Gesellschaft

Per Los zur Politik: Kann der Zukunftsrat Greifswald verändern?

Bald ein Jahr ist der Greifswalder Zukunftsrat nun aktiv – und die meisten Menschen in der Stadt dürften ihn kaum bemerkt haben. Leise, ohne große Schlagzeilen, arbeitet ein Gremium aus 60 zufällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern daran, die Zukunft ihrer Stadt mitzudenken. Zeit für eine Zwischenbilanz: Was ist das eigentlich – und was ist bisher passiert?

60 Menschen, zufällig ausgewählt, sitzen im Greifswalder Rathaus[1]Wo finden die Treffen des Zukunftsrates statt? Genaugenommen nicht im Rathaus, sondern in der IGS Fischer – Integrierte Gesamtschule Erwin Fischer, Einsteinstraße 6 . Sie kennen sich nicht. Sie sind keine Politiker. Und doch sollen sie mitreden, wenn es um die Zukunft ihrer Stadt geht.

Die Idee dahinter klingt verheißungsvoll: mehr Beteiligung, neue Stimmen, weniger politische Hürden. Doch kann das wirklich funktionieren? In Greifswald setzt die Stadtverwaltung auf ein ungewöhnliches Format – einen gelosten „Zukunftsrat“. Im Interview erklärt Herr Jonas Dietrich, Leiter der Kanzlei der Bürgerschaft und Projektleiter des Zukunftsrats, warum man bewusst über klassische Beteiligungsformen hinausgehen wollte – und wo die Grenzen des Modells liegen.

Warum Greifswald die Bürger auslost

Greifswald sei, so Dietrich, ohnehin vergleichsweise aktiv in Sachen Bürgerbeteiligung – nicht nur im Vergleich zu anderen Städten in Vorpommern, sondern landesweit. Der Ausgangspunkt für den Zukunftsrat lag in einem früheren Dialogformat („Greifswald im Dialog“) zur Frage der Unterbringung Geflüchteter. Damals habe man erstmals mit einem Losverfahren gearbeitet – mit überraschenden Effekten:

„Wir haben aber sehr positiv aufgenommen, dass wir mit diesem Losmechanismus Menschen erreicht haben, die man sonst gar nicht erreicht hätte, weil sie sich nur bedingt für Politik interessieren.“

Jonas Dietrich, Leiter der Kanzlei der Bürgerschaft und Projektleiter des Zukunftsrats

Genau darin liegt der Kern der Idee. Klassische Bürgerbeteiligung, sagt Dietrich, verlange immer den ersten Schritt vom Bürger selbst: sich informieren, zu einer Veranstaltung gehen, sich melden, eine Tagesordnung verstehen. „Und wir wollten das brechen, indem wir Leute auslosen, sie aktiv anschreiben.“ Nicht der Bürger kommt zur Politik – die Einladung kommt zum Bürger.

Was Ostdeutschland von Bürgerräten hat

Ein persönlicher Impuls kam für Dietrich aus der Lektüre von Prof. Steffen Mau und dessen Buch „Ungleich vereint“. Mau argumentiert darin, dass Bürgerräte gerade in Ostdeutschland helfen könnten, die politische Bindung zum Staat zu stärken – weil hier historisch gewachsene demokratische Strukturen weniger fest verankert seien als im Westen.

Gleichzeitig habe man sich intensiv mit den Schwächen bestehender Bürgerratsmodelle [2]Übersicht aktueller Bürgerrats-Projekte in Mecklenburg-Vorpommern unter: buergerraete-mv.de auseinandergesetzt. Die auffälligste: Die meisten Bürgerräte sind auf ein einziges Thema und einen kurzen Zeitraum begrenzt. Greifswald wollte es anders. Der Zukunftsrat ist auf drei Jahre angelegt und gerade nicht auf ein Thema festgelegt.

„Die Teilnehmer suchen sich selbst die kommunalen Thematiken aus, die sie bearbeiten wollen.“ Damit verzichtet die Stadt – zumindest formal – auf inhaltliche Steuerung. „Man diktiert kein Thema vor, sondern sie können sich völlig frei aussuchen, worüber sie reden möchten.“ Selbst das Ergebnis sei offen: „Wir sagen nicht, ihr müsst jetzt Empfehlungen für die Bürgerschaft geben.“ Ein Empfehlungsschreiben sei der Wunsch – aber kein Zwang.

Auch der Name ist eine bewusste Entscheidung. „Bürgerrat“ war zum Startzeitpunkt ein belasteter Begriff, unter anderem durch die Klimaproteste der „Letzten Generation“, die solche Räte offensiv gefordert hatte. Um keine unnötigen Barrieren aufzubauen, entschied man sich für „Zukunftsrat“ – „aber das Konzept gleicht der Logik eines Bürgerrats“.

2000 Angeschriebene, 170 Rückmeldungen, 60 Mitglieder

Zusammensetzung des Zukunftsrates im Detail

Das Verfahren war klar strukturiert: 2006 Personen wurden aus dem Einwohnermelderegister gezogen – proportional nach Ortsteilen, Geschlecht und Alterskategorien. Sie wurden angeschrieben und gefragt, ob grundsätzlich Interesse bestehe. Rund 170 meldeten sich zurück – bei etwa 1800 bis 1900 tatsächlich erreichten Personen eine Quote von etwa neun Prozent. Für ein freiwilliges Beteiligungsformat kein schlechter Wert.

Aus diesen 170 wurden schließlich 60 Mitglieder erneut ausgelost – wieder mit Blick auf den Losschlüssel, damit Ortsteile, Geschlechter und Altersgruppen die Stadt möglichst genau abbilden. Für Dietrich ist das ein zentraler Vorzug gegenüber gewählten Gremien: „In der Bürgerschaft haben wir einen männlichen Überhang, eher ältere Personen.“ Der Zukunftsrat dagegen sei „Greifswald ganz klein“ – ein echter Querschnitt.

Die übrigen rund 100 Interessierten bleiben als Stellvertretung an Bord, werden über Sitzungen und Zwischenergebnisse informiert und rücken bei Bedarf nach. So sitzen die 60 nun stellvertretend für die Stadtgesellschaft für die nächsten drei Jahre an einem Tisch.

Material der Stadt Greifswald [3]Übersicht „Zukunftsrat für Greifswald“ (PDF), „Wie funktioniert die Politik in Greifswald?“ (PDF)

Wer begleitet – und wer sich heraushält

Drei externe Moderatorinnen und Moderatoren begleiten den Prozess: zwei von der Facilitation Academy in Berlin, eine weitere Person über einen von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten Verein [fint e.V.], der Dialogformate und Bürgerräte in Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. Bewusst extern, betont Dietrich – Menschen „die überhaupt keinen lokalen Bias haben“. Verwaltung und Politik bleiben im Hintergrund: organisatorisch präsent, inhaltlich außen vor. Dietrich selbst beschreibt seine Rolle mit ironischem Understatement – er kümmere sich „um das Kuchenbuffet“, nicht um Inhalte. Ziel ist es, jede Einflussnahme bestmöglich zu vermeiden und den Raum wirklich den Bürgern zu überlassen. Aus der Bürgerschaft soll ausdrücklich niemand teilnehmen.

Bemerkenswert auch die Finanzierung: Das Projekt läuft zu 100 Prozent aus Fördermitteln, ohne den städtischen Kernhaushalt zu belasten – eine ausdrückliche Vorgabe der Politik angesichts der Haushaltslage. Getragen wird es unter anderem von der Robert-Bosch-Stiftung, der Partnerschaft für Demokratie (die vor allem die Aufwandsentschädigungen der Teilnehmenden übernimmt) sowie einem weiteren Förderfonds [Fonds für Vorpommern und das östliche Mecklenburg], der die Moderationskosten trägt.

Fühlen sich die Menschen gehört? Uni Greisfwald misst mit

Der Zukunftsrat ist nicht nur Beteiligung, sondern auch Gegenstand wissenschaftlicher Begleitung. Betreut wird er von Forscherinnen der Universität Greifswald, gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung. Die Projektleiterinnen sind Frau Prof. Dr. Kröber (Politikwissenschaft) und Frau Prof. Dr. Thummes (Kommunikationswissenschaft).

Untersucht wird vor allem:

  • Fühlen sich die Menschen gehört?
  • Verändert sich ihr politisches Interesse?
  • Entstehen tatsächlich tragfähige Ergebnisse?

Dafür gibt es Fokusgespräche und wiederkehrende Umfragen – teils anonym, teils über einen persönlichen Code, sodass sich Veränderungen im politischen Interesse über die Zeit verfolgen lassen. Eine kleine Langzeitstudie also, personengebunden, aber nicht namentlich. Langfristig soll sichtbar werden, ob solche Formate mehr sind als gut gemeinte Experimente.

Vier Treffen, ein Jahr: Was bisher geschah

So ist der Rat gedacht – und so läuft er bisher. Bald ein Jahr ist er aktiv und hat sich in dieser Zeit viermal getroffen: im Oktober 2025, im Februar 2026, im Juni 2026 und im September 2026.

Der geplante Ablauf ist dabei einfach und einleuchtend: Zuerst sammelt der Rat die Themen, die die einzelnen Bürgerinnen und Bürger bewegen. Anschließend werden diese Themen nach und nach in eigenen Vertiefungstreffen einzeln bearbeitet – und aus dieser Arbeit sollen am Ende die Empfehlungen an die Bürgerschaft entstehen.

Zukunftsrat-Sitzung in der IGS Fischer: Es wird in Vierergruppen an verschiedenen Tischen gearbeitet.

Die ersten beiden Treffen dienten genau dieser Themenfindung. In der ersten Sitzung ging es zunächst um Grundlegendes: Wie wollen wir miteinander umgehen? Was erwarten wir? Und welche Themen bewegen uns überhaupt? Dabei kam, so Dietrich, eine überraschende Fülle zusammen – deutlich vielfältiger als erwartet. „Man denkt ja immer, jetzt kommen alle und wollen über Gehwege reden. Aber es war wirklich ganz divers.“ Dabei entstand eine breite Themenlandschaft – von Mobilität und Nachhaltigkeit über Kinder und Jugendliche bis hin zur kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt. Insbesondere in der zweiten Sitzung ging es darum, besser zu verstehen, wie kommunale Entscheidungen zustande kommen und welche Rolle der Zukunftsrat dabei einnehmen kann.

Auffällig war die Stimmung. Am Ende der ersten Sitzung wollte niemand gehen. „Manche hätten gerne bis 22 oder 24 Uhr weitergemacht“, erinnert sich Dietrich. Menschen, die sich sonst nie begegnet wären, blieben sitzen, tauschten sich aus, knüpften Kontakte. Ein älterer Herr stand auf und sagte, er lebe seit 60 Jahren in Greifswald und habe hier noch nie erlebt, in einem Raum niemanden zu kennen – und finde genau das großartig. Die einzige nennenswerte Kritik in der anschließenden Feedbackrunde? Das Kuchenbuffet sei zu zuckerhaltig gewesen. Beim nächsten Mal, versprach Dietrich, werde es Obst geben.

Bewusst ließ man zwischen erster und zweiter Sitzung viele Monate verstreichen – „um diese anfängliche Euphorie erstmal ein bisschen abzubremsen“ und zu sehen, ob die Menschen wirklich dranbleiben. Sie blieben. Bis auf eine weggezogene Person kamen alle wieder.

Welchen Einfluss hat der Zukunftsrat Greifswald auf die Politik?
Übersicht: Wie funktioniert die Politik in Greifswald?

In der dritten und vierten Sitzung begann dann die inhaltliche Arbeit. Fachleute gaben zunächst Informationen zu Fragen, die aus dem Zukunftsrat selbst gekommen waren. Anschließend arbeiteten die Teilnehmenden mit Brainwriting, Stadtplänen und in Gruppen an ihren eigenen Erfahrungen und Ideen. Die ersten beiden Themen waren hierbei Infrastruktur und Mobilität und Kulturelle Entwicklung und gesellschaftliche Mitgestaltung.
Mit dem Sitzungstag war die Arbeit am Thema allerdings nicht beendet. Die zahlreichen Hinweise und Arbeitsergebnisse wurden anschließend durch die Projektbegleitung gebündelt und zu ersten übergeordneten Leitideen verdichtet. Diese gingen zurück an die Mitglieder des Zukunftsrates. In schriftlichen Rückmeldungen und digitalen Gesprächsrunden konnten sie ergänzen, widersprechen und Veränderungen vorschlagen.

Zu einem auf drei Jahre angelegten Beteiligungsformat gehört auch, dass sich die Zusammensetzung der Gruppe im Laufe der Zeit verändert. Stellvertreterinnen und Stellvertreter rückten aus verschiedenen Gründen nach. Die bisherigen Erfahrungen zeigen allerdings, dass solche Veränderungen in der Zusammensetzung der Gruppe gut funktionieren. Es bleibt es eine wichtige Aufgabe, neue Mitglieder gut in den bereits laufenden Prozess einzubeziehen.

Und jetzt die offenen Fragen

So weit die Würdigung – und sie fällt bewusst positiv aus. Der Zukunftsrat ist ein durchdachtes, ernst gemeintes und ungewöhnlich mutiges Projekt. Und doch lohnt sich, gerade weil man dem Format Erfolg wünscht, ein zweiter, kritischer Blick. Nicht als Vorwurf – sondern als offene Fragen, die man aus der Distanz stellen darf.

Erstens: Wird vertieft – oder nur gestreift?

Der Plan sieht vor, die vielen gesammelten Themen nacheinander in einzelnen Treffen zu behandeln. Das ist nachvollziehbar. Aber die Themenliste ist lang, und die Zeit ist begrenzt. Reicht ein Vertiefungstreffen wirklich, um einem so komplexen Feld wie Mobilität oder bezahlbarem Wohnraum gerecht zu werden? Oder besteht die Gefahr, dass jedes Thema einmal angerissen wird, man ein wenig Fachwissen mitnimmt – und dann weiterzieht zum nächsten, bevor aus Erkenntnis eine eigene Haltung werden konnte?

Zweitens – und das ist die eigentliche Frage: Wie viel Selbstorganisation entsteht hier wirklich?

Dietrich beschreibt die Arbeitsteilung ganz offen: Die Gruppe bestimmt, über welches Thema geredet wird – „und wir liefern dann alles Weitere dazu“. Genau an diesem „alles Weitere liefern wir“ hängt die entscheidende Spannung. Denn ein durchgeplanter, professionell moderierter Prozess mit vorbereiteten Stationen, eingeladenen Fachleuten und fertig gerahmten Fragen nimmt den Teilnehmenden viel ab – die organisatorische Last, aber vielleicht auch ein Stück der eigenen Denkarbeit. Es entsteht womöglich keine echte Gruppendynamik im Sinne von: Was wollen wir eigentlich – und wie erreichen wir das? Sondern eher eine sehr gut gemachte, geführte Einführung in die Politik.

Das ist ausdrücklich sehr wertvoll: Menschen, die sich nie mit Kommunalpolitik befasst haben, verstehen zum ersten Mal, wie ihre Stadt funktioniert – mit Ortsteilvertretungen, Fachbeiräten, Aufsichtsräten, Zuständigkeiten zwischen Stadt, Kreis und Land. Sie lernen die Perspektiven der anderen kennen und die der Verwaltung. Sie erfahren, warum manches eben nicht so einfach geht, wie es von außen scheint. Das ist wertvolle politische Bildung, und sie ist gerade in Ostdeutschland – ganz im Sinne von Steffen Mau – womöglich das eigentlich Wichtige.

Aber es ist eben etwas anderes als das, was das Format auf den ersten Blick zu versprechen scheint. Und daraus ergibt sich die vielleicht spannendste Frage überhaupt:

Wird hier Selbstorganisation ermöglicht und überhaupt gewollt – oder ist der Zukunftsrat in Wahrheit eine (durchaus wertvolle) politische Schulung engagierter Bürger, ein Lernraum für das Verständnis dafür, wie Stadtverwaltung funktioniert?

Beides wäre legitim. Aber es wäre gut, wenn der Rat selbst wüsste, was von beidem er sein will.

Drittens: Wer verdichtet am Ende die vielen Stimmen zu Empfehlungen?

Wenn aus einem Meer von Ideen, Notizen und Diskussionen am Ende ein Empfehlungsschreiben werden soll, muss jemand den entscheidenden Schritt tun: sortieren, zusammenfassen, auf den Punkt bringen. Genau dieser Schritt – vom Rohmaterial zur Aussage – ist der eigentlich politische.

Dietrich teilt auf Nachfrage mit, man habe beim ersten Vertiefungsthema Mobilität einen mehrstufigen Weg gewählt: Die Erfahrungen, Hinweise und Ideen seien zunächst in der Arbeit der Teilnehmenden entstanden. Die Projektbegleitung habe dieses Material anschließend gebündelt und daraus erste Leitideen formuliert. Diese seien jedoch nicht einfach zur Zustimmung vorgelegt, sondern wieder in den Rat zurückgespielt worden – schriftlich und in digitalen Gesprächsrunden konnten die Mitglieder ergänzen, widersprechen und Änderungen vorschlagen.

Das nimmt dem „Abnicken“ die Schärfe – aber nicht ganz. Denn zwei Dinge bleiben. Der erste, prägende Zugriff – was wird hervorgehoben, was zusammengeführt, was fällt weg? – liegt weiterhin bei der Begleitung, nicht beim Rat. Und die Form, in der danach zurückgespielt wird, ist nicht neutral: Wer allein zu Hause eine schriftliche Rückmeldung verfasst oder sich in einer digitalen Runde zu Wort meldet, bringt sich anders ein als jemand, der im Raum spontan widerspricht. Diese nachgelagerte Beteiligung bevorzugt die Geübten und Sprachsicheren – ausgerechnet jene also, die ein gelostes Gremium am wenigsten voraussetzen wollte. So bleibt die Frage, ob der Zukunftsrat die Empfehlungen auf diese Weise wirklich aus sich selbst heraus erarbeitet – oder ob er am Ende eine stark moderierte Vorlage bestätigt.

Die Frustrationsfrage

Bleibt eine letzte, grundsätzliche Spannung, die Dietrich selbst offen anspricht. Der Zukunftsrat kann Empfehlungen formulieren – entscheiden aber wird weiterhin die gewählte Bürgerschaft. Diese hat zwar beschlossen, sich mit den Ergebnissen zu befassen und dazu Stellung zu nehmen. Doch eine Stellungnahme ist keine Umsetzung.

Genau das war eines der Gegenargumente, als über die Einrichtung des Rats debattiert wurde: die Sorge, dass Menschen mit der Erwartung kommen, ihre Vorschläge würden Realität – und frustriert zurückbleiben, wenn das nicht geschieht. Wie groß ist diese Frustrationsgefahr? Der Erfolg des Formats wird sich auch daran messen lassen, ob die Beteiligten am Ende das Gefühl haben, etwas bewirkt zu haben. Dietrich formuliert den Wunsch bescheiden: „dass die Leute, die beim Zukunftsrat dabei waren, sagen: Das hat sich gelohnt.“

Fazit: Ein leiser Anfang – mit offenem Ende

Der Zukunftsrat beginnt nicht mit großen Beschlüssen, sondern mit etwas viel Grundlegenderem: mit dem Gespräch. Mit echtem Zuhören und ungefiltertem Austausch. Menschen, die sich sonst nie begegnet wären, sitzen plötzlich gemeinsam an einem Tisch.

Ob daraus konkrete Politik wird, ist offen. Ob daraus etwas Wichtiges entsteht, ist dagegen schon jetzt spürbar.

Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Aufgabe der kommenden Monate – nicht nur für die Stadt, sondern für den Rat selbst: sich zu fragen, was er sein möchte. Ein geführtes Gremium, das sich klug an die Hand nehmen lässt? Oder eine Gruppe, die lernt, sich selbst zu organisieren, eigene Prioritäten zu setzen und eigene Worte zu finden? Vielleicht von beidem etwas. Aber diese Frage sollte der Rat selbst stellen dürfen – nicht die Moderation für ihn.

Denn manchmal beginnt Veränderung nicht mit einer Entscheidung – sondern mit der einfachen Frage:

„Was wäre, wenn wir wirklich miteinander reden?“

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Quellen und weitere Hinweise

Quellen und weitere Hinweise
↑1 Wo finden die Treffen des Zukunftsrates statt? Genaugenommen nicht im Rathaus, sondern in der IGS Fischer – Integrierte Gesamtschule Erwin Fischer, Einsteinstraße 6
↑2 Übersicht aktueller Bürgerrats-Projekte in Mecklenburg-Vorpommern unter: buergerraete-mv.de
↑3 Übersicht „Zukunftsrat für Greifswald“ (PDF), „Wie funktioniert die Politik in Greifswald?“ (PDF)

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