Babygebärden lernen – Vergleich verschiedener Möglichkeiten und Anbieter.
Wenn du dich mit Babyzeichensprache oder Babygebärden beschäftigst, taucht sie früher oder später auf: die große Frage, welche Zeichen man eigentlich verwenden soll.
Es gibt so viele Kurse, Bücher, Apps, Poster und Videos. Manche nutzen Zeichen aus der DGS (Deutsche Gebärdensprache), andere sind frei erfunden. Manche sind intuitiv, andere wirken fast zu komplex für kleine Kinderhände.
Also – welche Babyzeichensprache ist die richtige?
In diesem Beitrag bekommst du keine dogmatische Antwort, sondern Orientierung: fundiert, praktisch, und mit dem Blick fürs Wesentliche – nämlich die liebevolle, klare Kommunikation mit deinem Kind.
Gibt es die Babyzeichensprache?
Nein – es gibt kein weltweites, einheitliches System für Babyzeichen. Was unter „Babyzeichensprache“ oder „Babygebärden“ angeboten wird, ist immer ein pädagogisches Hilfsmittel für hörende Kinder, das meist auf echter Gebärdensprache basiert, aber angepasst und vereinfacht wird.
Viele Anbieter und Eltern orientieren sich an der Deutschen Gebärdensprache (DGS) oder der American Sign Language (ASL) – andere entwickeln intuitive Zeichen aus Alltagssituationen heraus. Der gemeinsame Nenner: die Zeichen sollen leicht verständlich und machbar für Babys sein.
Orientierung an der DGS – hilfreich, aber nicht verpflichtend
Die DGS ist die anerkannte Sprache gehörloser Menschen in Deutschland. Sie ist vollständig, visuell, ausdrucksstark – und auch für hörende Kinder spannend, weil sie sehr bildhaft ist.
Was für die DGS spricht:
- Sie hat einen klar dokumentierten Gebärdenwortschatz (z. B. gebaerdenlernen.de).
- Sie kann später Anschluss an inklusive Bildung oder gehörlose Menschen ermöglichen.
- Viele Gebärden sind sehr intuitiv – „trinken“, „essen“ oder „Hund“ sehen oft so aus, wie das, was sie bedeuten.
Aber: Nicht alle Zeichen aus der DGS sind von Babys einfach nachzuahmen. Deshalb dürfen – und sollen – sie vereinfacht oder angepasst werden.
Babyzeichensprache ist kein Test. Sie ist ein Kommunikationsweg.
Warum vorgegebene Zeichen trotzdem unglaublich praktisch sind

Gerade am Anfang ist es sehr hilfreich, mit vorgegebenen Zeichen zu starten – zum Beispiel mit meinem Gebärdenposter mit „Babys erste Gebärden“ und denn dazu passenden Lernkarten. Sie zeigen dir nicht nur, wie die Gebärde aussieht, sondern geben dir auch gleich Beispielsätze, mit denen du das Zeichen im Alltag einsetzen kannst.
Das hat viele Vorteile:
- Du musst nicht alles selbst erfinden, sondern kannst sofort loslegen.
- Die Zeichen sind erprobt, alltagsnah und verständlich gestaltet.
- Mit den Lernkarten kannst du immer wieder nachschauen, wenn du ein Zeichen vergessen hast – und bleibst so spielerisch dran.
Und das Beste: Du musst dich nicht dogmatisch daran halten. Wenn eine Bewegung für dich oder dein Kind nicht stimmig ist, darfst du sie anpassen. Wichtig ist nur:
Bleib für dein Kind klar und wiederholbar.
Du sprichst ja auch nicht in Babysprache, sondern deutlich – auch wenn dein Kind „Wauwau“ sagt. Genauso darf dein Kind das Zeichen anfangs nur andeutungsweise machen, während du selbst die Gebärde in ihrer klaren Form weiter zeigst.
Das macht etwas Wundervolles mit deinem Blick:
Du wirst aufmerksam für jede kleine Handbewegung.
Du lernst dein Kind nochmal neu zu lesen.
Und plötzlich erkennst du: „Oh – das war das Zeichen für Milch! Nur ein bisschen anders.“
Diese Momente sind magisch.
Darf man Zeichen auch selbst erfinden?
Ja, unbedingt. Babyzeichensprache ist keine starre Sprache mit Grammatikregeln, sondern ein Werkzeug für Verbindung und Verstehen. Wenn du spürst, dass ein bestimmtes Zeichen im Alltag fehlt oder schwer umzusetzen ist, kannst du es intuitiv entwickeln.
Wichtig ist nur:
- das Zeichen konsequent im selben Kontext zu verwenden,
- es immer mit Sprache zu begleiten,
- und offen zu sein für die individuelle Variante deines Kindes.
Zwei Alltagsbeispiele für selbst entwickelte Zeichen
1. „Windel wechseln“ – eine einfache Geste mit Wirkung
Situation: Du möchtest deinem Kind die Möglichkeit geben zu zeigen, wenn es gewickelt werden möchte.
So entsteht ein eigenes Zeichen: Du tippst bei jeder Wickelsituation leicht mit zwei Fingern auf den Po deines Babys und sagst „Windel wechseln“. Nach einigen Tagen oder Wochen übernimmt dein Kind diese Bewegung – vielleicht nicht ganz genau, aber erkennbar. Es tippt eines Tages auf die Windel und signalisiert dir so, dass sie voll ist!
Warum funktioniert das? Es ist eine wiederkehrende, klare Handlung – Babys lernen durch Wiederholung im vertrauten Zusammenhang.
2. „Am Ohr wackeln“ – das eigene Zeichen für Musik
Situation: Immer wenn ihr Musik hört, wippt dein Baby mit dem Kopf und greift ans Ohr.
So entsteht ein eigenes Zeichen: Du nimmst es auf und verstärkst es durch Sprache – „Ja, Musik! Wir hören Musik!“. Später macht dein Kind vielleicht diese Bewegung, wenn es sich Musik wünscht.
Warum funktioniert das? Das Zeichen ist eng mit einer angenehmen Situation verbunden und wird aktiv vom Baby genutzt – die perfekte Voraussetzung für Kommunikation.
Falls dir meine Lernkarten gefallen haben und du so richtig Lust hast, mehr zu lernen und loszulegen, kann ich dir auf diesem Wege noch ein paar Bücher und Kurse zum Lernen von Baby-Gebärden nahe legen:
1. babySignal – Gebärdenkurse mit DGS-Bezug
- Bietet bundesweit Präsenz- und Onlinekurse für Eltern mit Kindern im Alter von ca. 6 – 24 Monaten
- Nutzt echte Gebärden der Deutschen Gebärdensprache, didaktisch angepasst auf Babys
- Kursinhalte: Alltagsthemen wie Essen, Schlaf, Wickeln, Gefühle; Interaktion, Lieder, Spiel, Austausch
- babysignal.de
2. Zwergensprache – „Kindergebärden“ auf spielerische Weise
- Eines der bekanntesten Konzepte in Deutschland mit über 200 Standorten, Präsenz- und Onlinekurse
- Basiert auf vereinfachten DGS-Zeichen („Kindergebärden“), pädagogisch umgesetzt in Bewegung, Liedern, Alltagssituationen
- Viel Austausch, Fokus auf Bedürfnisse, Farben, Fahrzeuge, Jahreszeiten usw.
- zwergensprache.com
3. BabyHandzeichen – Gebärden aus der DGS kombiniert mit Lernmaterialien
- System mit Online- und Präsenzkursen ab etwa 6 Monaten, basiert gezielt auf originalen DGS-Gebärden
- Verfügbar sind Videos, Lernkarten, Kursleiterpakete, Poster und Bücher, ideal für selbstgesteuertes Lernen .
- Der Ansatz betont Verbindung, Kommunikation und Früherkennung kindlicher Signale
- baby-handzeichen.de
4. Netzwerk Kindergebärden – lokale Kursleitungen mit eigenem Konzept
- Zusammenschluss zahlreicher unabhängiger Kursleiter:innen, die jeweils eigene Konzepte auf Basis DGS oder Lautsprachunterstützung nutzen
- Regionale Angebote mit kreativen Ideen, Liedern, Fingerspielen, eigenen Materialien und Austausch unter Kursleitern
- kindergebaerden.info
🧭 Vergleich & Tipps zur Auswahl
| Anbieter | Fokus | Materialangebot | Kurstyp |
|---|---|---|---|
| babySignal | DGS-Gebärden alltagsnah | Präsenz, Online | Eltern-Kind-Kurse 6–24 Monate |
| Zwergensprache | Kindergebärden & Alltagsspiele | Präsenz, Online, Workshops | Große Struktur, viele Themen |
| BabyHandzeichen | Original-DGS + Lernmaterialien | Videos, Karten, Poster | Selbstlern- und Kursformat |
| Netzwerk Kindergebärden | Eigenentwickelte, kreative Konzepte | Lokale Kurse & Austausch | Individuell vor Ort |
Babygebärden: Euer ganz eigener Weg
Babyzeichensprache ist kein starres System – sie ist eine Einladung, deinem Kind auf eine neue Weise zuzuhören. Du kannst mit bestehenden Zeichen aus der DGS starten, du kannst eigene Wege gehen oder beides mischen. Hauptsache, es passt zu euch.
Nutze gern mein Gebärdenposter „Mit Händen sprechen – erste Babygebärden„ mit den Lernkarten, um eine klare, einfache Grundlage zu haben. Sie helfen dir, schnell in den Alltag zu starten – und dein Kind liebevoll zu begleiten. Und dann: beobachte, sei offen, sei neugierig. Dein Baby wird dir zeigen, wie viel es verstanden hat. Auch wenn das Zeichen noch holprig aussieht.
Fazit: Kombiniere das Beste – mit Herz, Sinn und Freude
Wenn es um Babyzeichensprache geht, gibt es keine Dogmen.
Orientiere dich gern an der DGS – aber erlaube dir, pragmatisch und flexibel zu sein.
- Übernimm Elemente aus der DGS, wo es sinnvoll ist.
- Nutze intuitive Zeichen oder Vereinfachungen, wenn sie zu deinem Kind passen.
- Du darfst eigene Zeichen entwickeln, solange ihr sie gemeinsam versteht.
Was zählt, ist Verbindung, Verständnis und gemeinsame Freude an Kommunikation.
Egal, welches „System“ du wählst: Wenn dein Baby dich anstrahlt, weil du verstehst, dass es noch mehr Banane will – dann funktioniert eure Sprache perfekt.
