Seit einem Jahr bin ich nun Mutter von zwei Kindern, aber es gibt eine Sache, die mir immer noch wirklich schwerfällt. Unsere Kinder sind jetzt fast vier und eins, das erste Babyjahr liegt hinter uns, und wir haben uns als Familie gut eingespielt. Die beiden mögen sich, was eine Erleichterung ist. Trotzdem fühle ich mich jedes Mal gestresst, wenn ich die Kinder für längere Zeit allein betreuen muss. Und mit „länger“ meine ich nicht Tage oder Wochen, sondern oft nur einen ganzen Tag – manchmal inklusive Abendroutine, wenn mein Mann am Wochenende arbeitet. Alleinerziehende Eltern rollen wahrscheinlich schon mit den Augen.
Die täglichen Herausforderungen im Alltag
Aber: Zwei Kinder mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Essensvorlieben zu versorgen, ist eine echte Herausforderung. Die Kleine braucht Unterstützung bei ihren Tagschläfchen, während ich den Großen dazu anhalten muss, sich ruhig zu verhalten. Vorlesen für den Großen wird ständig unterbrochen, weil die Kleine beim Krabbeln stürzt oder anfängt, den Küchenschrank auszuräumen. Manchmal steckt sie sich auch Kleinteile in den Mund, was mich in Alarmbereitschaft versetzt. Wickeln muss unterbrochen werden, weil das große Kind plötzlich dringend auf die Toilette muss.
Zerrissen zwischen Bedürfnissen
Dieses „bedürfnisorientierte Erziehen“ bringt mich manchmal an meine Grenzen. Es fühlt sich so an, als würde ich keinem der beiden Kinder gerecht werden. Meine Anweisungen werden kürzer, mein Ton schärfer, und ich kann bei weitem nicht die Mutter sein, die ich gern wäre.
Eingeschränkter Bewegungsradius
An solchen Tagen ist unser Aktionsradius extrem klein. Ich traue mich allein mit beiden Kindern kaum weiter als zum Nachbarspielplatz. Wenn ich früh genug weiß, dass mein Mann nicht da ist, lade ich die weit entfernt lebenden Großeltern ein, um Unterstützung zu bekommen. Andernfalls bereite ich mich akribisch vor: Ich plane das Essen, schneide Snacks vor und überlege mir Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kinder.
Scham und Selbstzweifel
Doch schlimmer als der Stress ist an solchen Tagen die Scham, die mich begleitet. Ich denke, dass ich das doch problemlos schaffen sollte. Schließlich haben wir uns bewusst für zwei Kinder entschieden. Dabei denke ich oft an die vielen alleinerziehenden Eltern, die täglich mehrere Kinder allein managen müssen – meinen größten Respekt!

Was du tun kannst
Hab mehr Selbstmitgefühl!
Du setzt dich stark unter Druck, allem und jedem gerecht zu werden – das ist verständlich, aber es ist wichtig zu erkennen, dass du nicht perfekt sein musst. Du machst einen großartigen Job, und es ist völlig in Ordnung, dass nicht immer alles reibungslos verläuft. Sei nachsichtiger mit dir selbst, du bist auch nur ein Mensch.
Strukturiere deine Erwartungen neu.
Dein Anspruch, beiden Kindern gleichzeitig in vollem Umfang gerecht zu werden, ist unrealistisch. Es ist normal, dass du dich zerrissen fühlst, denn zwei Kinder in unterschiedlichen Entwicklungsphasen stellen sehr unterschiedliche Bedürfnisse. Du kannst nicht immer beiden gleichzeitig gerecht werden, und das ist völlig in Ordnung. Akzeptiere, dass es Zeiten gibt, in denen eins der Kinder mal warten muss.
Was wirklich hilft, sind Mama-Freundinnen mit Verständnis und ähnlichen Gefühlen. Solche, die du anrufen kannst, wenn alles schief läuft, und die dir sagen: „Hey, das ist völlig normal und nicht schlimm. Weißt du, was mir letztens passiert ist?“ Und dann bringen sie dich mit einer lustigen Geschichte zum Lachen. Diese Freundinnen sind Gold wert!
Plane Auszeiten für dich selbst.
Du kümmerst dich intensiv um deine Kinder, aber vergiss nicht, dass du selbst ebenfalls Pausen brauchst. Es ist in Ordnung, sich Unterstützung zu suchen, sei es durch die Großeltern oder Freunde. Versuche regelmäßig, auch kleine Zeitfenster für dich selbst einzuplanen, um Energie aufzutanken.

Finde deine Balance zwischen Struktur und Flexibilität.
Es ist gut, dass du die Tage akribisch vorbereitest, aber sei dir bewusst, dass du nicht jeden Moment kontrollieren kannst. Kinder sind unvorhersehbar, und es hilft, sich auf das Unerwartete einzustellen, anstatt sich davon frustrieren zu lassen.
Lass den Vergleich mit anderen Eltern los.
Insbesondere der Vergleich mit Alleinerziehenden setzt dich unnötig unter Druck. Jeder hat andere Herausforderungen, und dein Erleben ist genauso legitim. Du darfst dich über deine Belastung beklagen, ohne dass es weniger wert ist, weil andere vielleicht andere oder größere Probleme haben.
Vergleiche dich nicht mit anderen Müttern, die vielleicht sogar drei oder vier Kinder scheinbar entspannt handhaben und alles als wunderschön und kuschelig darstellen. Vergleiche ziehen dich immer runter. Jede hat unterschiedliche Kapazitäten und Voraussetzungen – nicht nur im praktischen Sinne, sondern auch emotional und typabhängig. Wir alle haben unterschiedliche Stärken, Resilienzen, Sensibilitäten und natürlich auch verschiedene Kinder.
Das Zentrale Problem liegt in deinem Perfektionismus und der Angst, nicht genug zu sein. Diese Erwartung, perfekt für beide Kinder da zu sein, führt dazu, dass du dich selbst überforderst. Ich rate dir, anzuerkennen, dass es nicht immer harmonisch und ausgeglichen laufen kann, und dass das völlig normal ist. Versuche, diesen inneren Druck loszulassen – das wird dir langfristig mehr Erleichterung bringen.
Es ist wichtig, das eigene Verhalten im größeren Zusammenhang zu sehen, um einen gesunden Umgang miteinander zu pflegen.
Frage dich: Woran werden sich Kinder in 20 Jahren erinnern?
Wahrscheinlich nicht an stressige Tage oder kleine Missgeschicke.
Nicht jede Minute des Lebens muss positiv gefüllt sein – auch langweilige oder anstrengende Tage sind normal.
Dinge, für die man sich wirklich schämen müsste:
- Kinder körperlich oder psychisch misshandeln
- Kindern nichts zu essen geben
- Sich tagelang überhaupt nicht um sie kümmern
- Sie nicht waschen oder sich nicht um ihre Gesundheit kümmern
Dinge, für die man sich nicht schämen muss:
- Tiefkühlgerichte oder Grießbrei servieren
- Einen oder mehrere Tage nichts draußen unternehmen
- Kinder mal einen Tag im Schlafanzug rumlaufen lassen
- Keine besonderen Beschäftigungen planen
- Mal sauer werden oder auch an manchen Tagen öfter sauer werden
- Elternsein meistens als anstrengend empfinden oder manchmal frustrierend finden
Solange Kinder sich geliebt und versorgt fühlen, wird alles gut werden.
