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Leben und Lieben, Spenden - aber wohin? >>

Trostboxen für todunglückliche Eltern

Dass das Leben unberechenbar ist, zeigt sich manchmal im Krankenhaus auf der Station für Neugeborene und Babys. Ich habe gerade die Geschichte von Balduin gelesen, der 2008 im Alter von gerade mal vier Monaten gestorben ist.

Foto: balduins-box.de

Den Schmerz und die Ohnmacht, die Eltern in so einer Lage wohl empfinden, mag ich mir gar nicht versuchen auszumalen. Doch schlimmer noch: Ärzte und Pflegepersonal sind bei solchen Tragödien meist überfordert und wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Daniela Becker, die Mutter von Balduin schreibt:

Während ich Balduin auf dem Arm hatte und er langsam entglitt, stellte sich eine Schwester mir gegenüber und blickte ständig auf den Monitor über mir und wartete darauf, dass der Herzschlag aufhörte. Ich empfand diese „Totenwache“ als sehr störend. Kurz vor Balduins Tod kam der Oberarzt mit einer riesigen, ca. 20 cm langen Spritze, die er meinem 50 cm langen Sohn verabreichte, obwohl ich schreiend daneben saß und darum bat, dies zu unterlassen. Unmittelbar nachdem Balduin gestorben war, wollte man ihn mir abnehmen und ihn von allen Kabeln befreien, dabei wollte ich meinen Sohn einfach noch etwas halten und dann ins Bettchen legen.

Aus dem Wunsch heraus, sie hätte die letzten Stunden im Leben ihres kleinen Sohnes anders mit ihm verbracht, wäre sie anders auf den Abschied vorbereitet gewesen oder besser in ihrer Lage unterstützt worden… entstand zusammen mit der „Kinderfee Hamburgs“ (Tina Tappehorn) die Idee einer Trostschachtel für Eltern mit sterbenskranken Babys.

So setzt sich der Verein „Balduins Box“ dafür ein, dass in Intensivstationen Boxen angebracht werden mit einer Anleitung zur Unterstützung des Abschiedsprozesses für die Pfleger und Schwestern, sowie Schachteln für die Eltern. In jeder Schachtel befindem sich:

ein Heft mit (Lied)Texten, ein Rosenquarz zum Halten, ein Seidentuch zum Abdimmen des Lichtes, ein elektrisches Teelicht, Muscheln und Sterne…

Ich finde diese Idee so liebevoll und schmerzlich schön, dass ich das Projekt unbedingt unterstützen will. Das sind Momente, wo man eigentlich leider gar nichts tun kann, weil den Eltern jede Hoffnung genommen wird. Aber das so eine kleine Box helfen kann, auf dem Weg mit der Trauer umzugehen, davon bin ich überzeugt. Deswegen geht meine monatliche 5-Prozent-vom-Gehalt-Spende dieses Mal an Balduins Box e.V..

Aufmerksam geworden auf Balduins Box bin ich durch eine wunderschöne Aktion von Anne Wangrin (Hometown Glory): An einem Samstag Nachmittag setzten sich Freiwillige zusammen und bemalten insgesamt 50 Trostboxen mit aus dem Herzen kommenden Motiven:

  

 
Fotos: Maret Voss (Social Up!)
 




Read full story · Comments { 0 } · Juli 17, 2012 ·
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Essbare Stadt – LebensMittelPunkt

Seit über 2 Jahren verfolgt Andernach, eine Stadt im Westes des südlichen Mitteldeutschlands, die Idee, statt der üblichen Blumenbepflanzung Essbares und Wildkräuter anzupflanzen. Das ist wirklich ein wunderbares Pilotprojekt und ich staune und freue mich, das so etwas in Deutschland möglich ist.

Jeder Bürger kann sich einfach von den Salaten, Tomaten und Bohnen bedienen. Zudem werden auch seltenere Arten gepflanzt, dass wieder etwas von der natürlichen Artenvielfalt erhalten bleibt.

Daumen hoch! Und ich bitte doch sehr um Nachahmer!

Wie hat Andernach das geschafft?

2010 war in Andernach das Jahr der Tomate. 101 verschiedene Tomatensorten wurden angebaut und die Bürger konnten sich reichlich bedienen.
Bild: Eliza

Im britischen Todmorden (was ein Name…) ist etwas ähnliches aus einem kleinen Guerilla-Gardening-Projekt entstanden. Die Initiatoren wollten einfach, dass die Stadt sich in Zukunft selbst versorgen könne. Frage mich nur, wo all das Geld für die Pflanzen herkommt, und so Pflege der Beete ist doch sicherlich auch aufwändig? In einer verkehrsdröhnenden Großstadt würde ich dann wohl eher nichts pflücken, hier müsste es einfach so mehr Grün und Bäume geben, die der Luft das zurückgeben, was wir ihr nehmen…

Aber kleine Städte und allerhand Dörfer könnten doch anstelle der Blumenkästen einfach Kürbisse pflanzen ;)

 




Read full story · Comments { 2 } · Juli 9, 2012 ·
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Und sie reichen übern Graben sich die Hand!

Was da gerade zwischen den Menschen im Iran und in Israel geschieht, finde ich herzerwärmend schön. Während die „da oben“ über Atomwaffen und drohende Angriffskriege spekulieren – wie üblich den Kollateralschaden Mensch ungerührt in Kauf nehmend… hat sich ein Israeli namens Ronny Edry mit seiner 5jährigen Tochter abgelichtet und mit der Message versehen: „Iraner – wir werden euer Land niemals bombardieren. Wir lieben euch.“

Was nun passierte, ist einfach wunderbar und zur Nachahmung empfohlen: Tausende Facebooknutzer schlossen sich der Aktion an – und sowohl Iraner als auch Israelis zeigen ihr Gesicht zur deutlichen Botschaft: „Wir wollen keinen Krieg, wir kennen euch nicht, lasst uns lieber in Dialog treten, lasst uns Freunde werden.“

Das erinnert mich unweigerlich an die Liedzeilen von Bettina Wegner:

Ein Soldat ist auch ein Vater,

jemands Sohn und

jemands Mann…

… liebt die Mutter, liebt die Frau und liebt sein Kind.

Es ist Wahnsinn, dass ein Liebender auch Menschen töten kann,

die genauso wie er selber liebend sind.

Wenn Soldaten sich verbrüdern,

durch ein tausendfaches NEIN!

Und sie reichen über’n Graben sich die Hand:

Kann das Leben auf der Erde endlich

menschenfreundlich sein…

… und es braucht nicht mehr die Mahnung an der Wand.

 

Ist es nicht so, auch wenn es naiv klingen mag: Die Mächtigen führen zwar die Kriege, aber sie sind machtlos, wenn es keinen gibt, der in den Krieg ziehen will. Dass nun die Menschen sich zusammenschließen und einander näher rücken, macht Hoffnung dass ein oder anderer mehr begreift, wie sinnleer Kriegstreiberei ist.

 

 

 

 




Read full story · Comments { 0 } · März 26, 2012 ·
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Die Facebook-Welle: Kony’s tausende Kindersoldaten – Infos und Kritikpunkte

Da bleibt einem die Luft weg: In Uganda treibt ein Mann seit Jahrzehnten sein Unwesen: er heißt Kony und wird gerade über WorldWideWeb berühmt. Die von Kony angeführte „Lord’s Resistance Army“ hat geschätzte 66000 Kinder entführt und zu Soldaten gemacht und ist für die Vertreibung von 2 Millionen Menschen verantwortlich.

Wer von euch hat schon von der KONY 2012 – Kampagne gehört und was haltet ihr davon?

Der Film stammt von der Organisation „Invisible Children“ und ihn gibt es auch auf Youtube.

Ich finde den Film wirklich sehr gut gemacht; spannend und mitreißend inszeniert… und vor allem mit einem hehren Ziel: einen Mann zu fassen, der ganz oben auf der Liste der weltweit gesuchten schlimmsten Verbrecher steht.

Worin ja auch eine gewisse „Gefahr“ besteht zu sympathisieren, ohne genaue Hintergründe zu kennen. Nun, gegen Kindersoldatentum wird wohl fast jeder was haben. Ich frage mich aber auch, warum Kony so eine seltsam große Macht hat. Und ob, wenn nun alle Welt „Kony“ liest (auf Plakaten und kleinen Kettchen am Armband…) … ob sich die Welt a) wirklich für eine Lösung interessiert, und zwar auch morgen noch b) nicht nur einfach Millionen Mitläufer „gefällt mir“ klicken und die Sache wieder vergessen c) ob ihn als Thema bekannt zu machen zu dem Erfolg führen kann, dass er ins Gefängnis kommt d) ob es wirklich sein kann, dass ein einzige Mensch die „ganze Macht“ hat und mit dem Ausfall dieser Person das ganze Problem beseitigt ist…

Im Film wird eine Liste erwähnt, auf der Kony ganz oben gelistet ist. Die Rede ist vom internationalen Strafgerichtshof (kurz: ICC), der sich international mit Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, und Kriegsverbrechen beschäftigt. Die erwähnte Most-Wanted-Liste im Film nennt sich in ganzer Länge: „List of people indicted in the International Criminal Court.“ 2005 wurde der Haftbefehl gegen Joseph Kony ausgerufen. Darin enthalten sind 33 Anklagepunkte, allesamt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit (vorsätzliche Tötung, Versklavung, Zwangsprostitution, Vergewaltigung, unmenschliche Handlungen: schwere Verletzungen der körperlichen und geistigen Gesundheit) und wegen Kriegsverbrechen (grausame Behandlung von Zivilpersonen, Plünderung, Anstiftung zur Vergewaltigung, und die Zwangsrekrutierung von Kindern).

Ist die Kampagne unterstützenswert?

 Wichtig ist, dass die Dinge mal so angesprochen und aufbereitet werden, dass eine große Menge von Menschen von diesem Thema Wind bekommt. Es gibt unzählige Organisationen und Kampagnen die auf die Missstände versucht haben eindringlich hinzuweisen… aber bis vor ein paar Tagen kannte „so gut wie niemand“ den Namen Kony… und keiner wollte was vom Problem der Kindersoldaten wissen. Jetzt geht ein Aufschrei um die Welt, und das ist ein wichtiger und richtiger Schritt. Ein Anfang!!

Der Film macht leider leichte Tendenzen der Initiatoren zur Selbstdarstellung sichtbar. So bleiben andere Organisationen, die ebenfalls große Hilfe vor Ort geleistet haben unerwähnt, dass der Eindruck entsteht, niemand sonst hätte sich je um das Problem gekümmert.

Es beschleicht einen das Gefühl, einer gut ausgefeilten Werbekampagne zu erliegen, wenn im Film das „KONY KIT“ angepriesen wird, welches man auf der Website für 15 Dollar kaufen kann (oder hier downloaden). Ziel ist es, am 20. April die „Offline-Welt“ zu plakatieren. Gerade mal 30 % der Spenden fließen in Hilfeprojekte vor Ort, der Rest des Geldes wird für Filme und Werbemittel aufgewendet. Moritz (laute-irrt.de) fasst die Ausgaben so zusammen: >>Über eine Million US-Dollar der beinahe 9 Millionen US-Dollar Gesamtausgaben aus dem Jahr 2011 hat die Organisation für Reise- und Transportkosten ausgegeben. Weiterhin gingen 357.610 US-Dollar an die Filmproduktion und 951.552 US-Dollar sind als “Produktionskosten” angegeben.<< Vielleicht muss das so sein, vielleicht kann man nicht anders die Aufmerksamkeit der Massen erzielen. Dennoch: was könnte man alles mit den bisher gesammelten Spenden finanzieren!!

Es ist nicht in Abrede zu stellen, wie engagiert hier vorgegangen wird, und wie viele junge Menschen mitziehen. Hier entsteht ein weiterer Grundstein des neuen „WIR“-Gefühls… des globalen Zusammenhalts, was ich einfach nur befürworten kann. Sehr schön auf die Versinnbildlichung durch die umgedrehte Pyramide: die Umkehr der Macht; die Möglichkeit eines jeden einzelnen die Welt aktiv mitzugestalten und zu verändern: Durch das Internet finden Menschen zusammen, können wir Geschichten, Erfahrungen und Informationen verbreiten: schneller und effizienter denn je. Das ist unsere Macht. Und es ist auch ein wahnsinnig großes Potential, dass wir uns nebst Facebook-Gefällt-Mir-Klick auch noch selbst umfassend an anderer Stelle informieren können!

Ich trage mich in Sorge, dass auch Formen von „kollektiver Meinungsbildung“ nur vorübergehender Natur sind, und dass das, was heute brisant ist und diskutiert wird, morgen schon wieder vergessen oder durch eine andere Katastrophe oder Schreckensmeldung verdrängt wird. Wir erleben eine Flut von Botschaften und Aufrufe zum Unterzeichnen von Petitionen – und in diesen Wellen drohen wir unterzugehen und haben unsere Füße keinen Grund mehr.

Sollte es gelingen, dass die weltweite Aufmerksamkeit dazu führt, dass die Machthaber sich dem öffentlichen Druck beugen, wäre ein großer Schritt getan. Bisher gibt es wohl kaum einen Krieg, der nicht aus wirtschaftlichen Interessen geführt wurde – und auch keine Einmischung in menschenrechtsverletzende Angelegenheiten, wenn nicht für die Eingreifer selbst etwas dabei herausspringen konnte. Was kann hier für die USA von Vorteil sein? Besteht hier nicht die Gefahr, einer modernen Propaganda zu erliegen – ein von den Massen abgesegneter Feldzug? Die Süddeutsche formuliert passend: >>Kony 2012 mag das Gute wollen, aber die Kampagne gibt doch eine ungute Vorahnung davon, wie leicht und schnell sich mit ihren Mitteln Massenunterstützung auch für noch größere militärische Interventionen organisieren ließe.<<

Mir geht nicht aus dem Kopf, dass in dem Film zu Krieg aufgerufen wird. Kann das die einzige Lösung sein? Und: Führt dann nicht das ugandische und us-amerikanische Militär Feldzug gegen Kindersoldaten???

Was nun völlig fehlt sind eigentlich die Hintergrundinformationen: Wer ist dieser Kony und warum hat er soviel Macht? Wer sind seine Mitstreiter, denn alleine wird so ein riesiges Heer wohl nicht zu bewegen sein. Man bedenke: Kony und 5 weitere Anführer stiften an: und hunderte andere ziehen mit, befolgen Befehle und vergewaltigen, foltern, töten. Anders gesagt: ohne die anderen wäre doch ein Kony auch machtlos! Laut Wikipedia ist das ausgesprochene Ziel der „Widerstandsarmee des Herrn“ (LRA), dass das Land nach den 10 Geboten lebt und von einem gotterwählten Herrscher gelenkt wird… Wahnsinn, oder? Es fehlen Informationen und Aufklärung zu den Gegnern. Ich möchte gerne den ganzen Prozess verstehen, er kann und wird niemals so einfach schwarz-weiß sein!

Afrika wird wieder als das Problemkind hingestellt. Der gute Weiße muss kommen, um alles ins Lot zu bringen…

Sehr spannend ist auch das kurze Statement einer in den USA lebenden Uganderin, die sehr deutlich hinterfragt, warum das Militär gerade jetzt in Uganda aktiv sein will, obwohl Kony’s „Zenit“ schon überschritten ist und er selbst sich gar nicht mehr in Uganda aufhält…

 

Hintergrundinformationen

Joseph Kony (*1961) ist der Rebellenführer der sogenannten Widerstandsarmee des Herrn (LRA, Lord’s Resistance Army), die es schon seit 1987 gibt und aus der Holy Spirit Movement hervorging. Kony gehört dem Stamm der Acholi an, welcher befürchtet von den Museveni vernichtet zu werden und deswegen eine Guerilla aufbaute. In einem Artikel auf Sudan Tribune finde ich die Information, dass er 27 Ehefrauen hat und mit diesen 42 Kinder. Es gab immer wieder Zeitungsberichte von ihm und die Schandtaten der LRA. So schreibt die Süddeutsche: „(Die LRA) verbrannte die Menschen bei lebendigem Leibe, zerhackte ihnen mit Äxten die Köpfe oder schlug ihnen mit Macheten Arme, Beine, Ohren, Nasen oder Lippen ab. Mehr als 100.000 Menschen kamen so schon zu Tode, mehr als eine Million wurden vertrieben, und auch wenn Kony mit einem internationalen Haftbefehl aus Den Haag gesucht wird, niemand konnte ihn bisher fassen. Die ugandische Armee besaß bis Anfang 2000 nicht einmal ein Foto des Kriegsverbrechers.“ Im selbigen Artikel finde ich das erste mal auch einen Hinweis auf die Begründung seiner Macht. Denn ein Wahnsinniger allein macht keine Armee, die folternd durch die Lande zieht. Der Nordsudan hatte die LRA lange Zeit unterstützt, mit Geld und Waffen versorgt – weil sie gegen den Südsudan ins Feld zog.

Was ich übrigens besonders erschreckend finde – und was zur Zeit absolut unerwähnt bleibt, ist, dass die derzeitige Regierung Ugandas, unter Führung von Museveni in der National Resistance Army ebenfalls Kindersoldaten rekrutiert hat! Und dass das im Gegenzug ohne Folgen bleibt.

Es gibt einen Dokumentarfilm über die Kindersoldaten Ugandas, er heißt: „Lost Children“ und wurde 2003/04 gedreht:

Schon 2006 – das ist jetzt 6 Jahre her! – gaben Nachrichtendienste bekannt, dass er weil er verfolgt wird, mit 15 anderen Rebellen in die Republik Kongo geflohen ist und dort schwer aufzufinden ist.

 

Eine Frage die bleibt, …

… ist: „Was können wir tun?“ Es ist hilfreich und lohnenswert, erst einmal zu versuchen zu verstehen, wie dieser Konflikt (vor über 20 Jahren!) begann. Welche Entwicklungen seitdem genommen wurden, wie die Gesamtsituation zu erklären ist. Dabei wird man nicht nur feststellen, dass alles wahnsinnig konfus und vielschichtig ist, sondern auch, dass alle andern Beteiligten ebenfalls Blut an den Händen haben. Dass Kony nicht der „einzige Böse“ ist, der irregeleitet seinen Wahnsinn treibt – sondern dass das Rekrutieren von Kindersoldaten durch Rebellengruppen als auch von Seiten der Regierungen (!) in viel zu vielen Ländern Gang und Gäbe ist.

 

weiterführende Linkhinweise

 

 




Read full story · Comments { 4 } · März 9, 2012 ·
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Lasst sie doch leben!

Ich bin froh gerade das Bild von Frieda entdeckt zu haben. Frieda ist 13 Jahre alt und eine Kuh. Sie lebt im Kuh-Altersheim von Hof Butenland. Denn Kühe können bis zu 30 Jahre alt werden. Dreißig. So alt bin ich noch nicht einmal. Die können dich quasi länger als ein Hundeleben begleiten! Wer Rindfleisch isst, hat jedoch ein Tier auf dem Teller, dass etwa anderthalb Jahre oder -bei Kalbsfleisch- sogar nur 4 Monate alt geworden ist.
Und nun sehe ich Frieda. Sie steht da und schaut und hat irgendwie… etwas sehr friedvoll-freundliches an sich.

Kühe haben große schöne warme Augen. Wie Pferde. Und sie können auch: verdammt traurig reinschauen. Wie in der Geschichte des gleichnamigen Buches Die Kuh die weinte: Ein Schlachter muss seine Arbeit kündigen, weil die zur Tötung geführte Kuh ihn nur weinend anschaut und er diesen Blick nicht aushält.

So ähnlich ging es auch Jan Gerdes, dem Gründer dieses Kuh-Altersheimes: Als Bauer, der seine Arbeit aufgeben und daher all seine Kühe zur Schlachtung abgeben wollte, fand er sich plötzlich in folgender grotesker Situation wieder: Zwölf Kühe passten nicht mehr in den Abtransporter. „Ich wusste ja was mit den Tieren passiert“, erklärt er in einem Beitrag von DeutschlandRadio: „Stundenlang auf der Autobahn, dann werden sie abgeladen und stehen da, voller Panik bevor sie geschlachtet werden.“ Kurzerhand entschließt er, die 12 Verbliebenen einfach zu behalten.

Doch es bleibt nicht bei den Kühen, inzwischen ist der Hof ein Altersheim für alle Arten von Tieren geworden, die nie zuvor liebevolle menschliche Pflege erfahren haben: Mastschweine, Hühner, Pferde, Tiere aus Versuchslaboren… Hier ermöglichen Jan Gerdes und Karin Mück den Tieren ein würdevolles Leben.

Ich habe einfach nur größten Respekt vor diesem Projekt und freue mich, dass Hof Butenland ins Leben gerufen wurde. Meine monatliche „5% vom Gehalt“-Spende geht dieses mal eindeutig an das Altersheim!

 

 




Read full story · Comments { 0 } · Februar 18, 2012 ·
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So, do you like the System?

Die Ungaren sind wütend – und haben mit Dorottya Karsay jetzt eine Stimme. Ihr MusikVideo greift seit Wochen in Ungarn um sich, aber ich bekomme jetzt erst Wind davon. Einmal geschaut und schon in den Bann genommen. Mensch, wir sind soviele, die etwas ändern wollen – und wir alle wollen, wie sie so schön singt:

I like it when everyone does what they are supposed to do
I like it when everyone takes their own responsibility
I like it when politicians don’t blame others for their own mistakes
I like it when they give us a chance to make a living
I like it when there is hope, there is intention and we act
I like it when no one takes to the streets, ‘cos there’s no need
I like it when I enjoy life with all of you
I like it when we leave all our fears behind

Bitte klickt im Video auf „cc – subtitles“ um die englische Übersetzung mitverfolgen zu können!

———

Nachtrag 07.01.

Durch Gabi, meine ungarische Namensvetterin, habe ich jetzt auch noch das Video entdeckt, welches die Ursachen des Protests kurz und bündig erläutert:




Read full story · Comments { 3 } · Januar 5, 2012 ·
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Machtexplosion durch das Internet

Was hat sich in letzter Zeit am meisten geändert? Ich würde Herrn Kruse zustimmen: Es ist die deutliche Machtverschiebung vom „Anbieter“ zum „Nachfrager“. Durch das Internet hat sich der Welt ein Instrument aufgetan, Wissen zu verbreiten, Neuigkeiten schnell an Gleichgesinnte weiterzuleiten, die explosionsartig weitere erreichen – weil wir vernetzt sind, weil es noch nie so einfach war dieses „GEMEINSAM SIND WIR STARK“ auch auszuleben!

Als Herr Kruse im Juli 2010 diese kurze Rede hielt, standen der arabische Frühling und die Bewegung Occupy (USA, Deutschland, und anderswo) noch bevor. Wer weiß, was noch alles kommen mag?

Ein eindrucksvolles Beispiel, wie zB Twitter genutzt werden kann, zeigt die Live-Map die die Tage des Castortransportes dokumentiert mit den zahlreichen Meldungen die zu der Zeit getwittert wurden:

Aber eben weil das Internet so wichtig ist, um Sachen ändern zu können – um die kritische Masse zu erreichen, die Änderung leichter möglich macht – ist es WICHTIG aller Zensur und Spitzelei im Netz Einhalt zu gebieten.

 

 




Read full story · Comments { 0 } · Dezember 26, 2011 ·
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Frieden? Von wegen!

Ich würde Klaus, den Geiger unheimlich gerne mal persönlich kennenlernen. Da setzt sich ein Mann, ungeachtet aller Konventionen und Vorurteile mitten in die Fußgängerzone von Köln auf das Pflaster und spielt Geige. Nicht etwa eine freundlich-sanfte Bourée, sondern vielmehr schrille Töne, die widerspiegeln, was fühlt: Wut.

Klaus singt aus Protest. Friedenspanzer, Friedensverhandlungen, die friedliche Nutzung … was für Wörter doch mit Frieden beginnen! Er hinterfragt die Scheinheiligkeit hinter so manchen heren Zielen: wie zum Beispiel für den Frieden zu beten – oder doch für die Moneten?

 

 




Read full story · Comments { 0 } · Dezember 20, 2011 ·
24.05.2015 mondamo.de | Kontakt