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„Das ist das Leben“ – Top 10 der anspruchsvollen Serien

Ich gebe zu, ich liebe Serien. Das ist aber eigentlich auch gar nicht so verwunderlich, da ich hier zwei Leidenschaften vereint finde:

  1. als Cineast mag ich außergewöhnliche, unkonventionelle und zum Nachdenken anregende Filme 
  2. als Leseratte verfange ich mich gerne in die tiefsten Abgründe menschlichen Daseins.

Eine Serie vermag beides zu verbinden: visueller Anspruch, gepaart mit guter Musik und wortgewandten Dialogen – und eine gute Story, in die man so richtig eintauchen kann. Wenn die Serie gut ist, dann trägt sie dich, dann nimmt sie dich mit auf eine Reise. Natürlich sind gute Serien eher wie seltene Perlen: nicht so leicht zu finden. Wir sind überschwemmt mit billigem Kitsch, sinnfreier Action und einer Menge puppengleicher Helden… da unterscheiden sich manchmal Serie und Werbepause kaum mehr voneinander. Aber es gibt sie: Serien, die wirklich eine Geschichte erzählen: in der sich die Figuren entwickeln, ein Innenleben haben und vor allem ihren eigenen Kopf. Hier also mal eine Liste meiner Lieblingsserien.

Dexter

Was Dexter am meisten erzeugen kann ist: Spannung. Wie wird es weiter gehen, wie kommt er nun aus diesem Schlamassel raus? Wer ist ihm auf der Spur, wie kann es ihm gelingen, die Schlinge um seinen Hals wieder zu lösen? Aber auch: gibt es gute oder schlechte Menschen? Gibt es Monster in uns? Und sind wir ihnen ausgeliefert? Kann ein Trauma in der Kindheit rechtfertigen, dass man heute Unrechtes tut? Und sei es auch nur mit einer Art Kodex, den man zu befolgen hat. Können denn alle anderen Mörder und Serienkiller schlecht und erbärmlich sein, wenn Dexter selbst seine Gründe hat? Anders als viele Fans, brauche ich gar nicht mal mehr so die Spannung, oder „was sich nun wieder neues ausgedacht wird“. Ich wünsche mir wirklich, dass er einen Weg findet, seine inneren Konflikten zu meistern. Es gibt viele Serien, die viel Blut und Action zeigen, und ein Mensch nach dem anderen wird weggemetzelt, als wäre das ohne Bedeutung. Wer von solchen Medien zu Dexter wechselt, der schimpft nach ein paar Staffeln vielleicht, dass Dexter zu weich würde, „zu menschlich“… aber gerade das ist es, was ihn mir so sympathisch macht. Ein dermaßen sympathischer Antiheld.

 

dexter schoki

Six Feet Under

Es ist wohl für die meisten von uns eine recht seltsame Vorstellung, eines Tages zu sterben. Dass es für andere allerdings auch ein recht lukratives Geschäft sein kann, ist eine makabere Vorstellung. In dieser Serie geht es um eine Familie, deren Familienunternehmen ein Bestattungsinstitut ist. Besser noch: ihr Wohnhaus selbst, dient auch den Trauerfeiern und als Leichenhaus. Über die Jahre hinweg sind diese Familienmitglieder alle etwas eigen geworden. Das gibt dann eine merkwürdige Konstellation aus abenteuerlichen Weltenbummler, verklemmten Arbeitstier, aufmüpfiger Hippietochter und distanzierter nach außen hin unterkühlt wirkender Hausfrau. Sie alle sind im Gespräch mit dem verstorbenen Familienoberhaupt und haben ihre ganze eigene Geschichte zu bewältigen.

Die Charaktere sind mir alle einzeln ans Herz gewachsen & ich habe es einfach geliebt, dass schwierige Themen und Fragestellungen aus dem „echten Leben“ aufgenommen und kontrovers erfrischend anders erörtert werden.

 

Mad Men

Ich habe immer davon geträumt, dass es mal Filme gibt, die das Zusammensein NACH dem Happy End verfilmen. In den meisten Hollywoodstreifen geht es immer nur um die Frage: Kriegt er sie? Können sie alle Missverständnisse und Hürden auf dem Weg zur Traumbeziehung überwinden? Und dann gibt es romantische Musik, das Paar fällt sich in die Arme, und wenn sie nicht gestorben sind, dann küssen sie sich noch heute… Ich denke manchmal, dass das Leben um sovieles interessanter ist – und dass eine Beziehung soviel mehr bietet, aber auch soviel mehr fordert.

Mad Men knüpft genau da an: auf dem ersten Blick mag die Serie schwerfällig daher kommen. Weil sie sich Zeit lässt: Zeit, die Charaktere vorzustellen; Zeit, die Menschen sich entwickeln zu lassen. Im Mittelpunkt steht Don Draper, ein wortkarger doch sehr charismatischer Mann. Es sind die 60er Jahre, wo von der amerikanischen Lady noch ein perfektes Hausfrauendasein erwartet wurde. Die Geschichte spinnt sich um eine Werbeagentur, die alles daran setzt, den Menschen Produkte schmackhaft zu machen: das Verlangen nach mehr, perfekt, besser… ein anderes Leben.

Umso bewegender ist es, zu spüren, dass kaum einer der Protagonisten glücklich ist mit seiner Lage. Bezeichnend ist auch das Intro: Ein Mann steht in seinem Büro und bemerkt, wie alles in sich zusammenstürzt. Seine hart erarbeitete Welt bricht zusammen, er fällt die mit Werbeplakaten umkleideten Hochhäuser herunter – taumelt, bis er sich bei einer Zigarette wieder fängt.

Matt Zoller Seitz  fasst die Thematik passend so zusammen:

Mad Men is the story of a lot of complex, often infuriating characters whose individual stories are all reflected and refracted through the show’s hero. The hero is a man who keeps running away from himself instead of looking inward to try to figure out why he runs. The hero is a man who was abandoned over and over throughout his life. He felt unloved even when he was loved dearly (just like the refrigerator monologist), and spent much of his adult life seeking perverted facsimiles of love, then abusing and betraying the people who gave him real love, because he was so damaged that he couldn’t recognize love as love.

 

 

The Mentalist

Ein arrogant wirkender Scharlatan wird eines Tages Opfer eines schlimmen Verbrechens. Seither hilft er der Polizei mit seiner Fähigkeit, Menschen und Situationen zu durchschauen, Fälle aufzuklären. Getrieben von dem Wunsch nach Rache: Den Täter seines eigenen Traumas dingfest zu machen. Doch der liebt das Spiel des Jäger und Gejagten und lässt sich nicht so leicht finden.

Klingt wie eine simple Idee, die schon zigfach kopiert wurde. Ist es im Grunde auch. Doch die Serie besticht durch die Dialoge, die Intelligenz und der berührenden Charakterzeichnung der beiden Hauptpersonen Jane und Lisbon.

 

Girls

Der Titel, der alles suggeriert nur nicht das, worum es wirklich geht. Vier verrückte junge Frauen, die alle versuchen ihr Leben zu meistern. Und dabei trotz aller offensichtlichen äußeren Unterschiede dermaßen viel gemeinsam haben: sich selbst am wichtigsten zu nehmen, Erfüllung durch den Partner finden zu wollen, exzentrisch zu sein.

Masters of Sex

Die Erforschung von Sexualität – sowohl am eigenen Körper, in den eigenen Beziehungen, als auch am „Erforschungsobjekt“ (den freiwilligen Versuchskaninchen) – ist die eine spannende Problematik dieser Serie. Die andere ist das Zwischenmenschliche, und das Wachsen oder Entwachsen in Beziehungen.

Louis

Jemand, der über sich selbst gut lachen kann und als liebevoller Vater, verzweifelter Liebhaber und Midlife-Crisis-mid-Vierziger eine gehörige Portion Humor und Zynismus mitbringt.

 

Breaking Bad

Spannend von Anfang bis Ende. Ungewöhnlich gerade am Anfang. Schön skurril zuweilen. Und wunderbar aufs Menschliche konzentriert.

 

Top Serie Nr. 9

Dann gibt es noch eine kleine Zahl von Serien, die ich sehr gerne geschaut habe… die tummeln sich quasi alle auf Platz 9 und 10. Vielleicht aber warte ich nur darauf, noch so einen Schatz zu entdecken, der mich lachen und weinen lässt und vor allem: mitfühlen.

Wer also einfach nur „richtig gut“ unterhalten werden will, dem empfehle ich:

  • Shameless – die Ghettokids einer Großfamilie versuchen ohne Eltern über die Runde zu kommen, mit viel Humor, Originalität und Lovestory
  • Scrubs – ein angehender Arzt lernt erwachsen zu werden
  • True Blood (wobei ich nur die erste Staffel tauglich finde) – Sagengestalten zum Leben erweckt: und sie wollen auch noch Mitsprache-Rechte in der Politik der Menschheit ;)
  • Downton Abbey – der Adelsstand mit seinem großen Gefolge an Dienstmädchen und Kammerdienern; und wie sich nach der letzten Jahrhundertwende alles für sie langsam aber sicher änderte
  • Avatar, der letzte Luftbändiger – ein 12jähriger Junge soll Frieden in die Welt bringen, und muss dabei lernen, alle Elemente zu beherrschen. Ein Cartoon der weise und spirituell lehrt, dass es nicht einfach nur Gut und Böse gibt.

ser




Read full story · Comments { 11 } · März 3, 2013 ·
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This World is Awesome – eigene Version! – Videosammlung Boom de Yada

Im Netz schwirren Videos+Nachahmungen vom „Earthsong“ des Discovery Channels herum, ein paar sind ganz gut gelungen und so habe ich sie einfach mal gesammelt.


Version vom WWF:

ich bin mir nicht sicher, aber die Originalversion des Liedes scheint wohl „I love the mountains“ zu sein?

Version 2

Der Discovery Channel rief damals im Jahre 2008 dazu auf, eine eigene Version hochzuladen, habe bisher aber davon noch wenige (gute) finden können, ihr?



Irgendwie bekomm ich Lust ne eigene Version zu drehen ;) Wer macht mit???!

Und was liebt ihr? Habt ihr Lust mit mir ein Video zu drehen? Also jeder filmt sich irgendwo da, wo er gerne ist oder beim dem, was er gerne tut… und im Nachhinein schneiden wir das zu einem Film zusammen? Bitte meldet euch bei mir :D

(aber es soll bitte nich so werden, wie die kanadische Version! und auch das Lied vom EU-Trip ist nicht so mein Fall…)




Read full story · Comments { 0 } · April 21, 2012 ·
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Das Universum in uns.

Ist dir aufgefallen, dass all die Sterne da oben ein Teil von dir sind?
Du bist in ihnen – in diesem fantastischen, nicht greifbaren, wunderbaren Universum. Du gehörst dazu!

Und besser noch: Das Universum ist auch in dir, denn wir sind aus Sternenstaub gemacht.




Read full story · Comments { 0 } · März 26, 2012 ·
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Und sie reichen übern Graben sich die Hand!

Was da gerade zwischen den Menschen im Iran und in Israel geschieht, finde ich herzerwärmend schön. Während die „da oben“ über Atomwaffen und drohende Angriffskriege spekulieren – wie üblich den Kollateralschaden Mensch ungerührt in Kauf nehmend… hat sich ein Israeli namens Ronny Edry mit seiner 5jährigen Tochter abgelichtet und mit der Message versehen: „Iraner – wir werden euer Land niemals bombardieren. Wir lieben euch.“

Was nun passierte, ist einfach wunderbar und zur Nachahmung empfohlen: Tausende Facebooknutzer schlossen sich der Aktion an – und sowohl Iraner als auch Israelis zeigen ihr Gesicht zur deutlichen Botschaft: „Wir wollen keinen Krieg, wir kennen euch nicht, lasst uns lieber in Dialog treten, lasst uns Freunde werden.“

Das erinnert mich unweigerlich an die Liedzeilen von Bettina Wegner:

Ein Soldat ist auch ein Vater,

jemands Sohn und

jemands Mann…

… liebt die Mutter, liebt die Frau und liebt sein Kind.

Es ist Wahnsinn, dass ein Liebender auch Menschen töten kann,

die genauso wie er selber liebend sind.

Wenn Soldaten sich verbrüdern,

durch ein tausendfaches NEIN!

Und sie reichen über’n Graben sich die Hand:

Kann das Leben auf der Erde endlich

menschenfreundlich sein…

… und es braucht nicht mehr die Mahnung an der Wand.

 

Ist es nicht so, auch wenn es naiv klingen mag: Die Mächtigen führen zwar die Kriege, aber sie sind machtlos, wenn es keinen gibt, der in den Krieg ziehen will. Dass nun die Menschen sich zusammenschließen und einander näher rücken, macht Hoffnung dass ein oder anderer mehr begreift, wie sinnleer Kriegstreiberei ist.

 

 

 

 




Read full story · Comments { 0 } · März 26, 2012 ·
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Auf kleinstem Raum leben

Da ich selbst in einem Zugwaggon lebe, kann ich mir vorstellen, wie es sich anfühlen muss in einem „Tiny House“ zu leben. Die Bewegung der kleinen Häuser hat zum Ziel Menschen zu ermöglichen, mit ihren eigenen Händen ein winziges Haus zu bauen, in dem alles enthalten ist, was wirklich notwendig ist – und alle anderen Dinge als überflüssig angesehen werden, von denen man sich leichten Herzens trennen kann.

Da ist also ein Raum, unterteilt in Küchenzeile, Sitzecke. Mit einer Nassraum-Kabine. Und eine Leiter führt ins Schlafgemach, sprich zum Hochbett. Fertig.

 

 

Foto: Wikipedia (Tammy Strobel)  (links, rechts)

 

Foto: Tammy Strobel (links, rechts)

 

In ihrem Ansinnen kommt mir die Idee des Tiny Houses sehr nahe: sich von unnötigem Ballast befreien und schauen, was man wirklich zum Leben braucht und was einen nicht doch eher belastet. Wieso alles aufheben und sammeln und von Umzug zu Umzug mit sich mitschleppen? Ich glaube, wenn ich weniger Kram habe, habe ich die Chance mich mehr auf das Wesentliche zu konzentrieren.

 

 

Webadressen für weitere Infos und Beispiele:

 

 




Read full story · Comments { 0 } · März 17, 2012 ·
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Die Facebook-Welle: Kony’s tausende Kindersoldaten – Infos und Kritikpunkte

Da bleibt einem die Luft weg: In Uganda treibt ein Mann seit Jahrzehnten sein Unwesen: er heißt Kony und wird gerade über WorldWideWeb berühmt. Die von Kony angeführte „Lord’s Resistance Army“ hat geschätzte 66000 Kinder entführt und zu Soldaten gemacht und ist für die Vertreibung von 2 Millionen Menschen verantwortlich.

Wer von euch hat schon von der KONY 2012 – Kampagne gehört und was haltet ihr davon?

Der Film stammt von der Organisation „Invisible Children“ und ihn gibt es auch auf Youtube.

Ich finde den Film wirklich sehr gut gemacht; spannend und mitreißend inszeniert… und vor allem mit einem hehren Ziel: einen Mann zu fassen, der ganz oben auf der Liste der weltweit gesuchten schlimmsten Verbrecher steht.

Worin ja auch eine gewisse „Gefahr“ besteht zu sympathisieren, ohne genaue Hintergründe zu kennen. Nun, gegen Kindersoldatentum wird wohl fast jeder was haben. Ich frage mich aber auch, warum Kony so eine seltsam große Macht hat. Und ob, wenn nun alle Welt „Kony“ liest (auf Plakaten und kleinen Kettchen am Armband…) … ob sich die Welt a) wirklich für eine Lösung interessiert, und zwar auch morgen noch b) nicht nur einfach Millionen Mitläufer „gefällt mir“ klicken und die Sache wieder vergessen c) ob ihn als Thema bekannt zu machen zu dem Erfolg führen kann, dass er ins Gefängnis kommt d) ob es wirklich sein kann, dass ein einzige Mensch die „ganze Macht“ hat und mit dem Ausfall dieser Person das ganze Problem beseitigt ist…

Im Film wird eine Liste erwähnt, auf der Kony ganz oben gelistet ist. Die Rede ist vom internationalen Strafgerichtshof (kurz: ICC), der sich international mit Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und Kriegsverbrechen beschäftigt. Die erwähnte Most-Wanted-Liste im Film nennt sich in ganzer Länge: „List of people indicted in the International Criminal Court.“ 2005 wurde der Haftbefehl gegen Joseph Kony ausgerufen. Darin enthalten sind 33 Anklagepunkte, allesamt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit (vorsätzliche Tötung, Versklavung, Zwangsprostitution, Vergewaltigung, unmenschliche Handlungen: schwere Verletzungen der körperlichen und geistigen Gesundheit) und wegen Kriegsverbrechen (grausame Behandlung von Zivilpersonen, Plünderung, Anstiftung zur Vergewaltigung, und die Zwangsrekrutierung von Kindern).

Ist die Kampagne unterstützenswert?

 Wichtig ist, dass die Dinge mal so angesprochen und aufbereitet werden, dass eine große Menge von Menschen von diesem Thema Wind bekommt. Es gibt unzählige Organisationen und Kampagnen die auf die Missstände versucht haben eindringlich hinzuweisen… aber bis vor ein paar Tagen kannte „so gut wie niemand“ den Namen Kony… und keiner wollte was vom Problem der Kindersoldaten wissen. Jetzt geht ein Aufschrei um die Welt, und das ist ein wichtiger und richtiger Schritt. Ein Anfang!!

Der Film macht leider leichte Tendenzen der Initiatoren zur Selbstdarstellung sichtbar. So bleiben andere Organisationen, die ebenfalls große Hilfe vor Ort geleistet haben unerwähnt, dass der Eindruck entsteht, niemand sonst hätte sich je um das Problem gekümmert.

Es beschleicht einen das Gefühl, einer gut ausgefeilten Werbekampagne zu erliegen, wenn im Film das „KONY KIT“ angepriesen wird, welches man auf der Website für 15 Dollar kaufen kann (oder hier downloaden). Ziel ist es, am 20. April die „Offline-Welt“ zu plakatieren. Gerade mal 30 % der Spenden fließen in Hilfeprojekte vor Ort, der Rest des Geldes wird für Filme und Werbemittel aufgewendet. Moritz (laute-irrt.de) fasst die Ausgaben so zusammen: >>Über eine Million US-Dollar der beinahe 9 Millionen US-Dollar Gesamtausgaben aus dem Jahr 2011 hat die Organisation für Reise- und Transportkosten ausgegeben. Weiterhin gingen 357.610 US-Dollar an die Filmproduktion und 951.552 US-Dollar sind als “Produktionskosten” angegeben.<< Vielleicht muss das so sein, vielleicht kann man nicht anders die Aufmerksamkeit der Massen erzielen. Dennoch: was könnte man alles mit den bisher gesammelten Spenden finanzieren!!

Es ist nicht in Abrede zu stellen, wie engagiert hier vorgegangen wird, und wie viele junge Menschen mitziehen. Hier entsteht ein weiterer Grundstein des neuen „WIR“-Gefühls… des globalen Zusammenhalts, was ich einfach nur befürworten kann. Sehr schön auf die Versinnbildlichung durch die umgedrehte Pyramide: die Umkehr der Macht; die Möglichkeit eines jeden einzelnen die Welt aktiv mitzugestalten und zu verändern: Durch das Internet finden Menschen zusammen, können wir Geschichten, Erfahrungen und Informationen verbreiten: schneller und effizienter denn je. Das ist unsere Macht. Und es ist auch ein wahnsinnig großes Potential, dass wir uns nebst Facebook-Gefällt-Mir-Klick auch noch selbst umfassend an anderer Stelle informieren können!

Ich trage mich in Sorge, dass auch Formen von „kollektiver Meinungsbildung“ nur vorübergehender Natur sind, und dass das, was heute brisant ist und diskutiert wird, morgen schon wieder vergessen oder durch eine andere Katastrophe oder Schreckensmeldung verdrängt wird. Wir erleben eine Flut von Botschaften und Aufrufe zum Unterzeichnen von Petitionen – und in diesen Wellen drohen wir unterzugehen und haben unsere Füße keinen Grund mehr.

Sollte es gelingen, dass die weltweite Aufmerksamkeit dazu führt, dass die Machthaber sich dem öffentlichen Druck beugen, wäre ein großer Schritt getan. Bisher gibt es wohl kaum einen Krieg, der nicht aus wirtschaftlichen Interessen geführt wurde – und auch keine Einmischung in menschenrechtsverletzende Angelegenheiten, wenn nicht für die Eingreifer selbst etwas dabei herausspringen konnte. Was kann hier für die USA von Vorteil sein? Besteht hier nicht die Gefahr, einer modernen Propaganda zu erliegen – ein von den Massen abgesegneter Feldzug? Die Süddeutsche formuliert passend: >>Kony 2012 mag das Gute wollen, aber die Kampagne gibt doch eine ungute Vorahnung davon, wie leicht und schnell sich mit ihren Mitteln Massenunterstützung auch für noch größere militärische Interventionen organisieren ließe.<<

Mir geht nicht aus dem Kopf, dass in dem Film zu Krieg aufgerufen wird. Kann das die einzige Lösung sein? Und: Führt dann nicht das ugandische und us-amerikanische Militär Feldzug gegen Kindersoldaten???

Was nun völlig fehlt sind eigentlich die Hintergrundinformationen: Wer ist dieser Kony und warum hat er soviel Macht? Wer sind seine Mitstreiter, denn alleine wird so ein riesiges Heer wohl nicht zu bewegen sein. Man bedenke: Kony und 5 weitere Anführer stiften an: und hunderte andere ziehen mit, befolgen Befehle und vergewaltigen, foltern, töten. Anders gesagt: ohne die anderen wäre doch ein Kony auch machtlos! Laut Wikipedia ist das ausgesprochene Ziel der „Widerstandsarmee des Herrn“ (LRA), dass das Land nach den 10 Geboten lebt und von einem gotterwählten Herrscher gelenkt wird… Wahnsinn, oder? Es fehlen Informationen und Aufklärung zu den Gegnern. Ich möchte gerne den ganzen Prozess verstehen, er kann und wird niemals so einfach schwarz-weiß sein!

Afrika wird wieder als das Problemkind hingestellt. Der gute Weiße muss kommen, um alles ins Lot zu bringen…

Sehr spannend ist auch das kurze Statement einer in den USA lebenden Uganderin, die sehr deutlich hinterfragt, warum das Militär gerade jetzt in Uganda aktiv sein will, obwohl Kony’s „Zenit“ schon überschritten ist und er selbst sich gar nicht mehr in Uganda aufhält…

 

Hintergrundinformationen

Joseph Kony (*1961) ist der Rebellenführer der sogenannten Widerstandsarmee des Herrn (LRA, Lord’s Resistance Army), die es schon seit 1987 gibt und aus der Holy Spirit Movement hervorging. Kony gehört dem Stamm der Acholi an, welcher befürchtet von den Museveni vernichtet zu werden und deswegen eine Guerilla aufbaute. In einem Artikel auf Sudan Tribune finde ich die Information, dass er 27 Ehefrauen hat und mit diesen 42 Kinder. Es gab immer wieder Zeitungsberichte von ihm und die Schandtaten der LRA. So schreibt die Süddeutsche: „(Die LRA) verbrannte die Menschen bei lebendigem Leibe, zerhackte ihnen mit Äxten die Köpfe oder schlug ihnen mit Macheten Arme, Beine, Ohren, Nasen oder Lippen ab. Mehr als 100.000 Menschen kamen so schon zu Tode, mehr als eine Million wurden vertrieben, und auch wenn Kony mit einem internationalen Haftbefehl aus Den Haag gesucht wird, niemand konnte ihn bisher fassen. Die ugandische Armee besaß bis Anfang 2000 nicht einmal ein Foto des Kriegsverbrechers.“ Im selbigen Artikel finde ich das erste mal auch einen Hinweis auf die Begründung seiner Macht. Denn ein Wahnsinniger allein macht keine Armee, die folternd durch die Lande zieht. Der Nordsudan hatte die LRA lange Zeit unterstützt, mit Geld und Waffen versorgt – weil sie gegen den Südsudan ins Feld zog.

Was ich übrigens besonders erschreckend finde – und was zur Zeit absolut unerwähnt bleibt, ist, dass die derzeitige Regierung Ugandas, unter Führung von Museveni in der National Resistance Army ebenfalls Kindersoldaten rekrutiert hat! Und dass das im Gegenzug ohne Folgen bleibt.

Es gibt einen Dokumentarfilm über die Kindersoldaten Ugandas, er heißt: „Lost Children“ und wurde 2003/04 gedreht:

Schon 2006 – das ist jetzt 6 Jahre her! – gaben Nachrichtendienste bekannt, dass er weil er verfolgt wird, mit 15 anderen Rebellen in die Republik Kongo geflohen ist und dort schwer aufzufinden ist.

 

Eine Frage die bleibt, …

… ist: „Was können wir tun?“ Es ist hilfreich und lohnenswert, erst einmal zu versuchen zu verstehen, wie dieser Konflikt (vor über 20 Jahren!) begann. Welche Entwicklungen seitdem genommen wurden, wie die Gesamtsituation zu erklären ist. Dabei wird man nicht nur feststellen, dass alles wahnsinnig konfus und vielschichtig ist, sondern auch, dass alle andern Beteiligten ebenfalls Blut an den Händen haben. Dass Kony nicht der „einzige Böse“ ist, der irregeleitet seinen Wahnsinn treibt – sondern dass das Rekrutieren von Kindersoldaten durch Rebellengruppen als auch von Seiten der Regierungen (!) in viel zu vielen Ländern Gang und Gäbe ist.

 

weiterführende Linkhinweise

 

 




Read full story · Comments { 4 } · März 9, 2012 ·
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Grade klare Menschen, wärn ein schönes Ziel

Unsere Kinder sind noch so klein, so verwundbar, so offen für alles – sie sprechen alles aus, schauen alles an und haben Fragen Fragen Fragen.

Auch wenn Bettina Wegner eine Unzahl anderer Lieder geschrieben hat, und nicht nur mit ihrem bekanntesten assoziiert werden mag, so möchte ich euch doch gerade dieses heute zeigen, weil es so schön ist und soviel Wahrheit enthält. Ich bin auch ganz fasziniert von dem Antlitz Bettinas selbst, mit ihren Zöpfen und den großen klaren Augen.




Read full story · Comments { 0 } · März 7, 2012 ·
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Es kann so nicht mehr weitergehen!

Noch klingen in mir die Worte nach, der Aufschrei dieser jungen Frau, die in dem Video einfach mal ihre ganze Wut und Verzweiflung ausdrückt. Sie hat es satt, dass es soviele Arme gibt in Mexiko, dass die Gelder nicht in Schulen und Wissenschaft investiert werden, sondern in Polizei und Militär. Sie hat die ganze Korruption und Bürokratie satt und steht mit ihren Worten sicherlich für tausende, abertausende Menschen, die einfach nicht mehr weiter wollen. Nicht so, nicht länger.

Das ist für mich doch ein sehr bewegendes Video, was mir mehr unter die Haut geht als manche medial perfekt aufgemachte Kampagne, die polarisiert und verteufelt.  Sicher, auch diese Frau schlägt keine Lösungen vor, sie will als erstes endlich einmal gehört werden: in ihrem Frust, ihrem Kummer, ihrer Ohnmacht.

Wir leben nicht in Mexiko. Aber es gibt eine Menge Sachen, bei denen ich auch gerne aufstehen möchte und mal so richtig meine Wut loswerden und ausdrücken kann! Was ist das für ein System, wo wir bei sovielem, was uns direkt angeht, nicht in die Entscheidungen mit einbezogen werden? Ja, sogar kaum die Macht haben, uns gegen „Politik von oben“ zu wehren? Zum Beispiel möchte ich Einfluss nehmen darauf, wie die Steuern, das Geld, dass ich erwirtschaftet habe für den Staat, ausgegeben werden. Ich möchte einfach nicht, dass damit Kriege finanziert werden oder Ausbeutung. Ich bin auch wütend und sehr resigniert über die Marionettenspielchen in der Politik. Ganz ehrlich: Welchem Politiker kann man überhaupt vertrauen? Wer hält sich an das, was er verspricht?

„Mit dem Gesicht zum Volke, nicht mit den Füßen in ner Wolke?“ (Gerhard Schöne)

Ich bin so wütend darüber, dass sich die wesentlichen Dinge nicht zu ändern scheinen, darüber dass alles bleibt wie es war, oder viel schlimmer noch: dass sie schlechter werden. Ich habe es satt, dass wir Tiere einpferchen, sie nie das Sonnenlicht sehen lassen und massenweise Fleisch wegschmeißen. Ich habe es satt, dass wir afrikanische Länder wie ein Problemkind behandeln, wo wir doch selbst Mitverursacher der Probleme sind. Ich habe es satt, dass wir billige Kleidung tragen müssen, wofür andere sich zu Tode schuften… und jedes Vierteljahr eine neue Mode und der Kleiderschrank platzt aus allen Nähten; aber Konsum macht ja so glücklich und „Haste was, biste was“. Ich habe es satt, dass Bomben gebaut werden und immer weiter an Techniken gefeilt wird, den Krieg noch grausamer führen zu können. Ich habe es satt, dass es immer nur um Geld geht und Macht und Profit und Wachstum. Ich denke wir können auch anders! Wir müssen nicht so leben, wer hat uns das überhaupt so beigebacht!? Wer glaubt noch daran? Und muss am Ende dran glauben?

Die Frage ist doch: In was für einer Welt wollen wir leben? Und wie können wir dahin gelangen? Wie können wir das Leben auf der Erde, miteinander, untereinander so leben, dass es schön und bereichernd ist? Ist es nicht langsam wirklich an der Zeit?

 

"I am REALLY PISSED!"

Foto: Rita Kravchuk




Read full story · Comments { 0 } · Februar 19, 2012 ·
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Vom Werden und Vergehen der Welt

Ganz große Kunst: ich habe selten soviel Kreativität auf einmal wie in diesem Video gesehen. Mit unglaublich viel Geduld und Mühe fürs Detail wird hier mit Stopptrick und Malfarbe eine Welt gezaubert, die Häuserwände zweckentfremdet. Wow, echt wow!




Read full story · Comments { 0 } · Januar 24, 2012 ·
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Kurzfilm: Vom Schäferjungen und dem Adler

Sie fehlen in unserer Gesellschaft: Die Alten, die den Jungen etwas beibringen, an ihrer Weisheit teilhaben lassen. In anderen Ländern und zu anderen Zeiten sind es die Großeltern, bei denen du Rat suchst; wird dem Großmütterchen viel Respekt entgegengebracht und vor dem Großvater verliert keiner seine Achtung. In Deutschland werden unsere Alten weggesperrt, wie etwas, das man nicht sehen will, das einem nichts weiter bringt als Ärger. Und die Alten, so bedauerlich das ist, finden sich meistens auch mit dieser Rolle ab: scheinen gar keine Weisheit mehr in sich zu finden, die sie weitergeben wollen.

Ich glaube, wir verlieren dadurch den Zugang zu unseren Wurzeln. Älteren Menschen fällt die Aufgabe des „Weitergebens“ zu: wie soll die nachfolgende Generation nun von der Familiengeschichte wissen? Oder was im Leben wirklich zählt?

Voneinander lernen, füreinander dasein, miteinander leben!

Foto: Evan Long

Alte Menschen sollten auf die Barrikaden gehen! Na klar, manch einer ist gebrechlich und kann nicht so wie früher: aber doch nicht jeder alte Mensch ist senil im Kopf, als dass er nicht mehr denken, nicht mehr reden, nichts mehr bewirken könnte. Nun habt ihr Älteren soviel Erfahrungen im Leben gesammelt (100 Jahre gelebt!) und was macht ihr damit? Diese einander euch vorkauen? In alten Zeiten schwelgen? Die Welt braucht euch genauso, wie sie die jungen Menschen braucht.

 

 

 

 




Read full story · Comments { 1 } · Januar 22, 2012 ·
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Immer auf der Höhe der Zeit

Gerade heute habe ich darüber nachgedacht, ob ein iPhone mir lieber wäre als mein Handy. Ich verbringe schon so sehr viel Zeit im Internet, ich glaube, der Besitz eines iPhones würde mir nicht helfen, mein Leben zu vereinfachen. Na klar, inmitten vom Nirgendwo könnte ich herausfinden, wo ich mich geographisch gerade befinde. Und wenn man in einer Diskussion über eine bestimmte Hintergrundinformation unklar ist, ließe sich das schnell mit Wikipedia klären. Nur früher hat man vielleicht miteinander geredet, heute wirst du auf Google verwiesen. Da schläft die Kommunikation ja ein.

Abgesehen davon, kann man dann also überall auf der Welt auf seine Emails zugreifen. Das ist für mich eine Steigerung von dem Gedanken, „immer und überall verfügbar“ zu sein. Wozu das? Da bist du in einem Gespräch mit jemanden und wirst abgewürgt, weil ein Klingelgepiepe ertönt. Warum hat derjenige der anruft, größere Priorität als derjenige, der vor deiner Nase sitzt? Mir unbegreiflich. Ich schalte gerne mal mein Handy aus oder lasse es zu Hause liegen. Früher war das Leben ja auch so möglich :)

Wir haben also bessere Kommunikationsmittel – aber schlechtere Kommunikation. Wichtige Dinge werden nicht besprochen sondern in 160 Zeichen gequetscht. Kann das gutgehen? Wir müssen aufpassen, dass wir nicht uns total in der Isolationsfalle der technischen Errungenschaften verlieren: jeder nur noch für sich selbst, nicht mehr wirklich in Verbindung mit anderen.

Volker Strübing hat das in seinem Cartoon auch ganz gut zusammengefasst:

 

„Ich sag nur […] Überbevölkerung und Furztongenerator, mehr sag ich nicht. Na gut ich sag noch Atomkraft und Windkraft, und Bildzeitung, […] und Haustierpsychologen, Telefonwarteschleifen, und Golfplätze in der Wüste, und Billigflüge, Waljagd und Finanzcrashs, …“

(22.12.2011)

— Nachtrag 20.01.2012

Und da man vor lauter iphonieren die Welt um sich herum gerne mal vergisst, gibt es jetz ein App, das die potentiell gefährlichen Konsequenzen abmildert…

 

 




Read full story · Comments { 1 } · Januar 20, 2012 ·
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Ein Jeder kann die Welt (mit)retten!

Es gibt etwas, was jeder tun kann. Es ist so einfach. Und so effektiv!

 

 




Read full story · Comments { 0 } · Januar 17, 2012 ·
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Menschen wachzurütteln aus ihrer Gleichgültigkeit (Nachtwey)

Schon als ich den Film „War Photographer“ geschaut hatte, ging ich zutiefst erschüttert und auch beeindruckt von Nachtwey aus dem Kino. Als schweigsamer und stiller Mann, der er eigentlich ist, erstaunt er 2007 in einer TED-Konferenz mit seiner langen Rede. Er zeigt nur einen Bruchteil seiner Arbeit, doch das reicht aus, um aufs Gemüt und den Magen zu schlagen. Die Bilder haben es leider in sich.
Da gibt es den Moment, in dem er ein Bild zeigt und ohne Worte das Publikum einfach nur anschaut. Sein Ausdruck verrät, wie stark ihn sein Beruf eigentlich mitnimmt, welche Verzweiflung und Wut er in sich trägt. Ich überlege ernsthaft, ob er nachts noch schlafen kann.

Man kann sich da recht leicht fragen, warum er sich diese Arbeit seit 29 Jahren antut. In seinem Vortrag gibt er selbst Antwort dazu:
1) Gesellschaftsprobleme können erst gelöst werden, wenn sie benannt und identifiziert werden.
2) Kriegsfotografien geben denjenigen eine Stimme, die sonst keine Stimme haben.

Erschreckend ist für mich auch das Argument, Hunger sei eine Massenvernichtungswaffe. Die Folgen von Kriegen sind unermesslich.

 

weitere Infos und Fotos habe ich auf einer Extraseite zusammengetragen: [James Nachtwey – der Kriegsfotograf]

++ James Nachtwey: Wieso Krieg fotografieren? ++

Es hat schon immer Krieg gegeben. Auch genau in diesem Moment ist Krieg auf der Welt. Und es gibt wenig Grund zu hoffen, dass sich das so schnell ändern wird. Je „zivilisierter“ Menschen werden, desto wirksamer, desto grausamer werden ihre Methoden zur Vernichtung von Mitmenschen. Kann Fotografie etwas ausrichten gegen ein menschliches Verhalten, das die Geschichte überdauert? Eine geradezu lächerlich überzogene Vorstellung, sollte man meinen. Und doch ist das genau die Idee, die mich motiviert hat.

Ich sehe die große Chance der Fotografie darin, dass sie ein Gefühl für Humanität zu wecken vermag. Wenn Krieg die Folge eines Zusammenbruchs der Menschlichkeit ist, dann kann Fotografie das Gegenteil von Krieg sein; richtig eingesetzt, kann sie sogar zum Gegengift werden. Wenn einer wie ich mitten in den Krieg zieht, um alle Welt wissen zu lassen, was da wirklich passiert, dann versucht er auf seine Weise, den Frieden auszuhandeln. Vielleicht haben die Kriegführenden deshalb so ungern Fotografen dabei.

Ruanda, 1994

Könnte ein jeder Mensch auch nur einmal mit eigenen Augen sehen, was Phosphor aus dem Gesicht eines Kindes macht oder welch unaussprechlicher Schmerz durch eine einzige Kugel verursacht wird,  wie ein verirrter Granatsplitter dem Nebenmann das Bein abreißt – wenn jeder nur ein einziges Mal dort wäre und selbst den Gram und die Angst spüren könnte – dann würden sie verstehen, dass nichts es rechtfertigt, einem Menschen so etwas anzutun, geschweige denn Tausenden.

Aber nicht jeder kann dort sein, und deshalb gehen Fotografen dahin: um Aufmerksamkeit für das zu erwecken, was tatsächlich los ist, um Bilder zu machen, die wahrhaftig genug sind, die beschönigenden Darstellungen der Massenmedien zu korrigieren und die Menschen wachzurütteln aus ihrer Gleichgültigkeit; um zu protestieren und durch die Kraft dieses Protests auch andere zum Protestieren zu bewegen.

Am Schlimmsten ist das Gefühl, dass ich als Fotograf vom Elend anderer profitieren könnte. Dieser Gedanke verfolgt mich. Ich schlage mich tagtäglich mit ihm herum, weil ich weiß, dass ich, wenn ich jemals persönliches Erfolgsstreben wichtiger nehmen würde als mein aufrichtiges Mitgefühl, dann hätte ich meine Seele verkauft. Für dieses Umdenken allerdings ist mir der Einsatz zu hoch.

(James Nachtwey)




Read full story · Comments { 2 } · Januar 16, 2012 ·
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Wir kannten uns einmal…

Noch etwas melancholisches am Abend, mit einer musikalischen Stilblüte.

Verlassen zu werden ist das eine. Das ist schlimm genug. Aber noch ärger wirds, wenn der andere dann einen nicht mehr kennen zu wollen scheint. Vorgibt, dich aus seinem Leben gestrichen zu haben, die Vergangenheit einfach ausgelöscht? Das schmerzt umso mehr, als dass man vielleicht von sich selbst dachte, den anderen zu kennen – und ihm das nimmer zugetraut hätte. Da landet man bei dem großen Wort: Enttäuschung. Welches ja nur eine grausame Wahrheit enthüllt: ent-täuscht werden kann nur derjenige, der vorher einer Täuschung aufgesessen war.

Zum Video: ein sehr schönes Cover von Walk off the earth, indem alle fünf doch tatsächlich eine einzige Gitarre spielen. Must Watch!

 




Read full story · Comments { 0 } · Januar 10, 2012 ·
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Mit dem Leben im Fluss sein

Ich habe heute zwei meditative Videos für euch, für einen entspannenden Abend.

Sie erinnern mich daran, dass in und um uns immer Veränderung ist, der wir sanft nachspüren können. Alles ist im Fließen, im steten Wechsel von Werden, Sein und Vergehen. Und nicht vergessen: danach kommt wieder das Werden.

Das Leben verhält sich vielleicht so, wie die Jahreszeiten: im Frühling entsteht etwas Neues, ist voller Energie und Lebenslust. Im Sommer fühlst du die volle Pracht, die Wärme, die Geborgenheit; im Herbst kannst du die Früchte davon tragen – aber es ist auch die Zeit der Stürme, des Aufgewühltseins, der Umbrüche. Dann kommt der Winter und du kehrst in dich, um das Erlebte zu Durchdenken, sacken zu lassen, zu verdauen. Eine Zeit der Stille und inneren Einkehr. Du fühlst dich vielleicht leer und weißt nicht, wie es weiter gehen soll. Aber in dir, tief unter der Schneedecke in der Erde… liegt schon der Samen verborgen, der nicht allzubald zum Leben erweckt wird. Trotzig und strotzend: ich bin wieder da! Ein neues Leben, ein neuer Anfang!

Lass los, und du hast zwei Hände frei.

(chinesisches Sprichwort)


 




Read full story · Comments { 0 } · Januar 7, 2012 ·
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