere Aufmerksamkeit schenken, die gewaltfrei protestieren, dann geben wir DIESER FRIEDENSBEWEGUNG gleichzeitig mehr Macht!

Lest also unbedingt auch meine andern Artikel über bereits existierende Friedensprojekte!

 




Read full story · Comments { 1 } · Dezember 18, 2014 ·
Gesellschaft >>

Website Friedensprojekte Letspeace Let’s Peace

Ich arbeite gerade an einer Homepage über Friedensbewegungen und Organisationen in Israel und Palästina:
LET#S PEACE

Ich denke dass es enorm wichtig ist, sich auf Wege zu konzentrieren, die Frieden ermöglichen können. Wenn wir immer nur der Gewalt und dem Hass Aufmerksamkeit schenken, ist es kein wunder, dass wir irgendwann resignieren. Deswegen habe ich mich jetzt der Aufgabe verschrieben, Friedensprojekte in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Wer von euch Friedensprojekte kennt über die es sich zu schreiben lohnt: schreibt mir eine Email! Danke! Let’s Peace!

 

Let’s Peace

Wer von euch hat schon einmal was von Budrus gehört?

Ein kleiner Ort in der Westbank der sich mit gewaltfreien Mitteln gegen den Bau einer Sperranlage Israels durchs Dorf gewehrt hat. Erfolgreich! In den Medien und der allgemeinen Diskussion werden die Palästinenser gerne mal allesamt mit Extremisten in einen Topf geworfen, die Gewalt legitim empfinden. Wir müssen den Projekten Ohren schenken, die ANDERS gehandelt haben. Wenn sie keine Aufmerksamkeit bekommen ist es, als wäre alles umsonst & und nur mit Gewalt Ziele erreichbar.

 

peace-israel-palestine

 

Wer Projekte kennt, die den Dialog zwischen den beiden Seiten fördern… schreibe mir bitte eine Email. Danke




Read full story · Comments { 0 } · November 27, 2014 ·
Dies und Das, Gesellschaft >>

Selbststudium Fernstudium Studium Generale … von der BILDUNG im Alltag

Ich liebe es, meinen Horizont zu erweitern. Neue Dinge zu erfahren. Die Welt besser kennenzulernen. Und uns Menschen.
Das Tolle an einem Studium ist diese hochwissenschaftliche Atmosphäre. Hier werden Zweifel zu Forschungsfragen. Hier entstehen nach der Beantwortung der Fragen wieder neue Fragen. Diese Heiligkeit des WISSENS und FORSCHENS. Nach dem, was die Welt „im Innersten zusammenhält“.
Besonders beeindruckend finde ich Professoren und Dozenten, die sich vollkommen Ihrem Wissensgebiet verschrieben haben – und uns an ihrem Enthusiasmus, ihrem Feuer für die Sache, teilhaben lassen.

Leider ist ein Zweitstudium ja kosten-und zeitintensiv. Und da ich mich gar nicht auf eine Wissenschaftsecke spezialisieren möchte, kam mir die Idee eines Studium-Generale. Ich stecke gerne meinen Kopf in allerlei Fachrichtungen. Schnupper hie und da den Wind der Forschung. Und bilde mir am Ende aus diesem Puzzle meine ganz eigene Weltsicht.

Glücklicher Weise gibt es inzwischen auch schon online so viele Möglichkeiten, meinen Wissensdurst zu stillen.

Weitere Linktipps sind sehr willkommen!

Wissenschaft

Portale mit aufgezeichneten Vorlesungen und Seminaren von Universitäten: 

Sprachen online lernen

  • duolingo – Sprache lernen durch simples Übersetzen
  • memrise – Vokabelkurse für jedermann – Vokabeln werden solange geübt, bis sie ins Langzeitgedächtnis gelangt sind

Allgemeinwissen

  • KhanAcademy – wer mag kann auf seinen Wissensstand geprüft werden und darauf aufbauend dann Lernkurse belegen. Hab mich gerade in der Mathematik versucht… ach, fast alles wieder aus der Schulzeit vergessen! Wie errechnet man noch einmal die dritte Wurzel einer Zahl? Zahl hoch eindrittel? Und wie errechnet man „hoch ein Drittel“? hahahah.
  • MIT OpenCourseWare – soweit ich die Website richtig verstandne habe, kann man sich hier die Skripte/Präsentationen (PDFs) einzelner Vorlesungen herunterladen (Themen hauptsächlich Technologie) – eine Übersicht von auf Video aufgezeichneten Seminaren gibt es hier: Video-Lectures
  • lumosity – Gehirnjogging: spielerisch Konzentration, Schnelligkeit und Erinnerungsvermögen trainieren
  • cliffsnotes – alles was Studenten und Schüler so lernen müssen (pardon: wollen), wird hier kompakt & thematisch geordnet zusammengefasst

Musikinstrumente

Bücher, Texte, Bücher…

  • gutenberg – Originaltexte und vollständig

Webdesign, Computer, Programmieren

Beruf, Finanzen & Wirtschaft

  • investopedia – falls ich mich ja mal tiefer in Geldfragen und finanzielle Angelegenheiten der Welt und des Business stürzen will, würde ich wohl hier meine Recherche nach Fachwissen beginnen
  • mindtools – Strategie, Teammanagement, Projektmanagement, Kommunikations-Skills… sowas eben!

Sonstiges

  • information is beautiful – Sammlung interessanter Videos, Infografiken oder Übersichten, die ein Thema gekonnt zusammenfassen und somit Wissen auf andere Art denn langer Text und viel Gerede darstellen…
  • howstuffworks – interessantes und unnützes Wissen
  • doccheck – Videos zum Thema Medizin

 




Read full story · Comments { 0 } · Januar 20, 2014 ·
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Das Heimweh der Alten – Eine Kurzgeschichte

Der Alten Heimweh

Der Alten Heimweh

 

All die kleinen und großen Streits. Begraben.

All die Diskussionen über Möbelkauf, Arbeitsplatz und Kindererziehung. Vergessen.

Keine andere Frau mehr, die ihn ihr wegnehmen will.

Kein Klimpern der Gläser und Flaschen an einem feuchtfröhlichen Abend.

Kein Kaffeekränzchen bei Schwiegermama mit ihren muffigen Schränken und vermufften Themen. Schon lang nicht mehr.

 

Nur noch Mittagstisch, Klavierabende und Canasta jetzt.

Nur noch die tägliche Runde ums Heim und der unalltägliche Besuch der Enkel. Schön ist es dann.

Und manchmal ein kleiner Scherz dann und wann. Sein Necken abends im Bett, das an ein anderes Leben erinnert.

Der nie mehr gestellte Wecker auf dem Nachtisch und ihre Cremetube daneben.

Der Lavendelduft beim Einschlafen.

 

Und morgen wieder um den Block die Runde.

Vergessen all die Streits, die Ziele, die Hoffnungen.

Das volle Leben hinter sich, die gemeinsame Zeit.

Der Blick nach vorn, der Wunsch nach mehr… Begraben.

 

 

8|11|2013

 




Read full story · Comments { 0 } · November 11, 2013 ·
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