Dein Gefühl bringt dich nicht um

Du bist auf deinem Jahrmarkt der Gefühle. Alles schreit wild durcheinander. Du siehst aufgerissene Münder, hörst wütende Stimmen, blickst in große traurige Augen, jemand zerrt an dir, ein anderer stellt sich dir in den Weg. Es ist laut, es ist eng, es ist unerträglich heiß. Dieser Jahrmarkt ist schrecklich, alles ist zuviel! Du willst hier fort!

Das innere Chaos annehmen

Schhhh, schhhh, ganz ruhig mein Kind. Atme ein. Atme aus. Und noch einmal. Gut so, schhhhh.

Klein und überfordert fühlst du dich gerade? Okay. Das ist okay. Du darfst auch klein und überfordert sein. Warum denn nicht. Lass dir Zeit darin, schau dich an, wie du da so klein bist. Leg den Arm um dich, tröste dich, hör dir zu, was du zu sagen hast. Wovor hast du Angst?

 

Schau deiner Angst in die Augen, und sie lächelt.

(Russisches Sprichwort)

 

Am liebsten willst du die Angst loswerden, die Traurigkeit hinweg wischen, die Wut abschütteln, endlich von den schlimmen Gefühlen loskommen? Ich hab eine gute Nachricht für dich: Deine Gefühle bringen dich nicht um! Sie wollen vor allem einfach nur eines: Gelebt zu werden, voll und ganz wahrgenommen.

Gefühle sind wie ein Hinweisschild

Stell dir vor du sitzt im Auto und eine Lampe blinkt auf: etwas muss repariert werden. Was würdest du tun? Die Lampe ausschalten und weiter fahren? Oder nach der Ursache forschen und das Auto in Ordnung bringen, damit die Lampe keinen Grund mehr zur Warnung hat?

Ähnlich ist es auch mit unseren Gefühlen: Sie sind ein Anzeiger, ob alles in Ordnung ist in deiner Seele.

Wenn du das nächste mal Angst hast, kannst du dich fragen, warum du Angst hast, was deine Angst dir sagen will. Hast du nicht gut auf dich geachtet, hast du jemandes anderen Bedürfnisse über die deinen gestellt? Hast du dir vielleicht zuviel vorgenommen oder erwartest du Unmögliches von dir? Brauchst du vielleicht eine Pause oder einfach nur Verständnis für deinen Kummer? Wenn du den Gefühlen zuhörst, merkst du, dass sie wie ein guter Freund sein können!

Und ist dir schon einmal aufgefallen, dass Gefühle stärker werden, wenn du krampfhaft versuchst sie wegzuschieben? Das mögen sie nämlich gar nicht gerne! Und was macht das mit dir, wenn du voller Anspannung damit beschäftigt bist, Gefühle nicht zu fühlen? Du wirst ganz verspannt.

Manch einer ist besonders gut darin, Gefühle unter den Teppich zu kehren, bei Problemen wegzuschauen und einfach alles zu unterdrücken, was irgendwie unangenehm ist. Doch je länger du dich verschließt, desto mehr tust du deinem Körper damit Leid an. Eines Tages lange Zeit später wunderst du dich, warum dir so zum Weinen ist, wo du gerade gar keinen Grund ausmachen kannst. Weil das Weinen immernoch in dir ist! Und über all die Zeit nur angewachsen ist.

 


 

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Jedes Gefühl will gelebt werden

Du meinst also, du willst dich vor Unangenehmen beschützen. Aber wieviel Energie kostet das, Gefühle nicht zuzulassen! Wie entfremdest du dich dabei von dir selbst und wirst unlebendig. Ja, so eine Angst kann Angst machen, und so eine Wut dich erschrecken. Aber deine Gefühle werden dich nicht verschlingen. Du wirst da gut hindurch kommen. Das Gefühl will wahrgenommen werden, wie ein kleines Kind, dem etwas weh tut. Erlaube diesem Kind sich zu äußern! Sei einfach da, wenn es schreit.

Wisse darum, dass es dir nicht hilft, deine Angst oder Traurigkeit zu unterdrücken. Sie bleiben in dir, verursachen Verspannungen und Verkrampfungen, und wenn du sie arg lang vernachlässigst werden sie spürbar in Form von chronischen Krankheiten. Da wolltest du dich schützen, und hast doch das Gegenteil erreicht.

Drum, es ist nie zu spät, dich dir selbst wieder zuzuwenden. Mit voller Aufmerksamkeit und geduldiger Liebe.

Von jetzt an will ich – auch wenn es weh tut oder Angst macht! – meinen Gefühlen Raum geben.

 

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Titel-Foto: Alyssa L. Miller

 

 

 

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