Bürgerbeteiligung in der kommunalen Landwirtschaft um Greifswald – das war das Motto der Veranstaltung gewesen, in der ich am 08. Mai 2018 im alten Elektrizitätswerk Greifswald mit vielen Interessierten saß. Es wurden Leuchtturmprojekte ökologischer Landwirtschaft vorgestellt und die Umfrageergebnisse zur Landschaftswahrnehmung der Greifswalder. Greifswalder wünschen sich einen besseren Zugang zur Umgebung zwecks Naherholung und eine Alternative zur Agrarwüste. Bürgermeister Fassbinder sprach über die Verantwortung der Stadt durch Landeigentum. Alle Beiträge hatten einen gemütlichen Touch von Besänftigungsstrategie à la: Ja, vieles ist möglich, aber wir wollen doch nichts überstürzen, denn Veränderungen in der Landwirtschaft brauchen ihre Zeit.

Herr Schmidt von der FINC Foundation waren diese leere Verzögerungstaktik-Worthülsen nicht genug, so dass er eine flammende Rede hielt auf Partizipationsmöglichkeiten und konkrete umsetzbare Veränderungsschritte für die nahe Zukunft. Ich wollte gerade applaudieren, da meldeten sich die anwesenden konventionellen Landwirte zu Wort. Herr Schmidt sei ja naiv, zu idealistisch und überhaupt, es sei eine Schande, dass die konventionelle Landwirtschaft immer als Sündenbock herhalten müsse. Mehrere Landwirte mischten sich auf einmal mit ein, um ihrer Empörung über die Verhältnisse kund zu tun. „Wir sind die Sklaven der Weltwirtschaft.“ meinte einer von ihnen und spielte damit auf die ökonomischen Zwänge an, die dem modernen Agrarbauer aufdoktriniert werden. Die Gemüter kochten hoch, man übertönte sich gegenseitig, anschließend versuchte die Moderation zu beschwichtigen. Dann ging jeder nach Hause und fühlte sich unverstanden und in seinen Problemen und Nöten nicht gesehen.

Ich dachte bei all dem nur, wie wichtig es ist, sich gegenseitig wirklich zuzuhören. Denn es geht nicht vorrangig um die Frage, wer Recht hat oder wessen Vorschläge am Ende durchgesetzt werden. Wenn wir ernsthaft versuchen die Belange des Anderen zu verstehen, wird echte Begegnung möglich. Dann können wir gemeinsam an einem Strang ziehen und eine Landwirtschaft und Landschaft gestalten, die sowohl der Naherholung dient, als auch einem angesehenem Leben als Landwirt. Dann ist es vielleicht auch wieder möglich, den Wert einer intakten Natur höher zu schätzen – und die Vision eines friedlichen Miteinanders nicht als grüne Spinnerei abzutun. Wir haben ja nur diesen einen Planeten. Wenn es uns nicht gelingt, dem Artensterben Einhalt zu gebieten, sind unsere menschlichen Sorgen von heute, übermorgen nicht mehr von Belang, weil unser aller Überleben nicht mehr gesichert ist. Und damit meine ich vorrangig das emotionale Überleben. Andreas Weber schreibt in seinem Buch „Alles fühlt“ sehr eindrucksvoll die Notwendigkeit einer Biodiversität zur Spiegelung und wahren Erkenntnis des Daseins schlechthin. Stirbt die Natur, sterben wir. Drum lasst uns miteinander reden und Wege finden, die uns allen dienen.

—- Über die Autorin:
Gabi Finck schreibt derzeit an ihrem ersten Buch über den Mut zum Reisen: Angststörung als Katalysator zur Persönlichkeitsentwicklung. (www.mutzumreisen.mondamo.de)

 

Ahoi.

Man nennt mich Gabi 🙂

Ich fotografiere und schreibe gerne. Ich bin stets auf der Suche nach schönen Projekten, die ich als Mediengestalterin und Journalistin begleiten kann.

Bis dahin. FairWinds! 

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